Elektromobilität: Inside Nikola: Wie das Start-up doch noch die Truck-Welt revolutionieren will
Die letzte Chance für das Start-up.
Foto: PRPhoenix, Coolidge. In der eisschrankkalten Lobby der Nikola-Zentrale stehen Pick-up-Trucks. Rallyefahrzeuge. Ein Strandbuggy mit Anhänger, darauf Jetskis. Es sind Spielzeuge für große Jungs, Mahnmale eingestellter Projekte. Ihr einstiger Besitzer ist hier nicht mehr erwünscht.
Die Rede ist von Trevor Milton: Gründer, CEO, Angeklagter. Aktuell ist er gegen eine Kaution von 100 Millionen Dollar auf freiem Fuß. Seit vergangenem Jahr muss er sich vor Gericht verantworten. Er habe „in fast allen Bereichen des Geschäfts“ gelogen, so die Anklage der Bundesstaatsanwaltschaft in Manhattan, und Anleger in die Irre geführt. Wie am Sonntag bekannt wurde, soll der Prozess wegen Wertpapierbetrugs noch in dieser Woche beginnen. Milton weist alle Vorwürfe zurück.
„Ich habe ihn nie getroffen“, sagt Michael Lohscheller, der Nikola-Chef, beim Handelsblatt-Besuch – ohne Milton auch nur einmal beim Namen zu nennen. „Wollen wir nicht lieber über die Zukunft reden?“, sekundiert seine Pressechefin.
Die Zukunft: Sie war schon immer das Kerngeschäft von Nikola. Das US-Start-up galt als Hoffnungsträger für alternative Antriebe im Lastwagenbereich. Batterie und Wasserstoff sollten das Transportgeschäft sauber machen, den Diesel ablösen, die Welt retten, so das Versprechen. Allein: Lange hinkte Nikolas Technologie den postulierten Visionen hinterher. Nachdem das 2020 ein kritischer Report offenlegte, stürzte der Börsenwert von 24 auf vier Milliarden Dollar. Fast ging Nikola bankrott.