Vorstand in Einarbeitung: Neuer Asien-Pazifik-Vorstand der Allianz zunächst im Tandem
Die nötige internationale Erfahrung bringt Sirma Boshnakova mit.
Foto: AllianzMünchen. Die Personalie ist gleich in mehrerer Hinsicht ungewöhnlich. Wenn Sirma Boshnakova zum Jahreswechsel in den Vorstand der Allianz einzieht, dann wächst das Gremium nicht nur um eine Person auf dann elf Mitglieder, überraschend ist auch die Aufgabenbeschreibung.
Die 50-jährige Bulgarin soll zunächst mit Vorstand Sergio Balbinot zusammenarbeiten, ehe sie im Jahresverlauf von ihm mehr und mehr Portfolioverantwortung übernimmt und ab dem Jahr 2023 ganz für das Versicherungsgeschäft in West- und Südeuropa sowie für die wichtige Region Asien-Pazifik zuständig sein wird. Der 63-jährige Italiener wird dann in den Ruhestand gehen. Anschließend schrumpft der Allianz-Vorstand ab dem Jahr 2023 wieder auf die bewährte zehnköpfige Besetzung.
Es ist eine Schlüsselposition im Allianz-Vorstand, die für Boshnakova nun mit einer Phase der Einarbeitung beginnt. Dabei ist es weniger das Versicherungsgeschäft in West- und Südeuropa, das für Boshnakova neu ist. Den Geschäftsbereich leitete sie bereits bis ins Jahr 2019, ehe sie den Vorstandsvorsitz der Tochter Allianz Partners übernahm.
Die weitaus größere Herausforderung dürfte der Ausbau des Geschäfts in der Region Asien-Pazifik werden. Lange Jahre kritisierten Fondsmanager, die Allianz hätte dort „das Boot verpasst“. Wettbewerber agierten in diesem Wachstumsmarkt deutlich offensiver. In den vergangenen beiden Jahren ging die Expansion jedoch voran.
Vor einem Jahr wurde unter Führung von Sergio Balbinot das Versicherungsgeschäft der australischen Westpac Group übernommen. Seither gehört die Allianz auf dem Fünften Kontinent mit Australia Group und Suncorp zu den Marktführern.
In China ist die Lebensversicherungstochter Allianz China Life seit November komplett im Besitz der Allianz, nachdem der 49-Prozent-Anteil des bisherigen Joint-Venture-Partners Citic Trust übernommen worden ist. Damit ist die Allianz der erste komplett selbstständige ausländische Lebensversicherer, der aus einer Partnerschaft mit einem einheimischen Partner entstand.
Die Aufgabenverteilung steht
Die Aufgabenverteilung im künftigen Tandem Balbinot/Boshnakova ist zumindest im Jahr 2022 klar geregelt. „Sergio Balbinot kann sich so angesichts des Wachstumspotenzials der Region Asien-Pazifik noch stärker auf die strategischen Prioritäten in dieser für die Allianz bedeutenden Region konzentrieren“, hieß es bereits bei Bekanntgabe der Personalie Ende September.
Die Allianz will ihr Geschäft im Raum Asien-Pazifik ausweiten.
Foto: dpaIm Klartext bedeutet das: Der von Konzernchef Oliver Bäte sehr geschätzte Sergio Balbinot soll in seinem letzten Jahr bei der Allianz weitere Expansionsschritte in der Region Asien-Pazifik vorantreiben. Boshnakova soll möglichst viel davon mitnehmen, um dort in einem Jahr selbstständig agieren zu können.
Die Herausforderungen in der Region Asien-Pazifik bleiben gewaltig: Zwar ist der operative Gewinn im ersten Halbjahr um 37 auf 343 Millionen Euro gewachsen, im Vergleich zum Gesamtgewinn des Konzerns trägt die riesige Region aber weiterhin lediglich rund fünf Prozent bei.
Boshnakova werde künftig daran gemessen, wie es ihr gelingt, das gewaltige Potenzial in Gewinne für die Allianz umzusetzen, heißt es aus dem Konzern. Entscheidend dabei dürfte das Verhältnis zum Management vor Ort sein. Erst im Dezember übernahm Anusha Thavarajah die Position als CEO der Tochter Asien-Pazifik. Beide Frauen sollen in Zukunft die langfristige Wachstumsstrategie dort vorantreiben.
Internationale Erfahrung
Die nötige internationale Erfahrung bringt Boshnakova mit. Vor ihrem Wechsel zur Allianz im Jahr 2015 leitete die Volkswirtin vier Jahre lang den kleinen russischen Versicherer Uralsib Insurance Group und war für Boston Consulting tätig. Bei der Allianz führt sie seit dem Jahr 2019 die Tochter Allianz Partners.
Der Anbieter von Zusatzversicherungen für Reise, Mobilität und Gesundheit mit seinen mehr als 10.000 Mitarbeitern bekam die Auswirkungen der Coronakrise besonders zu spüren. Um knapp 20 Prozent ging der Umsatz im vergangenen Jahr wegen eingeschränkter Reisemöglichkeiten zurück. In diesem Jahr gelang die Trendwende. Allianz Partners war zuletzt ein wesentlicher Wachstumstreiber im Bereich der Sach- und Unfallversicherungen.
Die neue Aufgabe von Sirma Boshnakova ist dagegen ungleich größer: Die Führungsposition in den Wachstumsmärkten soll gestärkt werden, verkündete Allianz-Chef Bäte mit der neuen Strategie. In vielen Teilen der Region Asien-Pazifik ist die Allianz jedoch noch weit entfernt von einer führenden Rolle. Am Erfolg dieser Aufgabe wird Boshnakova spätestens in einem Jahr gemessen werden.