Großbank: Credit Suisse macht ehemaligen Manager der Deutschen Bank zum Finanzchef
Wird neuer CFO bei der Credit Suisse.
Foto: Credit SuisseZürich. Der neue Credit-Suisse-Konzernchef Ulrich Körner hat die ersten wichtigen Personalentscheide getroffen. Dixit Joshi wird zum 1. Oktober Finanzchef der Schweizer Großbank, teilte Credit Suisse am Montag mit. Er ersetzt David Mathers, der nach elf Jahren die Bank verlässt, wie bereits im April bekannt wurde.
Joshi war zuletzt fünf Jahre bei der Deutschen Bank Group Treasurer und damit verantwortlich für die Kapitalbeschaffung und Refinanzierung des Geldhauses. Als Treasurer habe er eine Schlüsselrolle bei der Restrukturierung der Bank und ihrer Bilanz gespielt, heißt es in der Mitteilung der Credit Suisse weiter.
Joshi kennt die Credit Suisse aus früheren Tagen: Der erfahrene Investmentbanker arbeitete zwischen 1995 und 2003 bereits für das Schweizer Institut in New York. Von dort wechselte er zur britischen Bank Barclays und 2011 schließlich zur Deutschen Bank nach London. Joshi schrieb am Montag in einem Eintrag im Karrierenetzwerk LinkedIn: „Ich freue mich, zur Credit Suisse zurückzukehren, wo ich meine frühen prägenden Jahre verbracht habe.“
Er kennt sich in den meisten für das Investmentbanking wichtigen Märkten aus. Joshi hielt bei der Deutschen Bank bereits Managementpositionen im Anleihehandel, im Derivategeschäft sowie im Aktienhandel. „Dixit hat eine eindrückliche Turnaround-Erfolgsbilanz mit einer breiten Erfahrung über verschiedene Geschäftsbereiche“, erklärte Körner. Dies sei für den anstehenden Umbau der Investmentbank von großer Bedeutung.
Körner baut den Vorstand weiter um
Das krisengeplagte Institut gab zudem bekannt, dass Francesca McDonagh, die ursprünglich als Leiterin des Geschäfts in der Region Europa, Naher Osten und Afrika (Emea) vorgesehen war, zum 19. September Group Chief Operating Officer werde. Sie kommt von der Bank of Ireland, einem der größten Geldhäuser in Irland.
Der neue Chef der Credit Suisse baut die Führung um.
Foto: dpaMichael Rongetti werde interimistisch das zuvor von Körner geleitete Asset-Management verantworten. Der Chef des Kerngeschäfts Vermögensverwaltung, Francesco De Ferrari, werde die zusätzliche Funktion als Leiter der Region Emea dauerhaft übernehmen, nachdem er diese seit Januar interimistisch besetzt hat.
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Körner besetzt zudem den neu geschaffenen Posten des Group Head of Transformation mit Michael Bonacker, der wie der CEO selbst in der Vergangenheit bei der UBS arbeitete. Die Bank hat seit den Milliardenverlusten durch die Greensill-Fonds sowie den Hedgefonds Archegos bis auf den Chef der Schweizer Bank alle Vorstandsposten neu besetzt.
Verwaltungsratschef Axel Lehmann sagte, Joshi und McDonagh wechselten mit einer beeindruckenden Erfolgsbilanz und einem reichen Erfahrungsschatz zur Credit Suisse. Über die vier neuen Topmanager sagte er: „Alle werden zweifellos dazu beitragen, unsere strategische Transformation voranzutreiben, mit dem klaren Ziel, die Credit Suisse für eine erfolgreiche Zukunft zu positionieren und ihr volles Potenzial auszuschöpfen.“
Die Aufgaben, die Joshi und das neu formierte Führungsteam erwarten, sind gewaltig: Die Credit Suisse plant einen weitgehenden Rückbau des Investmentbankings, das zuletzt durch milliardenschwere Verluste in die Schlagzeilen geriet. Besonders die wichtigste Maßnahme ist komplex: Das Geldhaus will die Risiken in den Geschäften mit verbrieften Wertpapieren abbauen, ohne ganz auf die Einnahmen der lukrativen Sparte verzichten zu müssen.
Großumbau im Investmentbanking
Daher prüft die Bank einen Teilverkauf. So will sie frisches Geld einsammeln und zudem Eigenkapital, das zur Besicherung der Geschäfte beiseitegelegt werden muss, in die Vermögensverwaltung umlenken. Die Details sollen Ende Oktober bekannt gegeben werden. Doch die Meinungen gehen darüber auseinander, ob die Maßnahme Erfolg verspricht.
Verlässt nach elf Jahren die Bank.
Foto: Credit SuisseDer scheidende Finanzchef Mathers hatte bei der Bekanntgabe der Pläne Ende Juli gesagt, es hätten sich bereits Interessenten bei ihm gemeldet. Analysten hatten sich skeptischer geäußert. Offen ist auch, ob Joshi an den von seinem Vorgänger ausgearbeiteten Plänen festhält – oder ob er viel weiter gehende Pläne umsetzen muss.
Die Nachrichtenagentur Bloomberg meldete unter Berufung auf Insider, dass beim Umbau der Investmentbank bis zu zwei Drittel der Sparte auf der Kippe stehen. Demnach soll eine Möglichkeit darin bestehen, dass die Investmentbank als eigenständige Division aufhören könnte zu existieren. Die verbleibenden Teile, die für das Asset- und Wealth-Management sowie das Schweizer Bankgeschäft benötigt werden, könnten dann diesen Bereichen zugeschlagen werden.
Nach einem weiteren Milliardenverlust hatte Körner Ende Juli überraschend das Steuer bei der zweitgrößten Schweizer Bank übernommen. Der langjährige UBS-Topmanager und Sanierungsexperte soll das Geldhaus nun einem erneuten Umbau unterziehen und vor allem das Investmentbanking eindampfen.
Mit Material von Reuters