Lebensversicherung: Wie Versicherer mit ihren unerwünschten hochverzinsten Altbeständen umgehen
Hohe Garantien aus der Vergangenheit sind für die Lebensversicherer eine große Last.
Foto: dpaFrankfurt, München. Die Meldung kam kurz vor dem Jahreswechsel, und sie sorgte für Aufsehen: Der Versicherer Zurich prüft, sich hierzulande von einem Teilportfolio an hochverzinsten Lebensversicherungsbeständen zu trennen, wie Zurich-Deutschlandchef Carsten Schildknecht damals dem Handelsblatt sagte. Zurich ist längst nicht der einzige Versicherer, der nach einer Lösung für seine Altbestände sucht, schließlich belasten hochverzinste Verträge aus der Zeit vor der Ära der Minuszinsen die gesamte Branche.
Doch bei der Auslagerung von Lebenspolicen an spezialisierte Abwicklungsgesellschaften sind viele Anbieter vorsichtig. Die Konzerne fürchten sich vor schlechter Publicity, aber auch wirtschaftliche Hürden sorgen für Zurückhaltung. Deshalb setzen immer mehr Versicherer auf Alternativen: „Die Konkurrenz zum externen Run-off wächst“, beobachtet Hermann Weinmann, Professor an der Hochschule Ludwigshafen.
Es ist eine Entwicklung, die auf das Jahr 2008 zurückgeht: Mit dem Ausbruch der Finanzkrise sanken damals weltweit die Leitzinsen. Verträge, die in den Jahren davor mit einem Versprechen von bis zu vier Prozent mit vielen Tausend Kunden geschlossen worden waren, wurden für die Versicherer mehr und mehr zur Last. Altverträge wurden entweder intern abgewickelt wie bei Ergo oder der Bayerischen Beamten Lebensversicherung. Um das Neugeschäft kümmerte sich fortan eine unbelastete, neu gegründete Gesellschaft.