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BiotechnologieZwei Morphosys-Medikamente liefern vielversprechende Ergebnisse

Die Aktie des Biotech-Unternehmens Morphosys hat zuletzt stark zugelegt. Denn die Anleger hoffen, dass zwei neue Krebsmedikamente das Geschäft beleben könnten.Siegfried Hofmann 20.04.2023 - 16:22 Uhr Artikel anhören

Das deutsche Biotech-Unternehmen hofft auf zwei neue, lukrative Krebsmedikamente.

Foto: Handelsblatt

Frankfurt. Nach längerer Durststrecke kann die Münchner Biotechfirma Morphosys mit mehreren positiven Nachrichten wieder etwas Vertrauen bei Investoren zurückgewinnen. Auf einer Fachkonferenz in den USA hat das Unternehmen günstige Langfristdaten für sein bereits zugelassenes Blutkrebsmedikament Monjuvi veröffentlicht.

Wenige Tage zuvor hatte Morphosys bereits bekannt gegeben, dass eine Studie mit dem Entwicklungsprojekt Pelabresib, einem weiteren vielversprechenden Krebsmittel, schneller vorankommt als erwartet.

An der Börse hat die Morphosys-Aktie seither gut ein Drittel zugelegt. Allerdings liegt die Marktkapitalisierung des Unternehmens mit rund 650 Millionen Euro noch immer weit hinter Bewertungen, die mitunter mehr als drei Milliarden Euro betrugen.

Monjuvi ist bereits seit 2020 zur Behandlung von diffusen großzelligen B-Zell-Lymphomen (DLBCL) zugelassen – einer Krebsart, die durch unkontrollierte Vermehrung bestimmter weißer Blutzellen gekennzeichnet ist.

Das Mittel darf bei Patienten eingesetzt werden, bei denen die Standardtherapie nicht mehr wirkt und für die keine Stammzelltransplantation infrage kommt. Es wird von Morphosys zusammen mit der US-Firma Incyte vertrieben, hat aufgrund intensiver Konkurrenz kommerziell bisher allerdings enttäuscht. Der Umsatz lag im vergangenen Jahr bei nur 85 Millionen Euro.

Wirkungsquote auch nach fünf Jahren noch hoch

Vor diesem Hintergrund ist es für Morphosys sehr wichtig, weitere positive Resultate mit Monjuvi vorzulegen. Die nun auf dem Kongress der American Association for Cancer Research (AACR) präsentierten Daten zeigten für das Mittel auch fünf Jahre nach Beginn der Behandlung noch eine relativ hohe Wirkungsquote.

41
Prozent
der behandelten Patienten blieb auch fünf Jahre nach Beginn der Behandlung mit dem Blutkrebsmedikament Monjuvi krebsfrei.

Bei gut 41 Prozent der behandelten Patienten war danach der Krebs weiter komplett verschwunden, bei weiteren 16 Prozent teilweise. Die Daten waren damit auch nach fünf Jahren Behandlung noch fast so gut wie bei der ursprünglichen Auswertung von 2019. Damals wurden Komplettremissionen bei 43 Prozent der Patienten beobachtet.

Das dauerhafte Ansprechen und das konsistente Verträglichkeitsprofil seien ermutigend und untermauerten das Potenzial der Behandlung mit Monjuvi, die Krankheit bei geeigneten Patienten zu heilen, bewertete Morphosys-Forschungschef Tim Demuth die Resultate. Ähnlich äußert sich Oberarzt Johannes Düll, der die Studie mit dem Mittel an der Medizinischen Klinik und Poliklinik der Universitätsklinik Würzburg geleitet hatte.

Morphosys testet Monjuvi in einer großen Studie aktuell auch in der Erstlinientherapie, also für die primäre Behandlung von DLBCL, und hofft, mit weiteren positiven Daten die Marktposition in dem Therapiefeld in den nächsten Jahren deutlich zu verbessern. Hauptkonkurrent ist dabei der Pharmariese Roche mit seinem Krebsmittel Polivy, das inzwischen bereits für die Erstlinientherapie von DLBCL zugelassen ist. Zudem werden auch neuartige Zelltherapien immer häufiger bei der Krebsart eingesetzt.

Zulassungen sind keine Erfolgsgarantie

Morphosys war in den 90er-Jahren als Spezialist für die Entwicklung von Antikörpern und Technologiepartner für große Pharmafirmen gestartet und gehörte damals zu den Pionieren der deutschen Biotechbranche. In den vergangenen Jahren hat Morphosys seine Strategie jedoch komplett auf die Entwicklung eigener Medikamente verlagert und dabei 2020 mit der Übernahme der US-Biotechfirma Constellation den wichtigsten Expansionsschritt vollzogen.

Neben Biontech gehört Morphosys damit zu den deutschen Biotech-Unternehmen, die bei der Medikamentenentwicklung am weitesten vorangekommen sind. Immerhin ist ein Produkt des Unternehmens bereits auf dem Markt, zwei weitere befinden sich in fortgeschrittenen klinischen Tests. Allerdings zeigt die Entwicklung des Münchner Unternehmens auch, dass Zulassungserfolge allein noch keine Erfolgsgarantie im Pharmageschäft bieten. Entscheidend ist vielmehr die Qualität der klinischen Resultate – vor allem im Vergleich mit etablierten Therapien und konkurrierenden Neuentwicklungen.

Das gilt auch für den zweiten wichtigen Hoffnungsträger, den Wirkstoffkandidaten Pelabresib, den Morphosys mit Constellation erwarb und nun in einer größeren Phase-3-Studie mit mehr als 400 Teilnehmern gegen Myelofibrose testet. Dabei handelt es um eine relativ seltene und eher langsam voranschreitende Blutkrebs-Erkrankung, bei der blutbildende Zellen im Knochenmark von Bindegewebe überwuchert werden. Dies wiederum beeinträchtigt die Blutbildung und führt zu schmerzhaften Vergrößerungen von Milz und Leber.

Bei der Patientenrekrutierung für die Studie sei man schneller vorangekommen als ursprünglich geplant, hatte Morphosys zuletzt mitgeteilt. Entscheidende Daten will das Unternehmen nun bereits vor Ende des Jahres präsentieren. „Wir gewinnen damit wichtige Zeit und können das Produkt im Erfolgsfall schneller zum Patienten bringen“, so Firmenchef Jean Paul Kress.

Alles in allem hofft Morphosys, die Entwicklung sechs Monate früher abzuschließen als geplant. Liefert Pelabresib tatsächlich positive Daten, erscheint eine Zulassung im Jahr 2025 möglich. Das Interesse von Ärzten und Patienten am Wirkstoff sei hoch, betont Kress, das belege die schnelle Aufnahme von Patienten in die Studie.

Die Behandlungsoptionen bei Myelofibrose sind bisher begrenzt. Morphosys hofft daher, mit dem Wirkstoff einen neuen Therapiestandard zu etablieren. Das Mittel reduziert nach Einschätzung von Morphosys die übermäßige Aktivität bestimmter Gene, die für die Erkrankung als mitverantwortlich gilt. Die Forscher des Unternehmens glauben daher, dass der Wirkstoff anders als die bisher verfügbaren Präparate an den Ursachen der Erkrankung ansetzt.

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Die Zahl der Patienten wird auf jeweils etwa 35.000 in den USA und in Europa geschätzt. Es geht aus Sicht von Analysten daher um einen Markt mit mehreren Milliarden Dollar Umsatzpotenzial. Allerdings zeichnet sich auch in diesem Bereich intensiver Wettbewerb ab. Als Hauptkonkurrent gilt der US-Konzern Abbvie mit seinem Wirkstoffkandidaten Navitoclax, für den bereits zur Jahresmitte Resultate aus einer zulassungsrelevanten Phase-3-Studie erwartet werden.

Man sei sich der Konkurrenz bewusst, aber vom Potenzial von Pelabresib überzeugt, sagt Morphosys-Chef Kress. „Wir glauben, dass Pelabresib die derzeitige Standardtherapie bei der Erstbehandlung von Myelofibrose verbessern könnte.“

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