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  5. Pornhub: Klage gegen Mindgeek – Welche Verantwortung Visa hat

KreditkartenbieterKlage gegen Pornhub: US-Richter nimmt Visa in die Pflicht

Die Klage gegen den Porno-Anbieter löst eine Debatte um die Verantwortung von Zahlungsdienstleistern aus. Der Konzern weist jegliche Vorwürfe zurück.Astrid Dörner 01.08.2022 - 18:18 Uhr Artikel anhören

Bei einer Klage gegen Pornhub gerät der Kreditkartenanbieter in den Fokus.

Foto: AP

Denver. Ein US-Richter zieht Visa in den Fokus einer Klage gegen den Porno-Anbieter Pornhub. Der Kreditkartenanbieter hatte eigentlich beantragt, als Mitangeklagter fallen gelassen zu werden. Doch das ließ der kalifornische Richter Cormac Carney nicht gelten.

In dem Fall geht es um eine junge Frau, deren damaliger Freund ein Video von ihr unerlaubt auf die Seiten von Pornhub geladen hatte. Sie war zum Zeitpunkt des Videos erst 13 Jahre alt und erhebt nun sowohl gegen den Mutterkonzern von Pornhub, Mindgeek, als auch gegen Visa schwere Vorwürfe.

So soll der Kreditkartenkonzern ermöglicht haben, dass Mindgeek mit Visa-Unterstützung Zahlungen von Werbekunden abgewickelt hat. Das Gericht „muss zu diesem Zeitpunkt des Verfahrens davon ausgehen, dass Visa bewusst war, dass es auf den Seiten von Mindgeek einen wesentlichen Anteil von Kinderpornografie gab“, lautete die ungewöhnlich scharfzüngige Begründung des Richters.

Der Konzern habe „neben einem Wasserhahn gestanden und diesen kontrolliert, und doch besteht er darauf, dass er nicht für den Wasserschaden aufkommen kann, weil jemand anderes den Schlauch gesteuert hat“, heißt es in dem am Wochenende veröffentlichten Gerichtsdokument. Der Zugang zu Visas Zahlungsnetzwerk habe Mindgeek ermöglicht, Kinderpornografie zu monetarisieren.

Der Konzern aus dem kalifornischen Foster City weist die Vorwürfe zurück. Visa verurteile den Sexhandel, die sexuelle Ausbeutung und den sexuellen Missbrauch von Kindern als etwas, „das unseren Werten und unserer Mission als Unternehmen zutiefst widerspricht“.

„Dieses vorgerichtliche Urteil ist enttäuschend und zeichnet ein falsches Bild der Rolle von Visa sowie unserer Richtlinien und Handlungen“, heißt es in einem Statement. „Visa toleriert nicht, dass unser Netzwerk für illegale Aktivitäten genutzt wird. Wir sind nach wie vor der Meinung, dass Visa in diesem Fall unrechtmäßig angeklagt wurde.“

Zugleich fürchtet der Kreditkartenkonzern schwere Konsequenzen für die gesamte Branche. „Die Argumente der Klägerin würden die gesamte Finanz- und Bezahldienstleistungsbranche umstürzen“, zitierte der Richter aus einer Argumentation des Konzerns. Im Zentrum steht die Frage, inwieweit Kreditkartenunternehmen und andere Bezahldienstleister für die Handlungen ihrer Kunden verantwortlich gemacht werden können.

Bill Ackman unterstützt Klägerin

Der Richter hat sich klar positioniert: Es sei keinesfalls zu viel verlangt und stelle „auch keine existenzielle Bedrohung für die Finanzbranche dar“, wenn Visa seine Dienstleistungen nicht mehr einem Unternehmen zur Verfügung stelle, dem kriminelles Verhalten vorgeworfen werde.

Prominente Unterstützung bekommt die Klägerin von Hedgefonds-Manager Bill Ackman. Der Gründer von Pershing Square hatte vor zwei Jahren einen Artikel über den Fall in der „New York Times“ gelesen und daraufhin die Vorstandschefs von Visa und Konkurrent Mastercard informiert, die damals beide Zahlungsabwickler für Pornhub waren.

Beide Unternehmen hätten zunächst reagiert und damit die Umsätze von Pornhub rapide einbrechen lassen. Allerdings sei ein Teil der Zahlungsabwicklungen kurze Zeit später wieder erlaubt worden, erklärte Ackman am Wochenende in einer Reihe von Tweets.

Der Hedgefonds-Manager, der sich immer wieder mit CEOs anlegt, rechnet mit „einem riesigen Schaden“. Auch der Verwaltungsrat könnte persönlich haftbar gemacht werden, glaubt Ackman.

Er versicherte, dass er keine finanziellen Interessen damit verfolge und somit weder auf steigende noch auf fallende Kurse von Visa, Mastercard, Paypal, American Express „oder anderen Bezahldienstleistern, Banken oder Finanzinstitutionen“ setze.

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