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AbsicherungSchwindende Garantien, steigende Inflation: Lebensversicherer passen Produkte an

Die klassische Lebensversicherung wird zum Auslaufmodell. Eine positive Nachricht gibt es aber: Der Abwärtsdruck bei der Verzinsung lässt nach.Susanne Schier 10.02.2022 - 17:55 Uhr Artikel anhören

Hohe Garantien aus der Vergangenheit sind für die Lebensversicherer eine große Last.

Foto: dpa

Frankfurt. Die Lebensversicherung mit Garantiezins war lange Jahre die liebste Geldanlage der Deutschen. Jetzt wird einer Studie zufolge dieser Klassiker im Neugeschäft der Versicherungen endgültig zum Auslaufmodell. Von 46 untersuchten Unternehmen hätten nur 21 überhaupt noch klassische Lebens- und Rentenversicherungsverträge im Angebot, berichtete die Ratingagentur Assekurata in ihrer jährlichen Überschussstudie am Donnerstag.

Hintergrund sind die anhaltenden Niedrigzinsen. Seit dem 1. Januar dürfen Lebensversicherer nur noch eine Verzinsung von maximal 0,25 Prozent auf den Sparanteil fest zusagen. Zuvor hatte dieser „Höchstrechnungszins“ noch 0,9 Prozent betragen.

„Das geringe Angebot verdeutlicht, wie stark das einstige Flaggschiff der Lebensversicherer in der Gunst der Anbieter mittlerweile gesunken ist“, sagte Assekurata-Chef Reiner Will.

Das Produktangebot der Lebensversicherer wird sich durch diese Verschiebung noch schneller verändern als bisher. Die Anbieter selbst sehen die größten Wachstumschancen bei sogenannten Fondspolicen. Diese Variante sei im internationalen Vergleich allerdings hierzulande noch nicht sehr weit verbreitet, meint Stephan Kalb von der Ratingagentur Fitch. Im Neugeschäft dominieren demnach sogenannten Hybridprodukte, also Lebensversicherungen mit abgesenkten Garantien.

In der Vergangenheit haben die Versicherungskunden in Deutschland typischerweise klassische Lebensversicherungen abgeschlossen. „Viele sicherheitsorientierte Kunden fragen auch jetzt noch Produkte mit Garantien nach“, sagt Assekurata-Chef Will.

Deshalb werden Policen, die in der Branche unter dem Rubrum „neue Klassik“ laufen im Produktmix der Versicherer auch weiterhin eine prominente Rolle spielen, auch wenn Verbraucherschützer häufig von dieser Variante abraten. Typisch für diese Tarife ist, dass die Garantien niedriger liegen als bei den klassischen Produkten, um den Kunden eine höhere Rendite in Aussicht stellen zu können.

Hohe Inflation macht Produkte unattraktiver

Die hohe Inflation macht viele Lebensversicherungsprodukte deutlich unattraktiver. Zwar wirft eine klassische private Rentenversicherung, die Kunden in der Vergangenheit mit einem Rechnungszins von 1,25 Prozent abgeschlossen haben, heute im Schnitt noch eine Beitragsrendite von 1,79 Prozent ab, wie Assekurata errechnet hat. Diese Kennzahl berücksichtigt, dass Versicherte die laufende Verzinsung nur auf den Sparanteil abzüglich der Abschluss- und Verwaltungskosten sowie gegebenenfalls eines Beitrags auf den Risikoschutz erhalten. Sie ist somit als Effektivverzinsung der gesamten Beitragszahlung anzusehen.

Die Beitragsrendite liegt damit zwar weit über der Verzinsung von zehnjährigen Festgeldern und der Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe – aber deutlich unter der Inflationsrate, die hierzulande im Jahresdurchschnitt 2021 bei 3,1 Prozent lag.

Auch wenn die neuen Angebot für klassische Lebensversicherungen deutlich weniger werden, haben viele Versicherer noch große Altbestände in den Büchern, und die Bestandskunden schauen jedes Jahr mit Interesse auf die Überschussbeteiligung ihrer Police. Positiv ist: Die laufende Verzinsung ist 2022 über alle analysierten Produktarten und Tarifgenerationen im Marktdurchschnitt nur marginal um 0,03 Prozentpunkte auf 2,61 Prozent gesunken. Während bei den jüngeren Tarifgenerationen ein leichter Rückgang zu verzeichnen ist, bleibt die Verzinsung bei den älteren Verträgen stabil.

„Grund hierfür sind die vertraglichen Garantien, unter die die Überschussbeteiligung nicht sinken kann“, erklärt Will von Assekurata. Insgesamt habe sich der Abwärtsdruck der vergangenen Jahre deutlich verlangsamt.

In der neuen Klassik haben viele Anbieter zum Jahreswechsel ihre Tarife für das Neugeschäft überarbeitet. Der Garantiezins liegt meist unter 0,25 Prozent. Zugleich gibt es so gut wie kein Angebot mehr mit einer hundertprozentigen Bruttobeitragsgarantie. Bei einigen Versicherern liegt das Garantieniveau immerhin noch bei 90 Prozent. Auffällig ist Assekurata zufolge auch, dass die garantierte monatliche Mindestrente deutlich zurückgeht.

Marke von zwei Prozent hält bisher stand

Die laufende Verzinsung für im Neugeschäft angebotene Policen fällt bei klassischen Tarifen mit durchschnittlich 2,15 Prozent etwas höher aus als in der neuen Klassik. Dort liegt die laufende Verzinsung im Neugeschäft nur noch bei 2,05 Prozent nach 2,13 Prozent im Vorjahr.

„Dies verwundert auf den ersten Blick, wenn man bedenkt, dass eine höhere Überschussbeteiligung das wichtigste Verkaufsargument der neuen Klassik ist“, sagt Assekurata-Experte Lars Heermann. Betrachtet man jedoch nur die Versicherer, die noch beide Produktvarianten im Neugeschäft anbieten, liegt die laufende Verzinsung bei der neuen Klassik leicht über der der Klassikprodukte.

Als gute Nachricht sieht Assekurata, die Tatsache, dass die Marke von zwei Prozent Rendite bei Privatrentenversicherungen bisher standhält. Allerdings nur im Schnitt aller Anbieter: Während die Ideal Versicherung eine laufende Verzinsung von drei Prozent bietet, sind es bei der Debeka nur 0,9 Prozent. In ihren Altbeständen halten die Lebensversicherer laut der Assekurata-Erhebung noch Policen mit einem durchschnittlichen Garantieniveau von 2,56 Prozent. Etliche Anbieter haben viele Versicherungen mit einem Garantiezins von vier Prozent und auch von 2,25 Prozent in ihren Büchern – wobei letztere noch verhältnismäßig lange laufen.

Sicherheitspuffer ist teilweise aufgebaut

Um die Leistungsversprechen aus früheren Jahren erfüllen zu können, müssen die Lebensversicherer seit 2011 die so genannte Zinszusatzreserve (ZZR) aufbauen. Im Jahr 2021 ist diese branchenweit um zehn Milliarden Euro auf nun 97 Milliarden Euro gestiegen. Assekurata rechnet damit, dass die ZZR bis zum Jahr 2028 auf 125 Milliarden Euro zunehmen wird.

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Ein Großteil des Aufbaus dieses Sicherheitspuffers ist damit schon geschafft. „Doch gerade Versicherer, die ihr Neugeschäft noch nicht in die neue Produktwelt mit geringeren Garantien überführt haben, werden noch einen starken ZZR-Aufbau stemmen müssen“, betont Heermann.

Die sich andeutende Zinswende könnte sich künftig aber auch positiv auswirken, ergänzt Will. Wenn sich herausstellen sollte, dass Versicherer Teile der Zinszusatzreserve wieder auflösen können, würden die Versicherten über eine höhere Überschussbeteiligung davon profitieren. Das hänge aber stark vom einzelnen Anbieter ab.

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