Deutsche Post: Designierter Post-Chef plant keinen Strategiewechsel
Die Erlöse sanken von Januar bis März auf 20,9 (Vorjahr: 22,6) Milliarden Euro, das operative Ergebnis (Ebit) schrumpfte um 24,1 Prozent auf 1,6 Milliarden Euro.
Foto: dpaBonn. Für die Deutsche Post endet 2023 eine Ära – und der Rekordkurs der vergangenen Jahre. Unmittelbar vor dem Chefwechsel an der Spitze vom seit Februar 2008 amtierenden Frank Appel zu Tobias Meyer vermeldete der Bonner Konzern am Mittwoch deutliche Rückgänge bei Umsatz und Gewinn.
Der über Jahre durch eine Sonderkonjunktur beim Online-Handel in der Corona-Pandemie angeschobene Logistik-Riese muss der eingetrübten Konsum-Stimmung und den wirtschaftlichen Folgen des Ukraine-Kriegs Tribut zollen: Im ersten Quartal schrumpfte der Umsatz um 7,5 Prozent auf 20,9 Milliarden Euro.
Das operative Ergebnis (Ebit) sank sogar um 24 Prozent auf 1,6 Milliarden Euro. „Wie erwartet haben wir die nachlassende Wachstumsdynamik und die Normalisierung der Frachtmärkte gespürt“, sagte Finanzchefin Melanie Kreis. Die Prognosen für 2023 und 2025 bekräftigte der Bonner Konzern.
Appel kehrt der Post ab Donnerstag den Rücken. Mit der dann stattfindenden Hauptversammlung übergibt er sein Amt an Post-Vorstand Tobias Meyer. Appel, der seit April 2022 auch Aufsichtsratschef der Deutschen Telekom ist, hat die Post geprägt und unter anderem die Internationalisierung vorangetrieben.
Der ehemalige McKinsey-Berater kam im Jahr 2000 zu dem Bonner Konzern. 2002 wurde er Mitglied des Vorstands, 2008 rückte er auf den Posten des Vorstandschefs. Inzwischen schreibt die Post den Löwenanteil ihrer Gewinne abseits des deutschen Heimatmarkts. Appel hat sie damit unabhängig vom schrumpfenden deutschen Briefgeschäft gemacht. Er übergebe die Verantwortung in gute Hände, erklärte Appel. „Ich habe immer gesagt: Ich wünsche mir einen Nachfolger, der entweder besser oder anders ist als ich. Tobias Meyer ist beides.“
Viel Arbeit aufgrund wirtschaftlicher Entwicklung
Auf Meyer kommt nun auch angesichts der wirtschaftlichen Entwicklung viel Arbeit zu – muss er den Konzern doch durch eine Phase der wirtschaftlichen Unsicherheit führen. Auch US-Konkurrent UPS hatte im ersten Quartal Federn gelassen.
Der Umsatz gab um sechs Prozent, der operative Ertrag sogar um 21,8 Prozent nach. Meyer wird auch entscheiden müssen, ob die Post die Deutsche-Bahn-Logistiktochter Schenker ins Visier nimmt, sollte diese auf den Markt kommen.
Im ersten Quartal bekam die Post vor allem in ihrer über Jahre boomenden Frachtsparte und im Paketgeschäft die Folgen der abgekühlten wirtschaftlichen Entwicklung zu spüren. „In der Luftfracht war der Volumenrückgang vor allem auf Handelsrouten zwischen Asien und den USA und zwischen Asien und Europa spürbar – in der Seefracht besonders durch den Rückgang auf den aus China kommenden Handelsrouten“, sagte Finanzchefin Kreis.
„Gleichzeitig hat die Inflation den Konsum gedämpft und den Onlinehandel ausgebremst.“ Im deutschen Brief- und Paketgeschäft verbuchte die Post auch wegen des Tarifkonflikts mit der Gewerkschaft Verdi Rückgänge.
Kein Strategiewechsel geplant
Tobias Meyer, will dem Bonner Konzern erst einmal keine neue Strategie verordnen. Er sehe keinen Grund, kurzfristig an der Strategie 2025 etwas zu ändern, sagte er am Mittwoch in einer Telefonkonferenz. „Wir haben diesen Rahmen bis 2025 und der bleibt jetzt erst einmal gültig.“ Der Konzern sei „sehr solide aufgestellt“. Es werde allenfalls graduelle Anpassungen geben. Mit Blick auf mögliche Übernahmen betonte er, solche Ziele müssten weiter die Kriterien der Post erfüllen. Treffe dies zu, „dann wird es an Mut nicht mangeln“.
Erstpublikation: 03.05.2023, 07:21 Uhr.