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Robert-Koch-InstitutDer Corona-Erklärer geht: RKI-Chef Lothar Wieler tritt zurück

In der Pandemie wurde seine Rolle oft kontrovers diskutiert, auch sein Verhältnis zu Minister Lauterbach galt als angespannt. Zum Abschied gibt es aber viel Lob.Jürgen Klöckner 11.01.2023 - 17:19 Uhr aktualisiert Artikel anhören

Der frühere RKI-Präsident wird das Institut verlassen.

Foto: IMAGO/Future Image

Berlin. Nach fast acht Jahren an der Spitze des Robert-Koch-Instituts (RKI) hat Präsident Lothar Wieler sich dafür entschieden, sein Amt niederzulegen. Er verlasse das RKI auf eigenen Wunsch zum 1. April, teilten das Bundesgesundheitsministerium und das RKI am Mittwoch gemeinsam mit. Der Schritt sei einvernehmlich mit Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) erfolgt. Für eine Übergangszeit übernimmt Stellvertreter Lars Schaade die Aufgaben von Wieler.

Der 61-Jährige stand in der Coronapandemie häufig in der Öffentlichkeit – und trat gemeinsam mit Lauterbach und dessen Vorgänger Jens Spahn (CDU) regelmäßig vor die Presse. Lauterbach bescheinigte Wieler „bei der Bewältigung der Pandemie für das Land bleibende und herausragende Verdienste“ und betonte: „Ohne Professor Wieler wäre Deutschland deutlich schlechter durch diese Pandemie gekommen.“

So reibungslos, wie die Worte vermuten lassen, war die Zusammenarbeit der beiden allerdings nicht immer. Vor rund einem Jahr knirschte es zwischen Lauterbach und Wieler, manch einer vermutete gar ein Zerwürfnis. Wielers Institut pochte in Empfehlungen auf „maximale Kontaktbeschränkungen“, während Bund und Länder deutlich weniger scharfe Maßnahmen erwogen.

In der Bundespressekonferenz darauf angesprochen, sagte Lauterbach damals: „Hier kam die Frage, ob ich zu Herrn Wieler noch stehe.“ Das ließe sich leicht beantworten: „Sonst säße er nicht hier.“ Dennoch: Das Verhältnis galt fortan als belastet, wozu auch eine Entscheidung des Instituts wenige Wochen später beitrug.

Als das RKI im Januar vergangenen Jahres den Genesenenstatus überraschend von sechs auf drei Monate verkürzte, löste das eine Welle der Kritik aus. Lauterbach entschied sich, dem Institut diese Kompetenz zu entziehen. Das RKI gehört zum Geschäftsbereich des Bundesgesundheitsministeriums.

„Sachlich und wertschätzend“

Trotz aller Differenzen hielt Lauterbach an Wieler fest – sie waren offenbar nicht der Auslöser für die Entscheidung. Aus Koalitionskreisen heißt es, dass Wieler „jemand war, der kein Blatt vor den Mund genommen hat“. Die Zusammenarbeit sei dennoch „sehr sachlich, sehr wertschätzend gewesen“. Das Gesundheitsministerium sei immer froh gewesen, Wieler zu haben.

Andere sagen, der Grund für den Rückzug sei eher die „auffressende Rolle“ gewesen, die das Amt mit sich brachte. Insbesondere in der Anfangszeit der Pandemie trat Wieler wöchentlich in der Bundespressekonferenz auf, um die Pandemie zu erklären. Stets im Anzug, referierte er die aktuellen Coronazahlen.

An diese Rolle musste sich Wieler, der vorher wenig in der Öffentlichkeit stand, gewöhnen. Vor seinem Wechsel zum RKI war er Direktor des Instituts für Mikrobiologie und Tierseuchen. Wieler studierte in den 1980er-Jahren Veterinärmedizin in Berlin und München. „Es war immer klar, dass er was anderes machen würde, wenn die Pandemie dem Ende zugeht“, sagt ein Weggefährte.

In der Debatte um Schutzmaßnahmen vertrat Wieler eine strengere Haltung als manch anderer, was ihm von einigen Seiten scharfe Kritik einbrachte, darunter von der FDP. Grund dafür war auch die mangelnde Digitalisierung des Instituts. Auch die Aussagekraft der vom RKI angegebenen Pandemiedaten wurde immer wieder diskutiert.

Er fände dennoch sehr schade, dass der Institutschef gehe, sagte der gesundheitspolitische Sprecher der FDP, Andrew Ullmann. „So bedauerlich das ist, sollten wir es auch als eine Chance ergreifen, um das Robert-Koch-Institut im Rahmen der von uns geplanten Neustrukturierung der öffentlichen Gesundheit zu stärken und entsprechend zu positionieren.“

Der gesundheitspolitische Sprecher der Unionsfraktion, Tino Sorge (CDU), sagt dem Handelsblatt wiederum, er habe Wieler „ als kritikoffenen und diskussionsfreudigen Gesprächspartner“ erlebt. „Es war gut, dass er in den letzten Jahren an der Spitze des RKI stand. Wir alle sind ihm zu großem Dank verpflichtet.“

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Wieler habe schwierige Entscheidungen in der Pandemie mitgestaltet – oft unter widrigsten Bedingungen. „Höchster Zeitdruck, unvollständige Informationen und rapide steigende Zahlen“, so Sorge. „Die Anfeindungen und Bedrohungen, die seine Familie und er persönlich ertragen mussten, sind kaum vorstellbar.“

Nun will sich Wieler „neuen Aufgaben in Forschung und Lehre“ widmen, wie es am Mittwoch hieß. „Es war ein Privileg, in dieser Krise an exponierter Position zusammen mit einem motivierten Team hervorragender Expertinnen und Experten arbeiten zu dürfen“, sagte er laut Mitteilung. Die Nachfolge ist noch nicht entschieden.

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