Ukraine-Krise: Swift-Sanktionen vom Tisch: EU und USA rücken vom Ausschluss Russlands aus globalem Finanzsystem ab
Die EU droht dem Kreml mit Kosequenzen in der Ukraine-Krise.
Foto: APBrüssel, Berlin. Europa und die USA entschärfen die westlichen Sanktionsdrohungen gegenüber Moskau: Die Idee, russische Banken vom Zahlungsdienstleister Swift und damit faktisch von den globalen Finanzströmen abzuklemmen, wird nicht weiter verfolgt. Das erfuhr das Handelsblatt aus Regierungsquellen. Stattdessen werden gezielte Wirtschaftsstrafen gegen die größten russischen Banken vorbereitet.
Amerikaner und Europäer beraten seit Wochen darüber, wie sie im Fall einer russischen Militäroperation gegen die Ukraine reagieren. Die EU droht dem Kreml mit „massiven Konsequenzen“, hat diese aber bisher nicht konkretisiert.
Russland pauschal vom Swift-System auszuschließen ist den Unterhändlern zu heikel. Der Schritt könnte kurzfristig zu einer Destabilisierung der Finanzmärkte führen und mittelfristig den Aufbau einer alternativen, nicht mehr westlich dominierten Zahlungsinfrastruktur befördern.
Die Gesprächen zwischen den Europäern und den USA richten sich nun auf die Gestaltung der Sanktionen gegen russische Großbanken. Deutschland pocht auf Ausnahmen, damit die Bezahlung von Gas- und Ölimporten aus Russland weiter möglich bleibt.
US-Außenminister Antony Blinken entschied sich kurzfristig zu einer erneuten Europareise: Er wird am Donnerstag in Berlin erwartet und will sich auch mit Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) treffen, um die Sanktionspolitik zu besprechen.