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Serie: BranchenausblickHohe Nachfrage, geringe Kapazitäten: Fluggesellschaften erwarten für 2023 durchweg Gewinne

Die Luftfahrt gilt als krisensensibel. Umso erstaunlicher, dass der weltweite Airline-Verband schwarze Zahlen für alle erwartet. Warum das so ist – und wieso es das Jahr der Lufthansa werden kann.Jens Koenen 28.12.2022 - 11:19 Uhr Artikel anhören

Europas größte Fluggesellschaft kommt wie die gesamte Branche erstaunlich gut mit den aktuellen Herausforderungen zurecht.

Foto: dpa

Frankfurt. Es ist für die Luftfahrt eine neue Erfahrung. Während erste Branchen wegen der hohen Inflation eine Kaufzurückhaltung spüren, funktioniert das Geschäft am Himmel blendend. Dabei reagiert die Branche sonst so schnell wie heftig auf wirtschaftliche und geopolitische Krisen.

Schon im November sei man überrascht gewesen, dass es nicht zu einem Rückgang bei der Ticketnachfrage gekommen sei, schrieb kürzlich Alex Irving von Bernstein Research in einem Branchenreport. Diese Entwicklung habe sich bis Mitte Dezember 2022 fortgesetzt. „Die Vorausbuchungen sind robust.“

Auch die Stimmung beim weltweiten Airline-Verband Iata hat sich gebessert. Erstmals seit Beginn der Pandemie dürften die Fluggesellschaften 2023 in Summe wieder schwarze Zahlen schreiben. Umgerechnet 4,5 Milliarden Euro Nachsteuerergebnis prognostizieren die Ökonomen der Iata für das neue Jahr.

Das ist zwar weit entfernt von jenen 26,4 Milliarden Dollar, die die Airlines im Vorkrisenjahr 2019 eingeflogen hatten. Aber es ist ein Gewinn – für das gerade zu Ende gehende Jahr 2022 kalkulieren die Experten der Iata noch mit einem Verlust von 6,9 Milliarden Dollar.

Ein Grund für die anhaltend gute Buchungslage dürfte der Nachholeffekt sein. Der trifft auf ein Angebot, das noch nicht wieder auf dem Niveau von 2019 ist. Fast alle Fluggesellschaften zeigen aktuell eine Disziplin bei ihrer Kapazitätsplanung, die bis zum Beginn der Pandemie unvorstellbar war.

Begrenztes Angebot sorgt für hohe Ticketpreise

Lange Zeit wurde um jeden Preis Angebot in den Markt gepumpt, in der Hoffnung, dem Wettbewerb ein paar Kunden abspenstig machen zu können. Es herrschte ein ruinöser Preiskampf, der die Ticketpreise drückte.

Das hat sich geändert. Die europäische Flugsicherungsbehörde Eurocontrol notierte zwischen Januar und Anfang Dezember 2022 in Summe 25.569 Flüge in Europa. Das waren nur 83,1 Prozent des Niveaus im Jahr 2019. Ein eher enges Angebot sichert wiederum hohe Preise und damit den Ertrag der Fluggesellschaften.

Doch bleiben die Airline-Manager so diszipliniert wie bisher? Der Blick auf die neu bestellten Flugzeuge lässt Zweifel aufkommen. Allein Airbus hat nach letzten Angaben 7344 Flugzeuge im Auftragsbuch stehen, der weitaus größte Teil davon sind Kurz- und Mittelstreckenjets. Selbst wenn viele dieser Flugzeuge älteres Gerät ersetzen werden, werden genug Flugzeuge dabei sein, die das Sitzplatzangebot insgesamt erhöhen.

Das gängigste Instrument, ein Flugzeug trotz schwacher Nachfrage zu füllen, sind große Preisnachlässe. Sollte der ruinöse Wettbewerb schon 2023 auf bestimmten Strecken neu entbrennen, würde das auf Fluggesellschaften treffen, die wirtschaftlich nicht sonderlich stabil sind.

Das zeigt die aktuelle Prognose der Iata. Dem vorhergesagten Gewinn von 4,7 Milliarden Dollar im neuen Jahr steht ein Umsatz von wahrscheinlich 779 Milliarden Dollar gegenüber. Anders ausgedrückt: Je 100 Euro Umsatz bleiben den Fluggesellschaften nur 60 Cent als Gewinn. Das ist zu wenig, vor allem angesichts der notwendigen Investitionen etwa in moderne, nachhaltigere Flugzeuge oder synthetischen Treibstoff, der grüner, aber weit teurer als Kerosin ist.

Airlines im Fokus: Lufthansa

Es gibt zwei Fluggesellschaften, die im Jahr 2023 besondere Aufmerksamkeit verdienen. Eine davon ist Lufthansa. Die größte europäische Airline-Gruppe könnte ein maßgeblicher Akteur bei der Konsolidierung sein.

Zum einen stehen die Chancen gut, den Zuschlag für die italienische ITA zu bekommen. In Branchenkreisen und in italienischen Medien ist die Rede von weit fortgeschritten, guten Gesprächen. Die italienische Regierung steht unter Handlungsdruck: ITA verbrennt Geld, die bisher von der EU-Kommission genehmigten Staatshilfen gehen zur Neige. Außer Lufthansa war zuletzt kein anderer Bieter in Sicht.

Gelingt die Transaktion, eröffnen sich für das Unternehmen Wachstumschancen. Der Markt in Italien ist nicht einfach, auf der Kurzstrecke ist er von Billiganbietern wie Ryanair und Easyjet dominiert. Andererseits ist Italien für Lufthansa schon jetzt nach Deutschland der zweitgrößte Markt Europas.

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Mit ITA hätte der Konzern eine Airline, die Passagiere von dort zu den Drehkreuzen in Frankfurt und München bringen könnte – vor allem aus dem wirtschaftlich starken Norden Italiens. Gleichzeitig kann der Flughafen Rom-Fiumicino als eine Basis für Flüge nach Nordafrika oder in den Nahen Osten genutzt werden.

Die portugiesische Regierung will wiederum 2023 die Privatisierung der nationalen Airline TAP starten. Auch hier gilt Lufthansa als ein potenzieller Interessent. Anders als bei ITA hat sich das Lufthansa-Management aber bisher nicht zum Thema TAP geäußert.

Zudem ist die skandinavische SAS ein Übernahmekandidat, bei dem immer wieder Lufthansa als möglicher Interessent genannt wird. Für den Konzern könnte 2023 das Jahr werden, in dem er die eigene Marktposition in Europa kräftig ausbaut.

Airlines im Fokus: Easyjet

Die zweite Fluggesellschaft, bei der es spannend werden könnte, ist Easyjet. Rund um den britischen Billiganbieter ranken sich immer wieder Übernahmegerüchte. So hatte das Management im vergangenen Jahr publik gemacht, ein feindliches Übernahmeangebot abgelehnt zu haben.

Angeblich haben damals die International Airlines Group (IAG) und die ungarische Wizz Air Interesse gezeigt. Vor einigen Wochen wurde dann erneut über ein mögliches Angebot für Easyjet spekuliert. Die britische Zeitung „The Times“ berichtete, die britisch-spanische IAG bereite eine Offerte vor.

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Kommentiert oder bestätigt wurde das bisher nicht. Easyjet-Chef Johan Lundgren versuchte bei der Präsentation der jüngsten Quartalszahlen, das Thema herunterzuspielen. „Ich sehe Easyjet nicht als ein Ziel für eine Übernahme“, sagte er und schloss stattdessen seinerseits Akquisitionen durch Easyjet nicht aus. Doch es wäre nicht überraschend, wenn Easyjet in den kommenden Wochen und Monaten erneut das Ziel von Übernahmegerüchten würde.

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