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StreamingdienstNetflix verliert 200.000 Kunden im ersten Quartal – Aktie bricht um ein Viertel ein

Bei Umsatz und Kundenzahl enttäuscht der Videodienst, der zunehmend die Konkurrenz anderer Streaminganbieter zu spüren bekommt. In Deutschland könnte eine Preiserhöhung folgen.Stephan Scheuer 20.04.2022 - 00:28 Uhr aktualisiert Artikel anhören

Die Streaming-Plattform hat einen Rückgang ihrer Kundenzahl gemeldet.

Foto: Reuters

San Francisco. Der Streamingdienst Netflix hat zum ersten Mal seit einem Jahrzehnt einen Rückgang bei der Kundenzahl ausgewiesen. Um 200.000 Abonnenten sei der Kundenstamm im ersten Quartal geschrumpft, teilte die Firma nach Börsenschluss am Dienstagabend in den USA mit.

Die Netflix-Aktie fiel nachbörslich um mehr als 25 Prozent. In ihrem Sog gaben auch Anbieter anderer Streaming-Dienste nach, etwa Disney mit einem Minus von drei Prozent.

Seit Mitte November hat Netflix damit an der Börse rund die Hälfte seiner Bewertung eingebüßt. Vorhergesagt hatte Netflix 2,5 Millionen Neukunden. Und es ist keine Besserung in Sicht. Der Ausblick auf das laufende Quartal fiel mit einem erwarteten Rückgang von zwei Millionen Abonnenten ebenfalls düster aus.

Netflix-Gründer Reed Hastings räumte ein, dass sich seine Erwartungen im Bereich Kundenwachstum nicht erfüllt hätten. „Als wir noch schnell gewachsen sind, war das keine Priorität. Aber jetzt arbeiten wir sehr hart daran“, sagte Reed.

Es gebe rund 100 Millionen Kunden, die zwar Netflix mitnutzen, aber nicht dafür zahlten. Er bot den Investoren einen Ausweg an, um neue Einnahmen zu generieren: Künftig will Netflix mehr Geld für das Teilen von Accounts nehmen.

Starker Wettbewreb unter Streaming-Anbietern

Als weiteren Grund für den Rückgang bei den Abo-Zahlen nannte Reed den starken Wettbewerb durch andere Streaminganbieter. „Ich weiß, dass das für Investoren enttäuschend ist“, sagte Hastings. Aber seine Firma arbeite hart daran, im Wettbewerb zu bestehen.

Der Streamingdienst Netflix hat zum ersten Mal seit Jahren einen Rückgang der Abonnentenzahlen verzeichnen müssen. Ursachen dafür seien unter anderem der Krieg in der Ukraine, die hohe Inflation und der scharfe Wettbewerb, erklärte das Unternehmen.

Auch relevant für den Rückgang bei der Kundenzahl sei der Abschied vom russischen Markt, vermutete Raj Shah vom Beratungsunternehmen Publicis Sapient: „Im März zog sich Netflix aus Russland zurück und verlor über Nacht eine Million Abonnenten“, sagte er.

Ein weiterer Grund: „Die Preiserhöhung in den USA und Kanada im Januar vergraulte neue Kunden. Auch die Abonnenten im UK und Irland müssen nun tiefer in die Tasche greifen.“ Andere Länder dürften nachziehen.

Netflix-Gründer Hastings räumte auch ein, an einem neuen, werbefinanzierten Abo-Modell zu arbeiten. „Ich war dagegen“, sagte er. Für ihn hätten bislang die Vorteile eines simplen Preismodells überwogen. Aber er lasse sich in seiner Meinung auch umstimmen.

Es werde aber wohl noch ein bis zwei Jahre dauern, bis ein werbefinanziertes Modell für Kunden verfügbar sei. Derzeit lässt Netflix keine Werbesequenzen zu, Firmen können aber für Produktplatzierungen zahlen.

Netflix-Aktie hat seit Vorquartal ein Drittel an Wert verloren

Netflix hat gegenwärtig 221,6 Millionen Abo-Kunden. Zuletzt hatte das Unternehmen im Oktober 2011 einen Rückgang vermeldet. Der Umsatz im ersten Quartal wuchs um zehn Prozent auf 7,9 Milliarden Dollar und nicht ganz so stark wie vorhergesagt. Das sind 3,53 Dollar je Aktie.

Netflix hatte die Anleger bereits nach dem vierten Quartal des vergangenen Geschäftsjahres mit einem düsteren Ausblick überrascht. Seitdem verlor die Aktie im regulären Handel bis Dienstag etwa ein Drittel an Wert und mehr als die Hälfte seit dem Höchstwert von etwa 700 Dollar im November.

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Analysten gingen bereits vor der Veröffentlichung der neuen Geschäftszahlen von einem schwierigen Jahr für Netflix aus. Wettbewerber wie Disney+ bauen ihre Angebote aus. Zudem konkurriert der Streaminganbieter mit Video-Websites wie Youtube und TikTok und anderen Unterhaltungsangeboten. Einer im März veröffentlichten Studie von Deloitte zu digitalen Medientrends zufolge verbringen die Konsumenten im Alter zwischen 14 und 25 Jahren – die „Generation Z“ – mehr Zeit mit Computerspielen als mit Filmen, Fernsehserien oder selbst Musikhören.

Analysten sehen die Zukunft von Netflix mittelfristig jedoch weiter positiv. Das durchschnittliche Kursziel liegt laut Berechnungen von S&P Global Market Intelligence bei 501 Dollar je Aktie. Zum Vergleich: Am Dienstag rangierte das Netflix-Papier nachbörslich bei rund 333 Dollar.

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