Messe „Akaa“: Kunst aus Afrika: Vielseitig, überraschend, angesagt
Die Fotografin ist bekannt für ein All-over von Mustern und weiblichen Modellen mit ausgefallener Frisur. Hier ein Ausschnitt aus dem Hochformat.
Foto: 193 GalleryDie „Akaa“-Messe, „Also Known As Africa“, in Paris leistet dazu seit Jahren einen wichtigen Beitrag. Nicht anders als die Messe „1:54“ in London und Paris. In den lichtdurchfluteten, ehemaligen Markthallen des Carreau du Temple fächerte die 7.Akaa bis vergangenen Sonntag die Breite stilistischer Ausdrucksmöglichen auf.
Die 38 Galerien aus 17 Ländern kamen je zur Hälfte aus Afrika und Europa. Sie stellten 130 Künstlerinnen und Künstler vor. 15.000 Besucher suchten in der Eisenstahlkonstruktion des 19. Jahrhunderts neue Eindrücke. Das sind 2000 Besuchende mehr als im Vorjahr. Die von der Art Basel installierte „Paris Plus“ hat da sicher gutgetan. Erfreulich bis exzellent seien die Verkäufe gewesen, berichtet der Veranstalter am Dienstag.
Stilistisch überwog die Figuration, eher expressiv als brav, gekonnt und mit der Gabe zu fesseln. Aber die Messeflaneurin konnte vereinzelt auch abstrakte Positionen entdecken. Bei Ebony/Curated aus Franschhoek in Südafrika sind drei große Porzellanvasen in ungewöhnlicher, weil kürbisartiger Form der Showstopper.
Handbemalt in feinem Kolorit hat sie John Newdigate. Nur gelegentlich sind pflanzliche Motive erkennbar zwischen dschungelhaft verdichteten Farbfeldern, Streifen und Kringeln. Für Preise zwischen 5000 und 8000 Euro wechseln diese schimmernden skulpturalen Objekte mit philosophisch verspielten Titeln den Besitzer.
Ihre erste Messepräsentation hat Barbara Asei Dantoni bei der Galerie Cécile Dufay in Paris. Parallel zu ihrer Arbeit als Designerin und Bühnenbildnerin schafft Asei Dantoni Mischtechniken, die zum Hinsehen verführen. Oft vor allem aus zarten Strichen und Punkten zusammengesetzt, entfalten ihre Bilder und maskenartigen Wandobjekte aus Papier oder Leder gleichwohl große Anziehungskraft.
Seine Wandteppiche aus dünnen Stoffstreifen zeichnen sich durch starke Farben und zarte Farbverläufe aus.
Foto: Galerie 38Das liegt an den leuchtenden Farben und der eindringlich gestellten Frage nach echten und imaginären Identitäten. Die 39-jährige Künstlerin wurde in Frankreich geboren, hat aber Wurzeln in Italien und Kamerun. Ihre Unikate reflektieren zugleich Afrikas Kultur und Aseis Weiblichkeit. Sie kosten in der Galerie Dufay zwischen 620 Euro und 8200 Euro.
Textilien sind wichtig in den Kulturen Afrikas. Turiya Magadlela verwendet weder Acrylfarbe für ihre Bilder, noch traditionelle Wachsstoffe, sondern farbige Nylonstrumpfhosen. Aber nicht wie Senga Nengudi gefüllt und in räumlichem Kontext. Sondern straff auf Landwände gespannt.
Nylons statt Acryl
Die Kalashnikovv Gallery aus Johannesburg bietet Magadlelas ungegenständliche Bilder aus geschichteten Strumpfhosen für Preise zwischen 4000 und 26.000 US-Dollar an. Sie stoßen oben wie Kreuzgratgewölbe spitz zusammen, teilen sich mittig, um unten wieder tropfenförmig zusammenzulaufen.
Aber auch traditioneller Stoff wird in der Kunst verwendet. Abdoulaye Konaté aus Mali ist bekannt für seine aus feinen Stoffbahnen genähten Wandbehänge. 2007 nahm er an der Documenta 12 teil, zehn Jahre später an der Biennale von Venedig. Die Galerie 38 aus Casablanca präsentierte die Tapisserie des 69-Jährigen in unterschiedlichen Größen, oft in sanften Farbverläufen, kaskadenförmig übereinandergeschichtet.
Die Wandreliefs bestehen aus filetierten Büchern. Sie stehen im Kontext der Debatte um Kolonisierung und Dekolonisierung.
Foto: S. SchreiberWer traditionell afrikanische Kleidung trägt, macht damit auch Aussagen über seine Familienzugehörigkeit. Das thematisiert der junge Nigerianer Victor Olaoyé. Zunächst bringt er mittels Serigrafie Damastmuster auf den Bildhintergrund. Dann malt er durchaus realistisch Figuren oder Figurengruppen.
So illusionistisch deren Gewänder samt üppigem Faltengebirge auch sind, so unklar bleiben ihre Gesichter. Olaoyé begnügt sich mit Kontur und schwarzer Farbe. Die Feinzeichnung zur Individualisierung lässt er weg. Es geht ihm mehr um malerische Fragen als um eine Erzählung aus dem Persönlichen.
Weiblichkeit und Camouflage
Bei der Pariser Galerie Marion Chauvy sind Olaoyés Gemälde für Preise zwischen 8000 und 15.000 Euro zu haben. Dafür, dass der Maler gerade mal zwanzig Jahre alt ist, ist das erstaunlich selbstbewusst. Doch die Galerie Chauvy traut dem aufsteigenden Talent eine große Zukunft zu.
Exzessiv mit Mustern spielt Thandiwe Muriu. Die Kenianerin kleidet für ihre Fotoshootings zunächst den Raum mit einem der typischen bunt gemusterten Stoffe aus. Dann kleidet sie ein Modell in ein Kleid oder Kostüm aus eben diesem Stoff. Der Camouflage-Effekt bewirke eine Konzentration auf das Gesicht der Porträtierten, meint Kurator Roger Niyigena Karera zum Handelsblatt.
Die prachtvollen Vasen präsentierte die Galerie Ebony/Curated aus Franschhoek in Südafrika auf der Akaa in Paris.
Foto: S. SchreiberDas stimmt nur teilweise, weil Muriu vielen von ihren weiblichen Models verrückte Objekte auf die Nase setzt, mehr Nasenfahrrad als Brille. Und weil sie eine weitere Tradition aus Afrika aufgreift, die der Haar-Skulptur.
Vertreten wird das gut wiedererkennbare Muster-Kosmos bei Thandiwe Murius von der Pariser 193 Gallery. Die Fotos sind streng limitiert. Kleinformate einer Zehnerauflage kosten zwischen 3000 und 10.000 Euro. Je weniger Exemplare übrig sind, desto stärker zieht der Preis an. Das belohnt Früheinsteiger. Die großen Formate werden in einer Dreierauflage angeboten zu Preisen zwischen 12.000 und 15.000 Euro.
Wie weit man ein gebundenes Buch in ein an Meereswesen mit Tentakeln erinnerndes Kunstobjekt verwandeln kann, zeigt ausführlich die Galerie „This is not a white cube“ aus Luanda in Angola. Entscheidend ist bereits die Wahl der Titel: „An African Survey“ oder „Ancient World“ stellen Barbara Wildenboers Wandreliefs in den Kontext der aktuellen Debatte um Kolonisierung und Dekolonisierung. Ausgepreist sind sie mit maximal 5000 Euro.
Metamorphosen eines Buchs
Aus dem Innen des Buchblocks holt die Künstlerin Textseiten durch die beiden Buchdeckel – die nur mehr als Rahmen stehen bleiben – nach außen. Das Papier beschneidet Wildenboer zu zart wuchernden Tentakeln, zu einem störrischen Gestrüpp.
Natürlich liegt da auch eine Anspielung auf das Bastgeflecht drin, das im Kult unabdingbar mit Holzmasken verbunden ist. Doch diesen Bast entfernten die meisten Sammlenden in den letzten 120 Jahren von afrikanischen Masken. Sehr zum Leidwesen heutiger Wissenschaftlerinnen.
Wer sich in die buchstäblich fantastischen Buchobjekte von Barbara Wildenboer verguckt, muss nicht nach Angola fliegen. Die Galerie betreibt seit 2019 eine Dependance in Lissabon. Innerhalb der EU sollte eine postalische Versendung kein Problem darstellen.
Mehr: Marktanalyse: Der unaufhaltsame Aufstieg der afrikanischen Kunst