Kommentar: Warum die Pharmabranche 2026 aufatmen kann

Nach schwierigen Jahren galt die Pharmaindustrie für viele Investoren nicht mehr als Lieblingssektor: Bewertungen standen unter Druck, politische Risiken dominierten, der Dealmarkt lag weitgehend brach. Jetzt dreht die Stimmung. Der Markt hat sich erholt und die Branche kann aufatmen. Nicht weil plötzlich alles besser wäre. Sondern weil die Marktmechanik wieder greift.
Ein zentraler Indikator dafür ist die Dealaktivität. Bereits Ende 2025 kam wieder Bewegung in den jahrelang abgekühlten Dealmarkt: milliardenschwere Übernahmen, neue strategische Allianzen. Analysten sind sich einig, dass 2026 noch mehr Übernahmen im Vergleich zum Vorjahr folgen.
Im Markt herrscht eine Art Zweckoptimismus. Die meisten Akteure haben ein Interesse daran, dass Deals zustande kommen: Pharmaunternehmen benötigen neue Wirkstoffe, Biotech-Firmen Kapital und Investoren Exits. Besonders hoch ist der Druck bei Private-Equity-Häusern. Sie sitzen auf viel Kapital, haben in den vergangenen Jahren aber auffallend wenig investiert. Entsprechend hoch sind die Erwartungen der Geldgeber, dass mit dem Geld in den Fonds etwas passiert.
Hinzu kommt: Ab 2028 laufen zahlreiche Patente vieler europäischer Pharmafirmen aus, Umsatzlücken drohen. Zwar sind die Pipelines von Konzernen wie Astra Zeneca, Novartis oder Roche gut gefüllt – doch sie lassen sich durch Zukäufe von Biotech-Unternehmen gezielt stärken. Innovative Medikamente in der Krebsforschung sowie Durchbrüche bei Abnehmspritzen und -pillen schaffen zusätzliches Marktvolumen.
Befürchtete geopolitische Sorgen bleiben aus
Entlastend wirkt auch die regulatorische Großwetterlage. Die US-Wettbewerbsbehörde FTC, die unter dem früheren US-Präsidenten Joe Biden äußerst restriktiv agierte und mehrere Deals blockierte, genehmigte zuletzt wieder häufiger Übernahmen.
Auch die geopolitischen Sorgen des vergangenen Jahres haben sich bislang nicht realisiert. Die Unsicherheit rund um mögliche Zölle ist weitgehend vom Tisch. Die Preisvereinbarungen zwischen der US-Regierung und Pharmaunternehmen haben zudem einen Wendepunkt markiert: Mehr Transparenz bei Preisbildung und -erstattung reduziert Unsicherheiten und erhöht die Planbarkeit für Unternehmen und Investoren.
Selbst die Befürchtungen einer politisch gelähmten US-Arzneimittelbehörde (FDA) haben sich nicht bestätigt. Abgesehen von scharfer Rhetorik bei Impfempfehlungen ist unter Robert F. Kennedy Jr., US-Gesundheitsminister und bekannter Impfkritiker, bislang wenig passiert. Die Behörde arbeitet, Zulassungen laufen, der regulatorische Betrieb funktioniert.
Vieles spricht deshalb dafür, dass 2026 mehr wird als ein kurzes Comeback. Mehr Deals, mehr Kooperationen, mehr Kapital im Markt. Nicht aus Euphorie, sondern aus Notwendigkeit.