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Russische Finanzbranche Internetriese Yandex übernimmt Moskauer Großbank

Der milliardenschwere Deal ist ein Indiz für den Kampf zwischen Onlinediensten und Banken in Russland. Es geht um die Vorherrschaft auf den Finanzmärkten.
23.09.2020 - 20:28 Uhr Kommentieren
Der russische Internetriese Yandex will das innovative Geldhaus übernehmen und startet damit einen Angriff auf die staatliche Sberbank. Quelle: AFP
Tinkoff Bank

Der russische Internetriese Yandex will das innovative Geldhaus übernehmen und startet damit einen Angriff auf die staatliche Sberbank.

(Foto: AFP)

Berlin Der russische Internetriese Yandex will in großem Stil ins Finanzgeschäft einsteigen. Deshalb übernimmt der Konzern die Moskauer Tinkoff Bank, die als eines der innovativsten russischen Geldhäuser gilt. Die Übernahmepläne wurden von Yandex und der TCS Holding des russischen Milliardärs Oleg Tinkow bestätigt.

Den Anlegern scheint der milliardenschwere Deal zu gefallen. An der Moskauer Börse legte die Yandex-Aktie am Mittwoch um bis zu 13 Prozent zu. Auch die in London gelisteten TCS-Aktien gewannen deutlich an Wert.

Die letzten Verhandlungen über den Kaufpreis für die Übernahme laufen noch. Moskauer Analysten erwarten, dass Yandex rund 5,5 Milliarden Dollar auf den Tisch legen muss, um sich den Zuschlag für die Nummer 14 auf dem russischen Bankenmarkt zu sichern.

Dass Yandex nach einer großen russischen Bank greift, ist ein Angriff auf das größte Geldhaus Osteuropas, die Moskauer Sberbank. Erst Ende Juni hatten die von Partnern zu Rivalen gewordenen Konzerne Yandex und Sberbank ihre gegenseitige Verflechtung aufgelöst. Der IT-Riese holte sich die zuvor an die Sberbank verkaufte Beteiligung an der Handelsplattform Yandex.Market zurück. Im Gegenzug erhielt das Geldhaus seine Beteiligung an der Finanzplattform Yandex.Dengi zurück.

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    Yandex.Market bietet eine Mischung des Angebots der US-Internetriesen Amazon und Ebay. Die Plattform soll nun stärker mit dem Taxi- und Fahrdienstleistungsvermittler Yandex.Taxi sowie mit Yandex.Food und Yandex.Shop verknüpft werden. Über die Suchmaschine Yandex.ru und den Nachrichtendienst Zen verfügt der Internetriese bereits über erheblichen Einfluss auf dem russischen Markt.

    Aber der Ausstieg aus der Finanzplattform Yandex.Dengi riss eine Lücke, die nun durch die Übernahme von Tinkoff geschlossen werden soll: Yandex baue viele verschiedene Sparten auf, von der Werbung über die Mobilität bis zum Einzelhandel, dazu komme jetzt die geplante Bankübernahme“, meint Viktor Dima, Analyst der Moskauer Investmentbank Aton. Dima geht davon aus, dass Internetfirmen bereits in naher Zukunft Teile des Finanzgeschäfts dominieren werden, so dass Yandex‘ Schritt logisch erscheine.

    Yandex wolle bereits seit Langem seine Position auf dem Finanzmarkt stärken, erläutert Konstantin Below, Analyst der Uralsib-Bank. Die Übernahme von Tinkoff sei sinnvoller als die zwischenzeitlich geplante enge Kooperation mit der zweitgrößten russischen Staatsbank VTB.

    Staatsbank Sberbank startet Streamingdienst

    Der russische Staat versucht immer wieder, Yandex wegen seiner Bedeutung als unabhängiger Nachrichtenkanal stärker zu kontrollieren. Auch die enge Kooperation mit der mehrheitlich staatlichen Sberbank entstand laut Analysten unter Druck des Kremls.

    Lew Chasis, Erster Stellvertretender Vorstandsvorsitzende der Sberbank, nannte als Grund für die Trennung von Yandex vor allem den harten Wettbewerb zwischen den hauseigenen Onlineangeboten und den Produkten von Yandex. Im Gegenzug zur Finanzoffensive von Yandex versucht die Sberbank, ins klassische Geschäft der Internetkonzerne vorzustoßen.

    Am Mittwoch hat die Staatsbank einen eigenen Musik-, Podcast- und Hörbuch-Streamingdienst unter dem Namen Sberswuk gestartet. Basis ist die Übernahme des größten osteuropäischen Streaming-Start-ups Zvooq. Außerdem baut die Sberbank über das Internethandelshaus Ozon und andere Angebote ihr E-Commerce-Geschäft immer weiter aus.

    Yandex wurde Anfang der 1990er-Jahre in Moskau von Arkadi Wolosch gemeinsam mit einigen Freunden gegründet. Der offizielle Firmensitz ist Amsterdam. Wolosch ist noch immer Vorstandschef des Tech-Konzerns und hält über einen Familien-Trust mit anderen Gründern 56 Prozent der stimmberechtigten und elf Prozent der Vorzugsaktien.

    Tinkoff Credit Systems (TCS) hält 40,4 Prozent der Tinkoff-Gruppe, über die Hälfte der Anteilsscheine ist börsennotiert. Der Gründer Tinkow verfügt aber über 87 Prozent der Stimmrechte. Drei Tage nach dem Börsengang von TCS 2013 hatte Tinkow, der neben der russischen auch noch die Staatsbürgerschaft Zyperns hat, seinen US-Pass zurückgegeben – amerikanische Behörden werfen ihm vor, aus Steuergründen.

    Tinkow gab am Mittwoch über Instagram bekannt, dass „der Markenname Tinkoff Bank erhalten“ werde und er weiter an Bord des Instituts bleibe. Der 52-Jährige ist an Leukämie erkrankt und nennt als sein Hauptziel: „überleben“. Im Westen war der frühere Radrennfahrer und Brauereibesitzer Tinkoff durch das gleichnamige Radsportteam bekannt geworden, das auch bei der Tour de France an den Start ging.

    Mehr: Wie sich Russland zur IT-Großmacht entwickelt.

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