Geschäftsklima: Ifo-Index steigt deutlich – „Die deutsche Wirtschaft schöpft zum Weihnachtsfest Hoffnung“
Der ifo Geschäftsklimaindex ist im Dezember auf 88,6 Punkte gestiegen, nach 86,4 Punkten im November.
Foto: dpaBerlin. Trotz der Energiekrise stellt sich die deutsche Wirtschaft für 2023 auf bessere Zeiten ein. Der Ifo-Geschäftsklimaindex sprang im Dezember auf 88,6 Zähler von 86,4 Punkten im Vormonat, wie das Münchner Ifo-Institut am Montag zu seiner Umfrage unter rund 9000 Führungskräften mitteilte. Ökonomen hatten lediglich mit 87,4 Punkten gerechnet.
Mit den laufenden Geschäften waren die Unternehmen zufriedener: Zuvor war dieser Lage-Indikator sechsmal in Folge gefallen. Auch die Erwartungen verbesserten sich merklich. „Die deutsche Wirtschaft schöpft zum Weihnachtsfest Hoffnung“, sagte Ifo-Präsident Clemens Fuest.
Laut Ifo-Experte Klaus Wohlrabe zieht sich die Aufhellung des Geschäftsklimas durch fast alle Branchen. „Die Wahrscheinlichkeit einer Rezession ist mit diesen Ifo-Daten gesunken. Es gibt positive Signale, man kann aber nicht ausschließen, dass es dazu kommt“, sagte der Ökonom der Nachrichtenagentur Reuters. Die Wirtschaft sehe zumindest einen Silberstreif am Horizont.
Die Stimmung sei nach wie vor schlechter als die Lage, meint VP Bank-Chefökonom Thomas Gitzel. Möglicherweise sei die Stimmung auch zu negativ: „Gerade das gibt Anlass zur Hoffnung, dass die erwartete Rezession kürzer und auch milder ausfällt als ursprünglich erwartet.“
Jüngste Umfragedaten des Finanzdienstleister S&P Global bestätigen den Aufwärtstrend, wonach sich die Talfahrt der deutschen Wirtschaft zum Jahresende deutlich verlangsamt hat. Der Einkaufsmanagerindex für die Privatwirtschaft rückte mit 48,9 Punkten näher an die Wachstumsschwelle von 50 Zählern heran und erreichte den höchsten Stand seit einem halben Jahr. Das Ifo-Institut erwartet für 2023 beim Bruttoinlandsprodukt ein minimales Minus von 0,1 Prozent.
Auch wenn sich das Geschäftsklima nun vor der Jahreswende deutlich aufgehellt hat, bleibt nach Ansicht vieler Experten Vorsicht geboten: „Die allerjüngsten Entwicklungen dürften die Erwartungen demnächst wieder eintrüben“, so LBBW-Volkswirt Jens-Oliver Niklasch. „Dazu gehören der deutliche Rückgang der Gasspeicherfüllstände oder die Angst vor weiter steigenden Leitzinsen, die Ende der Vorwoche für einen Kursrutsch an den Finanzmärkten gesorgt haben.“