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Jochen HanebeckSo trimmt der neue Infineon-Chef den Chiphersteller auf Rendite

Der Dax-Konzern soll den Plänen von Jochen Hanebeck folgend schneller wachsen und profitabler werden. Eine Sparte macht vor, wie das gelingen kann.Joachim Hofer 20.12.2022 - 15:06 Uhr Artikel anhören

Der neue Infineon-Chef verspricht eine höhere Marge.

Foto: dpa

München. Als der neue Infineon-Chef Jochen Hanebeck Mitte November die neuen Ziele für die kommenden Jahre präsentierte, waren die Anleger begeistert. Der Aktienkurs des Chipherstellers schoss um fast acht Prozent in die Höhe.

Seither haben die im Leitindex Dax notierten Papiere indes an Wert verloren. Die Investoren sind unsicher: Wird Infineon tatsächlich Jahr für Jahr mehr als zehn Prozent wachsen, wie Hanebeck versprochen hat? Ist es möglich, die operative Marge dauerhaft auf 25 Prozent hochzuschrauben – sechs Prozentpunkte mehr als bisher?

Anleger und Banker sind skeptisch: Der Branchenzyklus verliere an Schwung, warnt Jefferies-Analyst Janardan Menon. Er sagt einen Kurseinbruch des größten europäischen Halbleiterherstellers von rund einem Drittel binnen Jahresfrist voraus.

Infineon bietet mehr als einzelne Chips

Hat der seit April amtierende Vorstandsvorsitzende also zu dick aufgetragen? Nicht unbedingt. Hanebecks Truppe hat in Teilbereichen des Konzerns bereits bewiesen, dass der Zukunftsplan aufgehen kann. Dafür steht beispielhaft die Sparte Power & Sensor Systems (PSS), die unter anderem Chips für die Stromversorgung von Netzwerkrechnern, den sogenannten Servern, liefert.

Der Umsatz der Division ist in den vergangenen fünf Jahren jeweils im Schnitt um 15 Prozent gestiegen. Die operative Marge lag stets jenseits der 20 Prozent. Im vergangenen Geschäftsjahr, das am 30. September endete, waren es 28 Prozent.

„Es ist wichtig, auf Systemebene zu arbeiten“, erklärt Bereichschef Adam White im Gespräch mit dem Handelsblatt. Es reiche nicht, einzelne Halbleiter anzubieten. Für umfassende Lösungen seien die Kunden bereit, auch mehr zu bezahlen. Dazu zählten beispielsweise fortschrittliche Gehäuse für komplette Module, dabei werden mehrere Bauteile zusammengefasst.

Ein Erfolgsfaktor sei auch, mit anderen Lieferanten zusammenzuarbeiten, um so die optimalen Lösungen anbieten zu können. Bei den Servern sind das Konzerne wie AMD, Intel oder Nvidia. „Wir kooperieren eng mit den Prozessorherstellern, sagt White.

Europas größter Chiphersteller soll stärker wachsen und profitabler werden.

Foto: dpa

Der Brite leitet den Bereich, der für knapp 30 Prozent des Umsatzes steht, seit Anfang Juni. Seine Ernennung war eine der ersten wichtigen Personalentscheidungen von Hanebeck.

Dass der Infineon-Chef PSS als Vorbild sieht, beweist eine weitere Personalie: Whites Vorgänger Andreas Urschitz holte der 54-Jährige im Frühjahr als Vertriebschef in den Vorstand. Der Österreicher versucht nun, das Konzept von PSS konzernweit umzusetzen.

„Natürlich verkaufen wir auch künftig einzelne Chips“, betont Urschitz im Handelsblatt-Interview. „Aber wir bieten sie den Kunden möglichst mundgerecht an. Dafür sind sie bereit, höhere Durchschnittspreise zu bezahlen.“

Die neue Größe zahlt sich aus bei Infineon

Infineon galt in der Chipbranche bisher als Anbieter, der zurückhaltend war mit Preiserhöhungen. Das hat sich geändert. Urschitz formuliert das so: „Ich bin überzeugt davon, dass Infineon einen fairen Anteil der Gewinne in der Wertschöpfungskette für sich einnehmen kann.“

In seinem ersten Geschäftsjahr an der Spitze hat Hanebeck eine operative Marge von 24 Prozent erreicht; das ist deutlich mehr, als sein Vorgänger Reinhard Ploss geschafft hat.

Dass es künftig noch zwei Prozentpunkte mehr sein sollen, liegt auch an der neu gewonnenen Größe. Skalenvorteile sind wichtig in der Chipindustrie. So ist Infineon zuletzt sprunghaft gewachsen. In den vergangenen beiden Geschäftsjahren sind die Erlöse jeweils um 29 Prozent in die Höhe geschossen. Das entspricht mehr als fünf Milliarden Euro Umsatz.

Nun lassen sich die Fabriken besser auslasten. Zuletzt hat der Konzern vergangenes Jahr ein 1,6 Milliarden Euro teures Werk im österreichischen Villach eröffnet. Durch die Expansion kann Hanebeck mehr Chips auf 300 Millimeter großen Wafern produzieren. Das ist effizienter als auf den bisher üblichen 200 Millimeter großen Scheiben.

Von der neu gewonnenen Größe des Konzerns profitiert auch die Autosparte, die Hanebeck jahrelang selbst geführt hat. Sie stand vergangenes Quartal für 47 Prozent der Erlöse. Über Jahre hinweg war der Bereich wenig profitabel.

„Anfangs haben wir viel investiert in die Elektromobilität“, sagt Bereichsleiter Peter Schiefer. Angesichts des Booms der Elektrofahrzeuge zahle sich das jetzt aus. „Uns hilft die Skalierung“, betont Schiefer. So ist die operative Marge der Sparte im jüngsten Quartal gegenüber dem Vorjahr um zehn Prozentpunkte auf gut 26 Prozent gestiegen.

„Es war früher kaum möglich, die Preise zu erhöhen“, sagt der Manager. Angesichts der branchenweiten Lieferengpässe bei Autochips ist das jetzt anders. Die Kunden müssen froh sein, wenn sie die bestellten Mengen fristgerecht erhalten. Infineon überlege auch, Anzahlungen zu kassieren, berichtet Schiefer.

Wenn Hanebeck seine Wachstumspläne wie angekündigt umsetzt, lässt der Konzern die Branche hinter sich. So erwarten die Marktforscher von Gartner, dass die Erlöse der Industrie nächstes Jahr um gut drei Prozent sinken.

Dass es bei vielen anderen Chipherstellern so schlecht läuft, liegt am schwachen Geschäft mit Speicherchips sowie mit Prozessoren für Computer und Smartphones. Dies sind Bereiche, in denen Infineon nicht tätig ist. Die Münchner verkaufen größtenteils Leistungshalbleiter, darüber hinaus auch Sensoren und Minicomputer, sogenannte Microcontroller. Es sind dies eher krisenfeste Segmente.

Der wichtigste europäische Konkurrent hat sich unterdessen noch ambitioniertere Ziele gesetzt. So rechnet der französisch-italienische Rivale STMicroelectronics von 2025 an mit einer operativen Marge von mehr als 30 Prozent.

Infineon fürchtet keine Krise

Hanebecks Team ist zuversichtlich, dass den großen Worten auch Taten folgen, trotz Konjunkturflaute, Energiekrise und Inflation. „Selbst wenn die Zahl der verkauften Autos sinken würde, werden wir Jahr für Jahr mehr Halbleiter verkaufen“, sagt Autospartenchef Schiefer.

Mit dem automatisierten Fahren und der Elektromobilität werde sich der Wert der Halbleiter in Fahrzeugen bis Ende des Jahrzehnts verdoppeln. PSS-Chef White ist ebenfalls optimistisch: „Die fundamentalen Wachstumstrends sind intakt, auch in turbulenten Zeiten.“

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Experten sehen das ähnlich: Das Unternehmen könne mit einer anhaltend positiven Geschäftsentwicklung, einem Rekordauftragsbestand von 43 Milliarden Euro und der Anhebung der mittelfristigen Margenziele überzeugen, urteilt DZ-Bank-Analyst Dirk Schlamp.

Im Schnitt rechnen die Analysten damit, dass der Kurs in den kommenden zwölf Monaten ein Fünftel klettert. Nun müssen nur noch die Investoren Vertrauen in Hanebecks Strategie fassen.

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