Wirtschaftsprüfer: EY rüstet sich für die Abwehrschlacht im Wirecard-Bilanzskandal
Die Staatsanwaltschaft München I ermittelt gegen ehemalige und aktuelle EY-Prüfer, weil sie über Jahre hinweg in womöglich strafbarer Weise Wirecard-Bilanzen testierten.
Foto: dpaDüsseldorf. Freshfields soll es richten. Als die Verantwortlichen bei EY sich fragten, wie sich die Wirtschaftsprüfergesellschaft gegen die juristischen Risiken im Wirecard-Skandal wappnen könnte, fiel die Wahl auf Freshfields Bruckhaus Deringer. EY setzt damit auf dieselbe deutsch-britische Sozietät, die schon der Automobilklub ADAC, der Deutsche Fußball-Bund (DFB), Springer und Volkswagen zu Krisenzeiten mandatierten.
Freshfields gilt als Topadresse schlechthin für wirtschaftsrechtliche Fragen, mit einem Jahresumsatz von zuletzt 442,5 Millionen Euro ist die traditionsreiche Kanzlei die Nummer eins in Deutschland. Dass Freshfields in der Cum-Ex-Steueraffäre selbst juristischen Beistand braucht – mehrere ehemalige Topanwälte sind der Beihilfe zur Steuerhinterziehung beschuldigt –, war für EY kein Ausschlusskriterium.
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Eine der Aufgaben von Freshfields war es, gegen die Veröffentlichung des Wambach-Berichts vorzugehen. Den hatte der Untersuchungsausschuss des Deutschen Bundestags im März bei Martin Wambach in Auftrag gegeben. Er gehört dem Vorstand des Instituts der Wirtschaftsprüfer (IDW) an und ist Mitglied der Geschäftsführung von Rödl & Partner. Mit einem Rödl-Team untersuchte Wambach vier Wochen lang die Arbeit der Kollegen von EY. Sein Bericht wurde als geheim eingestuft und blieb unter Verschluss – bis das Handelsblatt ihn im Detail auswertete und auf seine Website stellte.