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BiotechnologiemRNA-Impfstoff senkt Hautkrebs-Rückfallrisiko deutlich

Die Daten zum Wirkstoff von Moderna stärken die Zuversicht für einen erfolgreichen Einsatz von mRNA-Technologie gegen Krebs. Doch die Forscher müssen noch große Herausforderungen überwinden.Siegfried Hofmann 17.04.2023 - 15:46 Uhr Artikel anhören

Die mRNA-Technologie könnte auch Krebspatienten helfen. Ein erster Wirkstoff zeigt nun offenbar eine hohe Wirksamkeit gegen Hautkrebs.

Foto: DigitalVision/Getty Images

Frankfurt. Impfstoffe auf Basis von mRNA brachten im Kampf gegen die Coronapandemie den Durchbruch. Nun soll die Technologie auch die Krebstherapie entscheidend voranbringen. Für den wichtigsten Hoffnungsträger, einen Hautkrebsimpfstoff, liegen nun erfolgversprechende Daten vor: Bei Patienten, deren Tumore zuvor operativ entfernt worden waren, senkte der Wirkstoff in Kombination mit dem Krebsimmunmedikament Keytruda das Risiko für ein Wiederauftreten des Krebses um rund 44 Prozent. Das zeigen detaillierte Daten aus einer Phase-2-Studie der US-Biotech-Firma Moderna und ihres Partners Merck & Co. zu dem Wirkstoff mit der Bezeichnung mRNA-4157.

Das Vakzin wurde dabei jeweils auf die individuellen Mutationen in den Tumoren der Patienten zugeschnitten. Nur 22,4 Prozent der mit dem Vakzin behandelten Patienten erlitten innerhalb von zwei Jahren einen Rückfall, in der Vergleichsgruppe waren es 40 Prozent. „Die Verbesserung der rückfallfreien Überlebensraten spricht dafür, dass die Kombination eine neue Möglichkeit bieten könnte, das Leben von Melanom-Patienten zu verlängern“, erklärte Kyle Holen, der die Onkologieforschung bei Moderna leitet.

Moderna und Merck bekräftigten ihre Pläne, nun zügig eine größere Phase-3-Studie zu starten und das Mittel auch bei anderen Krebsarten zu testen. Parallel dazu will Moderna offenbar aber auch die Möglichkeit einer beschleunigten Zulassung auf Basis der bisherigen Daten ausloten, wie Forschungschef Stephen Hoge jüngst auf einer Analystenkonferenz andeutete.

FDA stuft Impfstoff als Therapiedurchbruch ein

Die Zulassungsbehörden haben die Neuentwicklung bereits als potenziell wichtige Innovation eingestuft. Die US-Arzneimittelbehörde FDA bewertet das mRNA-Vakzin angesichts der Daten als Therapiedurchbruch. Die europäische Arzneimittelagentur Ema nahm das Produkt in ihr Prime-Programm auf, in dessen Rahmen die Behörde zusätzliche Beratung und Unterstützung bietet, um Zulassungen zu beschleunigen.

Der Wirkstoff von Moderna könnte damit zum ersten zugelassenen mRNA-Vakzin gegen Krebserkrankungen werden. Das wäre ein wichtiger Meilenstein für die Technologie, die sich in der Onkologie bisher eher schwertut. Das Tübinger Biotech-Unternehmen Curevac, das lange als mRNA-Pionier galt, hat beispielsweise praktisch all seine bisherigen Krebsprojekte erfolglos beendet. Moderna und Biontech, die später an den Start gingen, treiben inzwischen eine ganze Reihe von Projekten in klinischen Studien voran.

Inwieweit sich mRNA in der Krebstherapie auf breiterer Front wird durchsetzen können, bleibt schwer abzuschätzen. Einiges deutet darauf hin, dass sie eine wertvolle Ergänzung werden könnte, aber nur für bestimmte Patientengruppen und im Zusammenwirken mit weiteren Medikamenten. „Es wird darauf ankommen, Krebsvakzine so zu positionieren, dass sie ihren Job tun können“, sagt Biontech-Chef Ugur Sahin.

Das optimale Anwendungsfeld wird auch aus seiner Sicht in der adjuvanten Therapie von Krebserkrankungen liegen, also in der Behandlung von bereits erfolgreich operierten Patienten, um das Risiko des Wiederauftretens der Erkrankung zu vermindern.

In der Datenbank clinicaltrials.gov sind aktuell rund zwei Dutzend klinische Studien mit mRNA-basierten Krebstherapien gelistet. Die meisten davon betreiben die beiden mRNA-Spezialisten Biontech (elf Produkte in 14 Studien) und Moderna (fünf Produkte). Darüber hinaus testen auch einige kleinere Biotech-Firmen wie Ethris und Stemirna sowie akademische Institutionen mRNA-Produkte in der Krebsbehandlung.

mRNA könnte Krebstherapie deutlich voranbringen

Die mRNA-Technik ist wegen ihrer Funktionsweise und Flexibilität besonders interessant für die Onkologie. Die „Messenger-RNA“ liefert eine Vorlage für die Protein-Synthese – sie kann im Prinzip die Produktion jeder Art von Proteinen in den Körperzellen anregen.

Forscher versuchen mRNA daher für die Krebsbehandlung zu nutzen: Zum einen über den Einsatz als therapeutischen Impfstoff, um bestehende körpereigene Immunzellen gegen die Krebszellen zu aktivieren. Zum anderen, um in den Körperzellen die Produktion von Krebswirkstoffen, etwa bestimmten Antikörpern, anzuregen. Auch als Hilfsmittel und Ergänzung für Zelltherapien gegen Krebs könnte mRNA nützlich sein.

Entwicklung von mRNA-Krebsmedikamenten ist schwierig

Doch die Entwicklung von mRNA-Medikamenten ist mit erheblichen Herausforderungen verbunden. So müssen die Immunzellen stark genug aktiviert werden, um auch gegen den Krebs anzukommen. An einer ausreichenden Aktivierung der Immunzellen war beispielsweise der Corona-Impfstoffkandidat von Curevac gescheitert.

Hinzu kommen die Schwierigkeiten aller Krebsmedikamente: Sie sollen nur die Tumore angreifen, nicht aber den gesunden Rest des Körpers. Dafür müssen die Wirkstoffe an den richtigen molekularen Angriffspunkten ansetzen, also an Antigenen, die nur auf Tumorzellen auftreten, nicht aber auf gesunden Zellen.

Viele Tumorzellen entwickeln zudem Abwehrmechanismen gegen das Immunsystem. Selbst wenn es also gelingt, Immunzellen mit mRNA-basierten Krebsimpfstoffen zu aktivieren und ihnen einen genetischen Steckbrief der Tumorzellen zu vermitteln, werden sie im Umfeld der Krebszellen durch molekulare Stoppsignale, sogenannte „Checkpoints“, deaktiviert und bleiben wirkungslos.

In den meisten Studien werden mRNA-Krebsvakzine daher inzwischen in Kombination mit einer anderen Klasse von Krebsimmunmedikamenten getestet, die sich speziell gegen die Abwehrmechanismen der Krebszellen richten. Moderna testet sein mRNA-Vakzin daher zusammen mit dem von Merck & Co. entwickelten Checkpoint-Inhibitor Keytruda.

Investoren bleiben skeptisch

Die Zuversicht von Investoren mit Blick auf mRNA in der Krebstherapie hält sich bislang eher in Grenzen. Die Bewertungen von Moderna und Biontech etwa werden bislang kaum von ihrer Onkologieforschung geprägt, sondern vor allem von ihrem Covidgeschäft und ihren Impfstoffaktivitäten im Bereich Infektionskrankheiten.

Die Moderna-Aktie verbuchte nach Bekanntgabe erster positiver Daten aus der nun detaillierter präsentierten Studie mit mRNA-4157 Mitte Dezember zwar einen Kurssprung von rund 25 Prozent, konnte diese Kursgewinne aber nicht halten.

Auch bei den Forschungs- und Akquisitionsstrategien der großen Pharmakonzerne steht mRNA nicht im Vordergrund. Branchenführer Pfizer etwa verstärkte seine Onkologieaktivitäten stattdessen zuletzt mit der 43 Milliarden Dollar teuren Übernahme der US-Firma Seagen im Bereich der Antikörper-Wirkstoff-Konjugate. Auch Biontech hat seine Krebsforschung jüngst durch Deals abseits der mRNA-Technologie erweitert.

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