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GutachtenWarum Deutschlands Gesundheitswesen nicht mehr ohne Zuwanderer auskommt

Ohne Migration stünde die Branche vor dem Kollaps, mahnt der Sachverständigenrat. Das Gremium prangert teils schlechte Bedingungen an – und fordert Verbesserungen.Jürgen Klöckner, Frank Specht 10.05.2022 - 11:46 Uhr Artikel anhören

Schon heute hat mehr als ein Viertel der Ärztinnen und Ärzte in Deutschland einen Migrationshintergrund.

Foto: dpa

Berlin. Der Sachverständigenrat deutscher Stiftungen für Integration und Migration (SVR) hat an Parteien und Entscheidungsträger appelliert, die Arbeitsbedingungen für Zugewanderte im Gesundheitswesen deutlich zu verbessern. „Ohne eingewanderte Fachkräfte auf allen Ebenen des Gesundheitswesens, das hat spätestens die Covid-19-Pandemie gezeigt, steht das deutsche Gesundheitssystem vor einem Kollaps“, heißt es in dem am Dienstag vorgestellten Jahresgutachten 2022 des SVR.

Bereits jetzt sei etwa jeder sechste Erwerbstätige in den Gesundheits- und Pflegeberufen im Ausland geboren. Mehr als ein Viertel der Ärztinnen und Ärzte habe einen Migrationshintergrund. Besonders hoch sei der Anteil mit rund 30 Prozent in der Altenpflege.

Zu den wichtigsten Herkunftsländern zählen Polen (13,9 Prozent), die Türkei (9,7 Prozent), Russland sowie Kasachstan (jeweils 7,6 Prozent). SVR-Vorsitzende Petra Bendel erwartet eine Fortsetzung des Trends: „Angesichts des demografischen Wandels wird der Bedarf an Fachkräften weiter steigen, Zugangsmöglichkeiten müssen folglich vereinfacht und nachhaltig gestaltet werden.“

Unter anderem dauere die nötige Anerkennung der beruflichen Qualifikation noch zu lange. Für Betroffene sei es beispielsweise schwer zu verstehen, wer wofür zuständig ist. Prozesse müssten beschleunigt, weiter vereinfacht und einheitlicher gestaltet werden, heißt es in dem Gutachten. Zudem müssten die beteiligten Behörden – darunter deutsche Konsulate im Ausland, Ausländer- und Anerkennungsbehörden sowie die Bundesagentur für Arbeit – stärker verzahnt sein.

Der SVR weist in dem Gutachten auch auf die teils schwierigen Arbeitsbedingungen hin. Zugewanderte Ärzte stünden insbesondere in den ersten Jahren ihrer Tätigkeit in Deutschland unter großer Belastung, da unter anderem die fehlende Vertrautheit mit dem deutschen Gesundheitswesen und den Abläufen in deutschen Kliniken sowie Sprachbarrieren
ihre Arbeit erschweren würden. Einige berichten auch von Diskriminierung.

Pflegekräfte erfahren Rassismus

Ähnliches geben Pflegekräfte an. Untersuchungen zu kürzlich zugewanderten Fachkräften würden darauf hindeuten, dass sich diese häufig ausgegrenzt oder nicht hinreichend anerkannt fühlen und dass sie ihre Erfahrungen und Kompetenzen zunächst nicht so einbringen könnten, wie sie es sich wünschen.

„Gesundheits- und Pflegeeinrichtungen sollten hier gegensteuern und ein diversitätssensibles Arbeitsklima schaffen, in dem Mitarbeitende unabhängig von ihrer Herkunft oder Nationalität wertgeschätzt werden und Möglichkeiten zur beruflichen Weiterentwicklung erhalten“, heißt es in dem Gutachten. Pflegekräfte seien auch von Rassismus betroffen.

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Um den Fachkräftebedarf zu decken, sollte allerdings der Blick nicht nur auf das Ausland gerichtet werden, sondern auch auf Personen, die bereits in Deutschland leben, empfiehlt der Rat. „Neben Schulabgängerinnen und Schulabgängern sind das beispielsweise auch Zugewanderte, die entweder noch keine Ausbildung absolviert haben oder aber eine entsprechende Qualifikation oder Berufserfahrung aus dem Herkunftsland mitbringen, aber bisher kein Anerkennungsverfahren durchlaufen haben“, heißt es.

Dazu gehörten Partner im Familiennachzug. „Nachziehende Familienangehörige sollten deshalb gezielt zur Berufsanerkennung oder (Nach-)Qualifizierung im Gesundheitsbereich beraten und bei einem beruflichen (Wieder-)Einstieg unterstützt werden“, empfiehlt der Sachverständigenrat. Der SVR ist ein interdisziplinär besetztes Gremium von Wissenschaftlern.

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