Künstliche Intelligenz: Warum IBM mit Watson scheiterte
Der einstige KI-Pionier ist ins Hintertreffen geraten.
Foto: Getty Images, Mauritius, Reuters, Bloomberg [M]Yorktown Heights, New York. Es ist ein Mittwochabend, als Millionen Amerikaner zum ersten Mal das Potenzial von Künstlicher Intelligenz (KI) vorgeführt bekommen. In ihren eigenen Wohnzimmern. Am 14. September 2011 läuft im US-Fernsehen „Jeopardy“, die beliebteste Quizshow des Landes. Auf der einen Seite ein Mensch: Ken Jennings, langjähriger Rekordhalter. Auf der anderen eine Maschine: die künstliche Intelligenz Watson, gebaut vom Tech-Konzern IBM.
Die Einschaltquoten klettern auf ein Rekordhoch. Amerika rätselt: Kann es einer KI gelingen, eine für Computer bisher unlösbare Aufgabe zu meistern: eine frei formulierte Frage zu verstehen und eine korrekte Antwort auszuspucken? Eine Antwort. Und eben nicht eine lange Trefferliste von Dokumenten, die die Antwort enthalten könnte, wie Google sie liefert.
Das Ergebnis ist Geschichte: Der Computer Watson, so groß wie zehn Kühlschränke und gefüttert mit 200 Millionen Seiten aus Lexika, Romanen und der Bibel, gewinnt. „Ich für meinen Teil begrüße unsere neuen Computer-Herrscher“, scherzt Jennings.
Nach Watson: IBM spielt in der Debatte um KI kaum noch eine Rolle
Am nächsten Morgen bricht der Medienrummel los. Die „New York Times“ vergleicht Watson mit dem allwissenden Bordcomputer von „Star Trek“. Der Rundfunksender NPR bangt: „Könnte Watson als nächstes unsere Jobs in der Radiologie oder in der Justiz wegnehmen?“, und fürchtet Watsons „dunkle Seite.“ Kurz darauf wird Watson bei den Webby Awards zur „Person des Jahres“ gekürt.