Bank von Japan: Japans neuer Notenbankchef will die Geldpolitik überprüfen
Der designierte Zentralbankchef blieb bei seiner Befragung eher vage.
Foto: BloombergTokio. Der designierte Chef der Bank von Japan, Kazuo Ueda, hat am Freitag erstmals vor dem Parlament seine geldpolitischen Vorstellungen dargelegt. Bei seiner obligatorischen Anhörung im Parlament zeigte Ueda sich bereit, Japans aggressive Niedrigzinspolitik zu überprüfen. Er stellte aber keine abrupte Abkehr vom geldpolitischen Sonderweg Japans in Aussicht.
Seit 2021 haben Zentralbanken anderer Länder im Kampf gegen die Inflation die Zinsen zum Teil deutlich angehoben. In Japan liegt der Leitzins jedoch bei minus 0,1 Prozent. Zudem steuert die Bank von Japan den Rest der Zinskurve, indem sie die Zinsen für zehnjährige Anleihen (JGB) um 0,5 Prozent um den Nullpunkt schwanken lässt. Der 71-jährige Ökonom erklärte nun, dass es für die Bank von Japan derzeit angemessen sei, „die geldpolitische Lockerung fortzusetzen und gleichzeitig Wege zu finden, auf die aktuelle Situation zu reagieren“.
Die Märkte hatten einen vorsichtigen Auftritt Uedas erwartet. Der Ökonom wurde zwar von Japans Premierminister Fumio Kishida für das Amt vorgeschlagen, benötigt aber noch die Stimmen des Parlaments. Der amtierende Zentralbankpräsident Haruhiko Kuroda scheidet im April nach zehn Jahren aus dem Amt.
Doch nicht einmal in der regierenden Liberaldemokratischen Partei gibt es einen Konsens, wie die Geldpolitik des hochverschuldeten Lands künftig aussehen soll. Einige Politiker wollen, dass die Notenbank hohe Staatsausgaben durch den Kauf von Staatsanleihen weiter finanziert, andere fordern einen Ausstieg aus der ultralockeren Geldpolitik.
Ueda, dessen Nominierung für viele Beobachter überraschend war, legte Wert darauf, niemanden zu überraschen. „Es gibt verschiedene Möglichkeiten, wie die Zinskurve in Zukunft gesteuert werden kann“, sagte Ueda. Zum jetzigen Zeitpunkt seiner Kandidatur „bestünde jedoch die Gefahr unvorhergesehener Konsequenzen, wenn ich das Für und Wider bestimmter Optionen diskutieren würde“. Aus diesem Grund verzichte er auf eine Antwort.
Experte: Hürden für Abkehr von Nullzinspolitik sind hoch
Takeshi Yamaguchi, Ökonom bei Morgan Stanley MUFG Securities, glaubt dennoch, eine Richtung zu erkennen. „Wir sehen derzeit keine Notwendigkeit, unsere Ansicht zu ändern, dass Anpassungen der Zinskurve wahrscheinlich sind, aber die Hürden für eine Abkehr von der Nullzinspolitik in diesem Jahr hoch sind“, kommentierte er Uedas Auftritt.
Den Grund dafür sieht der Experte darin, dass Ueda wiederholt das Inflationsziel von zwei Prozent als Maßstab für die japanische Geldpolitik betonte. Zwar ist Japans Kerninflationsrate ohne frische Lebensmittel im Januar auf 4,2 Prozent gestiegen. Für Ueda ist das aber noch kein Grund, die japanische Geldpolitik sofort zu normalisieren. „Der Hauptgrund ist der Kostendruck durch steigende Importpreise und nicht eine starke Nachfrage“, sagte der künftige Notenbankchef.
Zudem teilt Ueda die bisherige Einschätzung der Notenbank, dass die Inflationsrate ihren „vorläufigen Höhepunkt“ erreicht habe und wieder „deutlich“ zurückgehen werde. „Ich glaube, dass es mehr Zeit braucht, um das Zwei-Prozent-Ziel auf nachhaltige und stabile Weise zu erreichen“, sagte Ueda. Erst wenn dies absehbar sei, „werden wir in der Lage sein, Schritte zur Normalisierung der Geldpolitik zu unternehmen“, so Ueda.
Neben den Preisen wolle er dabei auch die Löhne im Auge behalten. Noch bis Mitte März laufen die jährlichen Lohnverhandlungen in den Unternehmen, der sogenannte Shunto (Frühlingskampf). Die Zentralbank ermutigte die Gewerkschaften bereits vor dem globalen Preisschub, Lohnerhöhungen von mindestens drei Prozent durchzusetzen. Damit wollte sie die Binnennachfrage ankurbeln und das Land über eine Lohn-Preis-Spirale aus der Deflation in eine moderate Inflation führen.
Japanische Unternehmen erhöhen die Löhne
Mit der Inflation überraschen nun viele Konzerne ihre Beschäftigten mit kräftigen Lohnerhöhungen. Toyota gewährt die höchsten Aufschläge seit 20 Jahren, Honda verspricht fünf Prozent mehr Grundgehalt, die Einzelhandelskette Aeon sogar sieben Prozent.
Kentaro Koyama, Volkswirt der Deutschen Bank in Japan, rechnet für dieses Jahr mit einer Lohnerhöhung von 3,5 Prozent.
Andere Ökonomen gehen allerdings davon aus, dass die Notenbank ihre Nullzinspolitik erst dann normalisieren wird, wenn die Löhne auch im zweiten Jahr kräftig steigen. Ueda selbst ließ sich jedoch Spielraum und zeigte Handlungsbereitschaft. Sollten sich die Aussichten auf ein dauerhaftes Überschreiten des Inflationsziels von zwei Prozent verbessern, werde die Zentralbank „keine andere Wahl haben, als die Steuerung der Zinskurve zu überprüfen“.