E-Commerce: Flink, Gorillas, Wolt: Der Boom der Lebensmittel-Lieferdienste geht an vielen Kunden vorbei
Die Restaurant- und Lebensmittellieferdienste konzentrieren sich auf den Konkurrenzkampf in den Großstädten.
Foto: BloombergHamburg, Düsseldorf. Flauschiger Teppichboden ist nicht unbedingt der beste Bodenbelag für einen Raum, den hauptsächlich Fahrradkuriere nutzen sollen. Und doch startet der Lieferdienst Wolt in dieser Woche seine Expansion nach Hamburg aus einem brandneuen Bürogebäude am Rand des Unesco-Weltkulturerbes Kontorhausviertel.
Der Raum war eben kurzfristig zu haben. Klar, auf die Dauer sei das zu schick, sagt Wolt-Kommunikationschef Fabio Adlassnigg. In den kommenden Monaten solle der aus Finnland stammende Lieferdienst eher schlichte Lagerräume mit angeschlossenem Büro anmieten. Bis Jahresende sollen 500 Fahrer mit den blauen Rucksäcken in Hamburg unterwegs sein.
Wolt hat wenig Zeit: Der Wettbewerb der Lieferdienste um die deutschen Metropolen läuft. Hamburg war die erste Stadt, in der der Schnelllieferdienst Flink innerhalb von zehn Minuten Lebensmittel ausliefert.
Dessen Vorbild Gorillas ist längst in der Stadt, Marktführer Lieferando sowieso, dazu der kleine Lieferant Bringoo. Foodpanda, die in Deutschland neu gestartete Liefer-App von Delivery Hero, akquiriert erste Restaurantpartner in der Hansestadt.
Es herrscht Goldgräberstimmung im Onlinehandel mit Lebensmitteln. Der Umsatz im E-Commerce mit den Supermarktprodukten ist auch dank des Corona-Effekts im vergangenen Jahr um 58 Prozent auf 4,5 Milliarden Euro gewachsen, wie eine Studie des Handelsforschungsinstituts IFH zeigt, die dem Handelsblatt exklusiv vorliegt.