Öffentliche Beschaffung: Deutsche Behörden setzen bei der Beschaffung kaum auf Nachhaltigkeit
Die meisten kommunalen Auftraggeber achten bei der Entsorgung vor allem auf den Preis.
Foto: picture alliance / Hauke-Christian DittrichBerlin. Geht es um das Thema Nachhaltigkeit, ist deutschen Behörden kaum eine Erfolgsmeldung zu banal. Die bayerische Kreisstadt Fürstenfeldbruck etwa ließ sich 2022 in die bundesweite Beispielliste „Kompass Nachhaltigkeit“ eintragen, weil man Wein, Schokolade und Nüsse im örtlichen Weltladen orderte. In den Genuss der nachhaltig produzierten Leckereien kommen nun Alters- und Ehejubilare sowie Behördenmitarbeiter bei runden Geburtstagen und Dienstjubiläen.
Auch die Gemeinde Markt Roßtal vor den Toren Nürnbergs drängte es auf die Liste. Ihr Einkauf, so dokumentiert es der „Kompass Nachhaltigkeit“, pocht bei der Beschaffung von Hundekotbeuteln auf das Umweltsiegel „Blauer Engel“. Jahresbudget: 520 Euro.
Während der Staat deutsche Großunternehmen seit Jahresbeginn mit dem Lieferkettengesetz dazu anhält, selbst bei der Beschaffung im Ausland penibel auf Umwelt- und Menschenrechtsstandards zu achten, und dabei mit empfindlichen Strafen droht, setzt er bei der eigenen Beschaffung vornehmlich auf eines: den Preis. Das zeigt eine kürzlich veröffentlichte Zusammenstellung des Statistischen Bundesamts, das im Auftrag des Wirtschaftsministeriums sämtliche 86.978 öffentliche Aufträge des ersten Halbjahrs 2021 untersuchte, bei denen Bund, Länder und Kommunen zusammen rund 53 Milliarden Euro ausgaben.