Chiphersteller: Nvidia-Chef: „Mercedes wird die wertvollste Luxusmarke des Planeten werden“
Der Konzernlenker ist das Gesicht des Chipherstellers.
Foto: ReutersNew York. Der Vorstandschef des US-Chipherstellers Nvidia, Jensen Huang, betont die große Bedeutung der vor Kurzem geschlossenen Entwicklungspartnerschaft mit Mercedes-Benz. „Mercedes ist ein unglaublicher Partner. Ich kann mir keinen besseren Partner vorstellen“, sagt er am Donnerstagabend.
„Mercedes wird die wertvollste Luxusmarke des Planeten werden. Und sie sind technologisch sehr weit vorne“, erklärt Huang weiter. „Ola [Källenius] ist ein Visionär“, lautet sein Urteil über den Vorstandschef des deutschen Autobauers.
Huang äußerte sich im Rahmen eines virtuellen Pressegesprächs zu den jüngsten Quartalszahlen. Diese fielen schwächer aus als erhofft: Nvidia rechnet aufgrund von Lieferkettenproblemen im laufenden Quartal mit Erlösen von 8,1 Milliarden Dollar, das ist weniger als von Analysten erwartet. An der Börse stieg die Aktie am Donnerstag dennoch um mehr als fünf Prozent.
Nvidia: Partnerschaft mit Mercedes soll Wachstum steigern
Ein Wachstumstreiber für die Zukunft ist das Autogeschäft. Das wird laut Huang „sehr wichtig“. Noch ist die Sparte klein: Nvidia erzielte in dem Segment im Finanzjahr 2021 einen Umsatz von 566 Millionen Dollar, das ist ein Plus von sechs Prozent. Doch in den kommenden sechs Jahren wolle man Einnahmen von elf Milliarden Dollar erzielen, so der Nvidia-Chef.
Möglich machen soll das auch die Partnerschaft mit Mercedes. Wie das Handelsblatt im Februar berichtet hatte, werden beide Unternehmen ab 2024 gemeinsam verstärkt Softwarepakete für automatisierte Fahrfunktionen anbieten. Von den Einnahmen wird Nvidia im Rahmen eines „Revenue-Sharing“-Modells mehr als 40 Prozent behalten dürfen – ein Novum in der Autobranche.
Der Plan wird in Stuttgart kritisch beäugt, da sich die Schwaben damit in eine langfristige und teure Abhängigkeit von Nvidia begeben. Für Nvidia ist das Vorhaben hochlukrativ.
Bevorzugte Belieferung für Mercedes?
Huang betont am Donnerstagabend auf Handelsblatt-Nachfrage die Vorteile der Partnerschaft für Mercedes. Zwar beliefere man 20 Autokonzerne mit den eigenen Chips, acht Robotaxi-Unternehmen und sieben Truck-Hersteller: „Unsere [Autostrategie] besteht darin, jedem Unternehmen zu helfen, das seine Systeme automatisieren will.“
Im Fall von Mercedes setze man jedoch auf ein anderes Geschäftsmodell – eine „super tiefe“ Partnerschaft. „Der Hintergrund ist, dass wir gemeinsam die Datenzentren und die Autocomputer bauen werden“, sagt Huang. Man arbeite mit Mercedes zusammen, um den gesamten Workflow und die Anwendungen zu entwickeln: „Wir werden das liefern und Mercedes-Autos für die nächsten 20 Jahre ausrüsten.“
„Wir arbeiten sehr hart daran, um sicherzustellen, dass die beste Technologie in der Flotte zum Einsatz kommt“, sagt Huang weiter. „Mercedes wird in vielen, vielen Bereichen an erster Stelle stehen.“
Mercedes auf Chips von Nvidia angewiesen
Huang und Mercedes-Chef Källenius können laut Insidern gut miteinander. Erst vor einem Tag postete der Schwede ein Bild auf dem sozialen Netzwerk LinkedIn, das ihn gelöst mit Huang – laut Källenius ein „guter Freund“ – am Steuer eines Mercedes zeigt.
Wer in der Partnerschaft den Ton angibt, ist laut Beobachtern klar. Mercedes ist auf die Nvidia-Chips dringend angewiesen, da die Schwaben nicht wie Tesla eigene Halbleiter designen können. Nvidia-Chips gelten als führend. Die nächste Chipgeneration „Atlan“ soll neue Geschwindigkeitsrekorde aufstellen.
Auf die Nachfrage, ob Mercedes aufgrund der besonderen Partnerschaft die „Atlan“-Chips ab 2025 als erster Autohersteller erhalten werde, antwortet Huang: „Ich habe sogar eine noch bessere Überraschung für Sie. Ich würde sagen, Mercedes hat Zugang zu allem, was Nvidia hat.“