Ökonom im Interview: Charles Goodhart über die Entwicklung der Inflation
„Es ist unwahrscheinlich, dass solche Revolutionen in den nächsten Jahrhunderten noch einmal so konzentriert auftreten werden.“
Foto: Imago ImagesBerlin. Ölkrisen, Dotcom-Blase, Weltfinanzkrise: Charles Goodhart hat in seinen 86 Lebensjahren schon viele wirtschaftliche Tiefpunkte erlebt. Doch die schwersten wirtschaftlichen Zeiten sieht der frühere britische Notenbanker und Ökonom an der renommierten London School of Economics jetzt kommen. Das liege vor allem daran, dass immer weniger Arbeitnehmer immer mehr Rentner versorgen müssen. Aus Goodharts Sicht ein Problem für die Inflation – und den Wohlstand.
Professor Goodhart, die Inflation wird in den nächsten Monaten wahrscheinlich langsam zurückgehen. Werden wir in den Industrienationen bald wieder das Niveau wie vor der Coronapandemie und dem Ukrainekrieg erreichen?
Ja. Die enorm hohen Inflationsraten begannen vor fast genau einem Jahr, unmittelbar nach dem Angriff Russlands auf die Ukraine. Die Inflationsrate misst die Veränderung der Preise innerhalb eines Jahres. Das bedeutet, dass dieser starke Anstieg bald aus der Statistik verschwinden wird. Hinzu kommt, dass die Zinserhöhungen zu wirken beginnen und sich die Wirtschaft vor allem in Deutschland abschwächt. In den nächsten sechs bis sieben Monaten werden wir wieder eine Inflationsrate von rund drei Prozent haben.