Kommentar: Donald Trumps Geist lebt – und wird nach den Zwischenwahlen allgegenwärtig sein
Der ehemalige US-Präsident hat die republikanische Partei bis heute geprägt.
Foto: IMAGO/AFLODie amerikanischen Kongresswahlen – in den USA selbst etwas verniedlichend „Midterms“ genannt – sind in ihren geopolitischen Folgen kaum zu überschätzen. Es geht um so elementare Fragen von globalem Interesse wie: Gewinnen in den USA wieder solche Kräfte Oberhand, die die einst regelbasierte Weltordnung entscheidend mit zerlegt haben? Driftet die Führungsmacht der freiheitlichen Welt auch auf parlamentarischer Ebene wieder in einen Zustand ab, den man in Teilen vordemokratisch nennen darf? Und können Autokraten wieder einmal auf Washington zeigen und ihren Kritikern sagen: „Was wollt ihr eigentlich? Schaut doch mal, was bei eurer Führungsnation los ist!“
Oder nüchtern betrachtet: Sollten die Republikaner in beiden Häusern die Mehrheit erzielen, kann das erst mal vor allem einer als seinen Sieg verbuchen und zugleich als Auftrag für eine erneute Kandidatur verstehen: Donald Trump.
Die Demoskopen haben sich schon oft getäuscht in den USA, wahrscheinlich aber ist genau dieses Szenario: dass die Demokraten ihre Mehrheit in beiden Häusern verlieren. Das ist für eine Partei, die den Präsidenten stellt, in den USA nichts Ungewöhnliches. Ungewöhnlich gefährlich aber ist es, wenn die Siegerpartei eine ist, die sich selbst zu einem Trump-Wahlverein degradiert hat.