Türkei wählt am Sonntag: Dieses Bündnis will Amtsinhaber Erdogan ablösen
Auch wegen des Kandidaten der Opposition sitzt Demitras im Gefängnis. Was sie vereint, ist der Wille, die Ära Erdogan zu beenden.
Foto: ddp/abaca pressIstanbul. Mehr als 60 Millionen Türkinnen und Türken wählen heute ihr Parlament sowie den künftigen Präsidenten des Landes. Der Herausforderer von Amtsinhaber Recep Tayyip Erdogan, Kemal Kilicdaroglu von der linksgerichteten CHP, wird dabei von fünf konservativen Parteien unterstützt. Das Bündnis gilt in seiner Zusammensetzung als höchst unterschiedlich und fragil – und könnte den 74-jährigen Politiker gerade deswegen ins Amt hieven.
In der „Nationalen Allianz“ sind sechs Parteien versammelt, das Bündnis existiert seit 2017. Damals hatten sich mehrere Parteien zusammengetan, um gegen ein geplantes Verfassungsreferendum zu werben, mit dem Staatschef Erdogan seine Macht ausbauen konnte. Das Referendum verlief aus Erdogans Sicht erfolgreich. Die Allianz gegen ihn blieb bestehen, um bei den nächsten Wahlen ein gemeinsames Vorgehen zu koordinieren. Bei den Präsidentschafts- und Parlamentswahlen 2018 scheiterte ein gemeinsamer Kandidat der Gruppe erneut gegen Erdogan.
Eine Partei im Bündnis trat kurzzeitig aus
Das Bündnis blieb dennoch bestehen und nahm sogar neue Parteien auf. Angeführt wird das Bündnis von der republikanischen Volkspartei CHP. Die Partei wurde von Staatsgründer Kemal Atatürk gegründet und ist damit die älteste Partei des Landes. Als Kemal Kilicdaroglu im Jahr 2010 Parteichef wurde, initiierte er einen Linksruck innerhalb der damals als äußerst nationalistisch geltenden CHP.