Kommentar: Flächendeckendes 2G ist kein Heilsbringer
Ein Mitarbeiter der Zugspitzbahn klebt einen 2G-Hinweis an die Eingangstür der Talstation. Nur noch Geimpfte und Genesene haben Zutritt.
Foto: dpaNicht alles, was unser Nachbar Österreich in der Coronapolitik macht, muss Vorbild für Deutschland sein. Nur weil in der Alpenrepublik ab diesem Montag 2G gilt, also Menschen ohne nachgewiesene Immunisierung dann keine Lokale, Friseure oder Veranstaltungen mehr besuchen dürfen, sollte hierzulande nicht sofort der Nachahmungsreflex einsetzen.
Sicher, die Infektionszahlen in Deutschland sind auf Rekordhoch. Die vierte Coronawelle rollt. Die Zahl der Intensivpatienten steigt.
Dass es so weit gekommen ist, ist misslich genug. Die Politik muss also dringend über Maßnahmen entscheiden, wie das Infektionsgeschehen wieder eingedämmt werden kann. Vor allem auf die gefährliche Situation in den Pflegeheimen und die unsichere Lage für Kinder an Schulen und Kitas muss schnell reagiert werden.
Doch 2G und damit ein Zutritt nur für Geimpfte und Genesene ist kein Heilsbringer. Schon gar nicht, wenn es um eine bundesweite Regelung geht.
Es ergibt natürlich Sinn, in Corona-Hotspots wie in Sachsen mit einer Inzidenz über 400 drastische Vorschriften zu erlassen. Auch hier wird ab diesem Montag in weiten Teilen des öffentlichen Lebens die 2G-Regel greifen. Und privaten Veranstaltern oder Gastronomen steht es ohnehin frei, nur Geimpfte und Genesene einzulassen.
Doch das allein wird kein Rezept sein, um durch den Coronawinter zu kommen. Dafür gibt es gleich mehrere Gründe.
Der naheliegendste: Wo Regelungen eingeführt werden, müssen sie auch durchgesetzt und kontrolliert werden. Aber schon 3G mit einer Berücksichtigung von Getesteten wird zuweilen lax gehandhabt.
Dazu kommt, dass auch Geimpfte sich infizieren und das Coronavirus übertragen können. Hier bietet also auch eine 2G-Regel keinen umfassenden Schutz. Mehr noch, Virologen warnen sogar vor einer „Scheinsicherheit“.
Und was ist mit den Ungeimpften? Sollten sie aus Teilen des öffentlichen Lebens komplett ausgeschlossen werden, dürfte die Verbreitung des Virus im privaten Bereich Auftrieb erhalten.
Dass die Tests hierzulande so in den Hintergrund getreten sind, ist eine gefährliche Entwicklung. Was spricht gegen mehr 1G? Tests für Geimpfte, Genesene und Ungeimpfte müssten – zumindest in Pflegeheimen und Bildungseinrichtungen – selbstverständlich werden. Alles andere sollten die Länder mit Blick auf das aktuelle Infektionsgeschehen regeln.
Sich über generelles 2G oder 3G auf Weihnachtsmärkten zu streiten ist Zeitverschwendung.