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LuftfahrtStreit mit Piloten eskaliert: Lufthansa prüft Gründung einer neuen Airline

Zunächst soll eine Auffanggesellschaft für Germanwings-Piloten gegründet werden. Daraus könnte dann eine Airline werden, sollte die Gewerkschaft nicht einlenken.Jens Koenen 01.03.2022 - 12:53 Uhr aktualisiert Artikel anhören

Die Airline verhandelt mit den Piloten über die zukünftige Aufstellung.

Foto: Reuters

Frankfurt. Die Lufthansa macht ernst mit der Drohung, den Kurz- und Langstreckenverkehr der Kernmarke Lufthansa aufzuteilen und eine neue Airline zu gründen. Dazu prüft der Konzern einen eigenen Flugbetrieb nach deutschem Recht, wie aus einem Schreiben hervorgeht, das am Dienstag bekannt wurde. Diese neue Airline könne Zubringerflüge für die Drehkreuze München und Frankfurt abwickeln und Arbeitsplätze für die bislang unversorgten Piloten der eingestellten Tochter Germanwings bieten.

Damit eskaliert ein seit Langem schwelender Streit zwischen dem Lufthansa-Management und der Pilotenvertretung Vereinigung Cockpit (VC). Im Mittelpunkt stehen zwei Themen: Zum einen soll für die Piloten von Germanwings eine neue Aufgabe gefunden werden. Lufthansa hatte die frühere Billigtochter unmittelbar nach Beginn der Krise geschlossen.

Zwar wechselten einige Kapitäne und Erste Offiziere zur Lufthansa-Tochter Eurowings. Doch für rund 300 Piloten von Germanwings gibt es bisher keine Lösung. Ihnen droht ab 31. März die Kündigung. Einen Sozialplan hat das Management stets mit dem Verweis auf fehlendes Geld abgelehnt.

Dieses Problem hängt eng mit dem zweiten Thema zusammen: eine grundsätzlich neue Tarifstruktur für die rund 5000 Piloten der Kernmarken Lufthansa und Lufthansa Cargo. Die sei eine Voraussetzung, um die Germanwings-Piloten in den Flugbetrieb der Kernmarke Lufthansa zu reintegrieren, heißt es beim Management. Es fordert dazu bis zu 30 Prozent Kostenersparnis.

Das lehnt die VC bisher ab. Ein vorerst letzter Versuch, eine Einigung zu finden, ist gescheitert. Eine viertägige Klausurtagung beider Seiten ging in der vergangenen Woche ohne Ergebnis zu Ende. Auch hier läuft eine wichtige Frist aus: Ende dieses Monats endet der Krisentarifvertrag, in dem unter anderem die Kurzarbeit geregelt ist. Die Zeit drängt also.

Deshalb will Lufthansa nun in einem ersten Schritt eine Art Auffanggesellschaft für die betroffenen Flugzeugführer von Germanwings gründen. Entlassen will man die Flugzeugführer nicht, was auch mit der aktuell wieder starken Nachfrage nach Flugtickets zusammenhängen dürfte.

Die neue Firma könnte dann in einem zweiten Schritt mit einer Betriebserlaubnis (AOC) für einen eigenen Flugbetrieb ausgestattet werden. Eine solche Genehmigung zu bekommen dauert in der Regel einige Monate.

Noch bleibt Zeit für weitere Gespräche

Es bleibt also noch ein Zeitfenster für weitere Verhandlungen mit der Gewerkschaft VC. Das soll wohl auch genutzt werden. Es seien weitere Gespräche mit der VC vereinbart, heißt es bei der Lufthansa. Doch beide Seiten liegen bisher weit auseinander.

Die Lufthansa will die Krise dazu nutzen, den Konzern insgesamt schlanker aufzustellen. So ist es in den Augen des Managements nicht mehr möglich, mindestens 325 Flugzeuge in den sogenannten Kerngesellschaften zu bereedern – mit Piloten, die dem gut dotierten Konzerntarifvertrag unterliegen. Das ist in der sogenannten Perspektivvereinbarung (PPV) festgelegt, die Lufthansa einseitig gekündigt hat. Weil vorerst vor allem der Privatreiseverkehr stark wächst, sollen Marken wie Eurowings und Eurowings Discover gestärkt werden.

Die VC wiederum beklagt, dass Lufthansa Tarifflucht in Richtung billigerer Plattformen betreibt, und will das verhindern. Ob das allerdings gelingen wird, ist offen. Es wäre nicht das erste Mal, dass die Lufthansa eine neue Airline gründet, um die Piloten unter Druck zu setzen und teure Tarifverträge zu umgehen. Ohne strukturelle Kostenverbesserungen werde sich Lufthansa zunehmend zu einer Langstrecken-Airline entwickeln, hatte Michael Niggemann, Personalvorstand von Lufthansa, bereits Ende Dezember unmissverständlich klargemacht.

Sollte es tatsächlich einen neuen Flugbetrieb geben, sollen die Pilotinnen und Piloten wahrscheinlich in etwa so bezahlt werden, wie es der aktuelle Krisentarifvertrag vorsieht. Man werde sich an den „heutigen Konditionen orientieren“, heißt es in dem internen Schreiben an die Belegschaft.

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In einer anderen Frage haben Management und VC allerdings eine Einigung erreicht. So sollen die Fluglehrer der verkleinerten Bremer Verkehrsfliegerschule in die Cockpits der Lufthansa-Airlines wechseln können.

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