Steuersenkung: Tankrabatt: Preise für Super und Diesel fallen stärker als erwartet
Die Preistafel einer Tankstelle in Opladen (NRW) vor und nach 24 Uhr in der Nacht auf Mittwoch.
Foto: dpaDüsseldorf. Die Energiesteuersenkung hat am Mittwochvormittag bereits zu großen Teilen bei den Spritpreisen durchgeschlagen. E10 war zum Stichzeitpunkt 14.20 Uhr um rund 28 Cent pro Liter billiger als 24 Stunden zuvor, Diesel um rund 11 Cent, wie der ADAC auf Anfrage mitteilte. „Die Senkung heute Morgen ging schneller als erwartet. Das ist schon mal ein guter Schritt in die richtige Richtung. Es fehlt aber noch ein gutes Stück“, sagte ADAC-Experte Christian Laberer.
Bereits am frühen Morgen hatten der ADAC und die Deutsche Presse-Agentur (dpa) zum ersten Mal an rund 400 Tankstellen in München, Berlin und Hamburg zwischen sechs und sieben Uhr die Spritpreise ausgewertet. Bei der überwiegenden Mehrheit ergab sich allerdings bereits wenige Stunden nach der um Mitternacht erfolgten Steuersenkung ein klarer Unterschied beim Tanken.
Günstiger tanken: Steuersenkung beeinflusst Spritpreise stärker als erwartet
Tatsächlich klappt die staatlich vorgesehene Preissenkung an der Zapfsäule wohl besser als im Vorfeld vermutet. Eine Sprecherin des Ölkonzerns Shell sagte dem Handelsblatt: „Shell hat die Steuersenkung inklusive Umsatzsteuer in der Nacht zum ersten Juni an allen Stationen in Deutschland vollumfänglich weitergegeben.“ Dessen Konkurrent Total sagte: „Wir als TotalEnergies verfahren ebenso wie Shell und haben in der vergangenen Nacht gegen 00:40 Uhr bereits angepasst.“
Laut ADAC-Auswertung kostete am Mittwochnachmittag der Liter Super E10 im bundesweiten Schnitt 1,853 Euro. Im gleichen Zeitraum am Dienstag habe es im untersuchten Bereich nur eine einzige Tankstelle gegeben, die E10 für weniger als zwei Euro anbot. Bei der Mehrheit habe der Preis zwischen 2,10 und 2,30 Euro gelegen.
Durch die Steuerentlastung könnten bei Benzin die Kosten beim Tanken pro Liter brutto um 35,2 Cent sinken. Laut dpa liegt das angesichts der vorliegenden Daten grob abgeschätzt in Reichweite der Senkungen.
Auch bei Diesel ergab sich nach der ersten Auswertung ein klarer Trend in Richtung fallender Preise. Hatte es den Kraftstoff am Dienstagmorgen nur in seltenen Fällen für weniger als zwei Euro gegeben, machten diese Preise am Mittwoch demnach bereits die Mehrheit aus. Mehr als 2,10 Euro wurden dagegen kaum verlangt. Das war am Dienstag noch fast in der Hälfte aller Fälle so gewesen. Bei Diesel liegt die Entlastung beim Tanken durch die Steuersenkung mit knapp 17 Cent pro Liter deutlich niedriger.
Spritpreise: Ölkonzerne unter dem „Brennglas“ des Bundeskartellamtes
Eine genaue Bewertung des Steuersenkungseffektes wird allerdings noch etwas Zeit brauchen, denn Spritpreise schwanken im Laufe eines Tages. Das Bundeskartellamt wollte die Lage entsprechend am Mittwochmorgen noch nicht direkt bewerten.
Am Dienstagabend sagte Präsident Andreas Mundt: „Wir sehen seit Monaten eine Entkopplung von Rohölpreis und Raffinerie- beziehungsweise Tankstellenpreisen.“ Man habe eine Untersuchung der Raffinerien und der Großhandelsebene eingeleitet. Zwar müssen die Ölkonzerne die Steuersenkung nicht eins zu eins weitergeben. Doch laut Mundt handeln sie nun unter dem „Brennglas“ des Bundeskartellamtes.
Im Vorfeld war erwartet worden, dass die Spritpreise am Mittwoch nicht abrupt fallen werden. Denn die gesenkte Steuer fällt nicht beim Verkauf an der Zapfsäule an, sondern ab Tanklager beziehungsweise Raffinerie. So ist Treibstoff, den Tankstellenbetreiber vor Mitternacht eingekauft haben, noch mit dem normalen höheren Steuersatz belastet.
Dass die Mehrheit der Tankstellen dennoch bereits jetzt die Spritpreise kräftig senkte, könnte eine Folge der hohen öffentlichen Aufmerksamkeit und des damit einhergehenden Wettbewerbsdrucks sein. Eine Sprecherin von Shell teilte mit: „Ausschlaggebend für den Preis an der Zapfsäule sind neben den Beschaffungskosten auch das jeweilige Wettbewerbsumfeld der Tankstelle.“
Günstig tanken: Tankstellen vor doppelter Herausforderung
Der Energiekonzern Total erklärte am Dienstagabend auf Anfrage: „Wir als Total Energies werden ab dem ersten Juni die reduzierte Energiesteuer natürlich berücksichtigen. Ziel ist es dabei, unsere Kunden bestmöglich von der Senkung der Energiesteuer profitieren zu lassen.“ Dafür habe man die Logistik „maximal mobilisiert“, um die Tankstellen mit genügend Benzin und Diesel zu versorgen. Das sei für die ganze Branche eine große Herausforderung, denn es sei sehr schwierig geworden, Lkw-Fahrer zu rekrutieren.
Angesichts eines möglichen Ansturms auf Tankstellen am Mittwochmorgen teilte Total mit: „Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass es an einzelnen Tankstellen vorübergehend zu Engpässen kommt.“
Adrian Willig, Hauptgeschäftsführer des en2x – Wirtschaftsverband Fuels und Energie, sagte: „Die Senkung der Energiesteuer stellt die Tankstellengesellschaften vor eine doppelte Herausforderung, denn die Tankstellen werden bestrebt sein, die Mengen der normal versteuerten Kraftstoffe in ihren Tanks zum Starttag klein zu halten, um schnellstmöglich die niedrig versteuerten Kraftstoffe verkaufen zu können.“ Diese relativ kleinen Mengen an den Stationen zum Start träfen aber auf eine voraussichtlich erhöhte Nachfrage.
Mit Agenturmaterial.