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Passive InvestmentsStart-up statt Deutsche Börse: Warum Index-Pionier Konrad Sippel zu Solactive wechselt

Bei der Börse hat sich Konrad Sippel jahrelang um den Dax gekümmert. Nun will er den großen Indexanbietern mit einem Fintech verstärkt Konkurrenz machen.Andreas Kröner 06.02.2022 - 12:20 Uhr Artikel anhören

„Unser Ziel ist es, die Firma aus dem Schatten herauszuführen, in dem sie sich zumindest in der öffentlichen Wahrnehmung momentan noch befindet.“

Foto: Handelsblatt

Frankfurt. Es ist ein ungewöhnlicher Wechsel, der am Finanzplatz Frankfurt für Gesprächsstoff sorgt: Der langjährige Deutsche-Börse-Manager Konrad Sippel hat beim Start-up Solactive angeheuert, das den etablierten Indexanbietern im boomenden Markt für passive Investments Konkurrenz macht.

Für Sippel war der Wechsel von der Börse mit rund 9000 Beschäftigten zu einem Start-up mit gut 250 Mitarbeitern eine bewusste Entscheidung. „Natürlich gebe ich damit die Sicherheit in einem Großkonzern auf“, sagt der 42-Jährige. „Aber nach 21 Jahren bei der Deutschen Börse war es an der Zeit, mal etwas Neues machen.“

Solactive wurde 2007 gegründet und profitiert wie MSCI, FTSE Russell und die Deutsche-Börse-Tochter Qontigo davon, dass immer mehr Menschen in börsennotierte Indexfonds (ETFs) investieren. Diese bilden Indizes ab, die wiederum die Kursentwicklung von einer Auswahl an Unternehmen nachvollziehen. Laut dem Analysehaus ETFGI summierten sich die Investitionen in ETFs weltweit zuletzt auf mehr als zehn Billionen Dollar.

Im Gegensatz zur Deutschen Börse hat Solactive keine bekannten Flaggschiffe wie den Dax oder den Euro Stoxx, sondern entwickelt individuell zugeschnittene Indizes für Asset-Manager und Investmentbanken. „Das hat den Vorteil, dass wir schneller und flexibler sind“, sagt Sippel.

Bei großen Anbietern sei die IT vor allem entwickelt worden, um die Leitindizes stabil zu berechnen. Individuelle Lösungen für Finanzmarktkunden seien erst später als Nebengeschäft dazugekommen. „Bei Solactive war dies von Anfang an das Kerngeschäft“, betont Sippel. Zudem ist das Start-up häufig billiger als etablierte Anbieter.

Auf den Wirecard-Skandal folgt die Dax-Reform

Sippel ist in Frankfurt am Main geboren und aufgewachsen. Ab der elften Klasse besuchte er ein Internat in England und studierte anschließend Mathematik in London. Später erwarb er noch einen Management-Abschluss an der amerikanischen Duke University.

Als er im Juli 2000 bei der Deutschen Börse anfing, kamen in Europa gerade die ersten ETFs auf den Markt und das Indexgeschäft entwickelte sich zu einem eigenständigen Geschäftsfeld. Sippel kümmerte sich darum bei der Deutschen Börse 16 Jahre lang.

Nach dem Zusammenbruch von Wirecard 2019 war er zudem Teil einer Taskforce, die eine Reform des Dax vorantrieb. Wirecard-Aktien waren nach der Pleite des Zahlungsdienstleisters noch mehrere Wochen Mitglied im Leitindex gewesen, was der Börse einen veritablen Shitstorm bescherte. Als Reaktion darauf erließ der Konzern strengere Vorgaben für Dax-Mitglieder und erweiterte den Leitindex zudem von 30 auf 40 Werte.

Abgesehen von der Dax-Reform beschäftigte sich Sippel bei der Deutschen Börse seit 2016 jedoch vor allem mit Datenanalyse, maschinellem Lernen und Künstlicher Intelligenz. Unter anderem baute seine Abteilung Roboter, um E-Mails zu klassifizieren und Prozesse zu beschleunigen. „Das hat dem Unternehmen geholfen, aber es war nicht unbedingt die Art von Innovation, die mir Spaß macht“, sagt Sippel. „Deshalb war es für mich sehr reizvoll, zurück in die Index-Welt zu wechseln.“

Bei der Deutschen Börse sehen viele Sippels Abgang als Verlust. „Er ist ein konstruktiv-kritischer Geist und kennt das Index-Geschäft in- und auswendig“, sagt ein Weggefährte. „Solactive kann sich freuen.“

„Investoren werden bei ESG nie einer Meinung sein“

Sippel hat bei dem Start-up mehr Gestaltungsmöglichkeiten als bei der Börse, die sich an viele regulatorische Vorgaben halten muss. „Dadurch werden Prozesse komplexer – und Innovationen sind schwieriger durchzusetzen“, sagt der Manager. Bei Solactive, wo er Anfang 2022 als Leiter der Research-Abteilung eingestiegen ist, gebe es deutlich mehr Freiheiten.

Beim Frankfurter Fintech will Sippel neue Themen entdecken und die Plattform zur Entwicklung von Indizes weiterentwickeln. „Unser Ziel ist es, die Firma aus dem Schatten herauszuführen, in dem sie sich zumindest in der öffentlichen Wahrnehmung momentan noch befindet“, sagt er. „Es ist sehr schwierig, einen zweiten Dax zu erfinden, aber in neuen Segmenten wie Nachhaltigkeit oder Metaversum wollen wir Akzente setzen und darüber in der Öffentlichkeit auch mehr sprechen.“

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Intensiv verfolgt Sippel auch den Streit in der EU, ob Investitionen in Gas- und Atomkraftwerke im Rahmen der Taxonomie als nachhaltig eingestuft werden sollen. Der Konflikt zeigt aus seiner Sicht, dass es nicht gelingen wird, beim Thema Nachhaltigkeit (ESG) ein einheitliches Wertesystem zu etablieren.

„Investoren werden beim Thema ESG nie einer Meinung sein.“ Manchen Anlegern sei der Ausschluss von Waffenproduzenten wichtiger, anderen die Mitbestimmung von Arbeitnehmervertretern im Aufsichtsrat. „Für uns als Indexanbieter ist das eine Chance, denn wir haben die Möglichkeit, individualisierte Lösungen anzubieten.“

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