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VersichererAllianz übertrifft mit operativem Rekordgewinn Erwartungen

Der Versicherungskonzern hat im abgelaufenen Geschäftsjahr so viel verdient wie noch nie in seiner 133-jährigen Geschichte. Trotzdem ist die Bilanz nicht frei von Makeln.Christian Schnell 17.02.2023 - 08:40 Uhr aktualisiert Artikel anhören

Der deutsche Konzern kann den operativen Gewinn steigern.

Foto: dpa

München. Die Allianz hat das Krisenjahr 2022 mit einem Rekordgewinn abgeschlossen. Europas größter Versicherer erzielte dabei ein operatives Ergebnis von 14,2 Milliarden Euro und damit 5,7 Prozent mehr als im Jahr 2021.

Analysten hatten im Vorfeld im Schnitt mit über 13,7 Milliarden Euro gerechnet. Der Konzern selbst hatte im Herbst seine Ziele leicht angehoben und eine Spanne zwischen 13,4 und 14,4 Milliarden Euro angegeben.

Zum hohen Ergebnis beigetragen hat auch das Schlussquartal, in dem der Versicherer vier Milliarden Euro verdient hat und damit 12,7 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. „Unsere Leistung ist das Ergebnis eines durchdachten Ansatzes, einer zuverlässigen Umsetzung sowie einer konsequenten Vereinfachung und eines disziplinierten Kapitalmanagements“, wertete Konzernchef Oliver Bäte das Ergebnis.

Die Konsequenz ist eine Dividende von 11,40 Euro je Aktie, die nach Zustimmung der Hauptversammlung Anfang Mai an die Anteilseigner ausgeschüttet werden soll. Es wäre ein Plus von 5,6 Prozent gegenüber der Zahlung von 10,80 Euro vom Vorjahr.

Zum Rekordgewinn haben die drei Säulen des Konzerns jedoch unterschiedlich beigetragen. Während die Sach- und auch die Lebensversicherung deutliche Zuwächse verzeichneten, bekamen die Vermögensverwalter die Auswirkungen der Zinswende zu spüren. Besonders Pimco, der deutlich größere der beiden Asset-Manager neben AGI, verzeichnete Einbußen.

Zudem belasteten die Fehlspekulationen in den USA unter dem Namen Structured Alpha den Jahresüberschuss. Der lag mit 6,7 Milliarden Euro nur knapp über dem Vorjahresniveau. Der Umsatz stieg quer über den gesamten Konzern um 2,8 Prozent auf 152,7 Milliarden Euro.

Sachversicherungen boomen

Den Gewinn trieb besonders die Schaden- und Unfallversicherung. Das Geschäft unter anderem mit Kfz-, Haftpflicht- und Wohngebäudeversicherungen wuchs überdurchschnittlich um 12,4 Prozent auf 70 Milliarden Euro.

Ein deutliches Plus gab es beim operativen Gewinn, der um 8,4 Prozent auf 6,2 Milliarden Euro anstieg. Das hing vor allem mit dem starken Wachstum der Töchter Allianz Partners, die unter anderem auf Reiseversicherungen spezialisiert ist, der Landesgesellschaft in der Türkei sowie mit dem Industrieversicherer AGCS zusammen.

Der Gewinn bei den Schaden- und Unfallversicherungen stieg an.

Foto: imago images/McPHOTO

Erreicht hat der Konzern damit die Ziele seiner Ende 2021 präsentierten Dreijahresstrategie nur zum Teil. Das jährliche Umsatzwachstum lag höher als die angestrebten drei- bis vier Prozent.

Nicht erfüllen ließen sich in der Sachversicherung jedoch die Erwartungen an die Schaden-Unfall-Quote, bei der das Ziel bei 92 Prozent lag. Je tiefer diese Zahl unter der Marke von 100 Prozent liegt, um so profitabler laufen die Geschäfte.

Bei der Allianz waren es im vergangenen Jahr allerdings 94,2 Prozent. Dabei zeigte die Tendenz nach oben, im Schlussquartal waren es 94,7 Prozent.

Lebensversicherung mit starkem Schlussquartal

In der Lebens- und Krankenversicherung, der zweitwichtigsten Sparte nach der Sachversicherung, sorgten indes gerade die Monate von Oktober bis Dezember für einen Ergebnisschub. Hier führten höhere Kapitalanlagemargen in Deutschland, ein veränderter Produktmix in den USA sowie die Übernahme des Portfolios von Aviva in Polen zu einem Gewinnanstieg um 50 Prozent auf 1,9 Milliarden Euro.

>> Lesen Sie auch: Oliver Bäte fällt immer wieder aus der Rolle – bleibt er CEO?

Analysten hatten hier im Schnitt mit 1,3 Milliarden Euro gerechnet. Im Gesamtjahr 2022 verbesserte sich das Ergebnis der Sparte um mehr als fünf Prozent auf 5,3 Milliarden Euro.

Die Auswirkungen der Zinswende bekam indes die Vermögensverwaltung der Allianz zu spüren, die kleinste der drei Konzernsparten. Der Bereich, in dem die beiden Asset-Manager Pimco und AGI zusammengefasst sind, verdiente im vergangenen Jahr 3,2 Milliarden Euro nach 3,5 Milliarden Euro ein Jahr davor.

Besonders stark sank das für Dritte verwaltete Vermögen, das um 331 Milliarden Euro auf 1,635 Billionen Euro zurückging. Dabei zogen Großinvestoren Vermögen im Wert von 81,4 Milliarden Euro ab. Hinzu kamen Verluste vor allem bei festverzinslichen Wertpapieren, die besonders die darauf spezialisierte Tochter Pimco belasteten und insgesamt mit 301,1 Milliarden Euro zu Buche schlugen.

Einen Negativeffekt von mehr als 30 Milliarden Euro hatte zudem der Übertrag des US-Portfolios der Tochter AGI. Das Unternehmen wurde nach der Einigung mit den US-Behörden in der Auseinandersetzung um die Structured-Alpha-Fonds an den Vermögensverwalter Voya übertragen.

Zusammen mit eigenem Vermögen investierte die Sparte im vergangenen Jahr damit 2,141 Billionen Euro. Insgesamt sanken die Erträge aus verwaltetem Vermögen. Sie gingen um 1,9 Prozent auf 8,2 Milliarden Euro zurück.

Ertragsziele verfehlt

Auch die Auswirkungen durch die fehlgeschlagenen Structured-Alpha-Fonds der Tochter AGI in den USA belasten die Ziele des Konzerns. Zwar hatte die Allianz im Mai vergangenen Jahres eine Einigung mit den US-Behörden erzielt. Entschädigungen an Kunden und Strafen der Justiz beliefen sich auf rund sechs Milliarden Euro.

Die Konsequenzen zeigen sich in verfehlten Strategiezielen. So lag die Eigenkapitalrendite (Return on Equity) bei 10,3 Prozent und damit weit entfernt von den angestrebten 13 Prozent. Auch der Gewinn je Aktie leidet weiter. Er betrug 16,36 Euro und lag damit knapp 2,5 Prozent über den 15,96 Euro vom Vorjahreszeitraum. Geplant war ein jährlicher Anstieg um fünf bis sieben Prozent.

Für die Aktionäre hat das keine Konsequenzen. Der Dax-Konzern hatte bereits im vergangenen Jahr beschlossen, dass Sondereffekte wie die Structured-Alpha-Problematik keinen Einfluss auf die Dividendenzahlung haben werden. Stattdessen soll die Dividende je Aktie pro Jahr um mindestens fünf Prozent gegenüber dem Vorjahr steigen.

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Oliver Bäte

Als Gewinnziel für das laufende Jahr nimmt die Allianz traditionell den Vorjahresgewinn mit einer Spanne von einer Milliarde Euro nach oben wie nach unten. So auch für 2023. Hier erwartet der Konzern einen operativen Gewinn von 14,2 Milliarden Euro mit dieser Spanne.

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