Allianz-Fondstochter: Nach dem US-Debakel könnte die AGI zur Übernahmekandidatin werden
Eine kleine Einheit des Vermögensverwalters Allianz Global Investors (AGI) in Florida hatte sich mit hochspekulativen Hedgefonds-Konstruktionen unter dem Namen Structured Alpha verzockt.
Foto: Xinhua / eyevine / laifMünchen. Wenn alle Rechnungen bezahlt, alle Vermögenswerte an den neuen „Partner“ übertragen und alle Unterlagen abgeheftet sind, dann wird klar werden, was bislang keiner bei der Allianz offen ausspricht: Die konzerneigene Fondstochter Allianz Global Investors (AGI) ist in den USA Geschichte.
Weit weg von der Münchener Zentrale hatte sie sich mit riskanten Hedgefondsstrategien verzockt, hatten drei Fondsmanager Profianleger vorsätzlich an der Nase herumgeführt, wie seit dieser Woche mit den detaillierten Ermittlungsberichten der US-Behörden klar geworden ist. Ein Skandal erster Güte, der Europas größten Versicherer rund sechs Milliarden Euro kostet.
Die Summe war weitgehend eingepreist. Unter dem Strich bleibe aber „ein Riesen-Reputationsschaden für die Allianz“, stellt Ingo Speich, verantwortlich für die Themen Nachhaltigkeit und gute Unternehmensführung beim Großaktionär Deka, fest. Es stelle sich die Frage, ob die Allianz in der Vergangenheit zu wenig über operative Risiken im wichtigen US-Markt nachgedacht und die Leine zu locker gehalten habe.
Die wichtigste Frage aber, die jetzt alle in der Branche umtreibt, ist die nach der Zukunft von AGI, wie mehrere Investoren hinter vorgehaltener Hand sagen. Der Umstrukturierungsprozess, der schon seit rund zwei Jahren läuft, könnte durch die Krise beschleunigt werden – und vielleicht sogar in einer Übernahme durch einen Konkurrenten münden.