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GeldpolitikLagarde: Zinsen derzeit das „angemessenste“ geldpolitische Werkzeug

Die EZB wolle sicherstellen, dass die Inflationserwartungen nicht aus dem Ruder laufen, sagte die EZB-Präsidentin. Das wirksamste Werkzeug dafür seien die Zinsen. 12.10.2022 - 18:47 Uhr aktualisiert Artikel anhören

Auf ihrer September-Sitzung hatte die Euro-Notenbank ihre drei Schlüsselsätze um jeweils 0,75 Prozentpunkte angehoben.

Foto: Bloomberg

Frankfurt. Im Kampf gegen die ausufernde Inflation sind laut EZB-Präsidentin Christine Lagarde Zinserhöhungen das probate Instrument. Unter den gegenwärtigen Umständen seien die Zinsen das wirksamste und angemessenste Werkzeug, sagte Lagarde am Mittwoch auf einer Veranstaltung des Institute of International Finance (IIF) in Washington.

„Und gemäß einer Proportionalitäts-Bewertung, die wir unternehmen, wenn wir aus dem Werkzeugkasten auswählen, ist es dasjenige, das tatsächlich am besten durchschlägt“ führt sie aus. Lagarde ging auch auf die Debatte über ein Herunterfahren der billionenschweren Anleihenbestände ein. Die Bilanz der EZB ist durch die Anleihenkäufe der vergangenen Jahre auf fast neun Billionen Euro angeschwollen.

Die Notenbank wolle dafür sorgen, dass die Inflationserwartungen nicht aus dem Ruder laufen, sagte Lagarde. „Und wir müssen sicherstellen, dass wir nicht die Nachfrage vergrößern und stimulieren.“ Inzwischen rückt bei den Währungshütern auch ein Abbau der massiven Anleihenbestände in den Blick.

Deren Herunterfahren wird in der Fachwelt als quantitative Straffung (QT) bezeichnet. Dabei gehe es um den Zeithorizont und um die Geschwindigkeit. „Das ist eine Diskussion, die wir begonnen haben und die weitergeführt werden wird.“ Die Euro-Wächter hatten kürzlich auf ihrem Treffen in Zypern erstmals über das Thema gesprochen.

Quantitative Straffung vorhersehbar gestalten

Laut Lagardes EZB-Ratskollegen, dem niederländische Notenbankchef Klaas Knot, könnte sich die EZB beim Abbau ihrer Anleihenbestände an der US-Notenbank orientieren. „Ich denke, ein Prozess wie QT sollte vorhersehbar sein, er sollte graduell sein, er sollte sogar ein bisschen langweilig sein“, sagte er Bloomberg TV.

Die US-Notenbank sei hierin ziemlich erfolgreich gewesen. Auf einem Forum beim Jahrestreffen des Internationalen Währungsfonds in Washington wurde er deutlicher: Sobald der Weg zur Normalisierung der Schlüsselzinsen abgeschlossen sei, werde das Herunterfahren der Anleihenbestände Teil des Instrumentenmixes.

Aus Sicht von Frankreichs Notenbankchef Francois Villeroy de Galhau sollte nicht zulange mit der Verringerung der Anleihebestände gewartet werden, wenn die Zinsen erst einmal das sogenannte neutrale Niveau erreicht haben, das eine Volkswirtschaft weder anheizt noch bremst. Dieses Niveau liege Schätzungen zufolge bei etwas unter zwei Prozent, sagte er am Dienstag auf einer Veranstaltung der Columbia Universität in New York.

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Zunächst sollten Villeroy zufolge dann die Gelder aus den mehrjährigen großen Kreditsalven der EZB – in der Fachwelt TLTRO genannt – von den Banken zurückgezahlt werden. Danach könne der Bilanzabbau dadurch eingeleitet werden, dass auslaufende Anleihen aus dem früheren Kaufprogramm APP nicht mehr vollständig ersetzt werden. Villeroy zufolge könnte damit bereits 2024 begonnen werden. Bundesbank-Präsident Joachim Nagel hatte sich unlängst dafür ausgesprochen, die Anleihenbestände der EZB zurückzufahren.

rtr
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