Überstunden: Warum lassen sich Hochqualifizierte in Teilzeit ausbeuten?
Immer mehr Unternehmen versuchen Teilzeit auch für Führungskräfte oder Spezialisten zu ermöglichen. Gerade in anspruchsvollen Positionen ist das aber auf Dauer oft zum Nachteil der Beschäftigten.
Foto: Handelsblatt, Getty ImagesBerlin. Keine Mittagspause, zahllose Überstunden, ständiger Druck: So beschreibt Judith Trenke* ihren Joballtag. Seit vielen Jahren arbeitet die Kommunikationsexpertin in Teilzeit. Zuerst in der freien Wirtschaft, mittlerweile im öffentlichen Dienst.
Trenke, die in Wirklichkeit anders heißt und anonym bleiben möchte, fühlt sich ausgenutzt. Eigentlich würde die Spezialistin gern mehr arbeiten, doch ihr Chef lehnt ab. „Keine Chance“, sagt sie. Statt neue Stellen zu schaffen, würden sich ihre Vorgesetzten auf ihrem Engagement ausruhen.
„Gerade in höheren Positionen kann man die Arbeit nicht einfach liegen lassen“, sagt Trenke. Die Folge: Sie checkt regelmäßig nach Feierabend Mails oder arbeitet etwas nach. „Das ist unfair, denn man wird dafür nicht bezahlt.“
Trenke steckt in einem Dilemma, das viele Spezialisten, Akademiker oder Führungskräfte in Teilzeit kennen. Auf dem Papier arbeiten sie 60, 70 oder 80 Prozent, doch in Wirklichkeit sind es eher 100 – auch weil die Fülle der Aufgaben nur schwer mit der reduzierten Stundenanzahl zu schaffen ist.