Studie: Das sind die besten Personalberater Deutschlands
Viele jüngere Kandidaten finden digitales Kennenlernen auch im Job zeitgemäß.
Foto: Getty ImagesKöln. Das Smartphone als Türöffner zum neuen Job: Ein Klick auf den Button einer Online-Stellenanzeige oder einen QR-Code scannen – und schon startet ein automatisiertes WhatsApp-Interview mit der Personalberatung. Keine fünf Minuten dauert es, die Fragen zu beantworten und den Lebenslauf zu verschicken. Das übliche Anschreiben entfällt.
Zwar ist es erst der Anfang der Suche nach einer neuen Fach- oder Führungskraft – doch Recruiter können nach Prüfung des ersten Bewerberprofils entscheiden, ob eine Kandidatin oder ein Kandidat die nötigen Qualifikationen mitbringt.
Vom Messengerdienst bis hin zu Künstlicher Intelligenz (KI) – nichts ist für die Personalberatungsbranche derzeit wichtiger als digitale Anwendungen. Zu diesem Ergebnis kommt das Handelsblatt Research Institute (HRI) in einer aktuellen Branchenstudie, an der sich mehr als 2000 Vertreter von Personalberatungen sowie Führungskräfte und Personalverantwortliche in Unternehmen beteiligt haben. 43 Prozent nannten die Digitalisierung als „Thema, welches die Branche besonders bewegt“ – deutlich vor Nachhaltigkeit und agilem Arbeiten.
Nicht nur im Bewerbungsprozess werden digitale Werkzeuge wichtiger. „Auch in den Qualifikationsprofilen – bei den Kunden und bei den Personalberatungen selbst – spielen KI-Kompetenzen oder Digital Leadership eine wesentlich stärkere Rolle als in früheren Jahren“, sagt Studienleiter Gunter Nowy. „Der Hype um ChatGPT ist ein wesentlicher Treiber.“
Parallel zu den Branchentrends hat das HRI in der Studie auch eine Liste führender Personalberater in Deutschland erstellt. 40 der 443 Teilnehmer wurden ausgezeichnet. Die HRI-Studie fragte zudem danach, welche Personalberatung die Teilnehmer für welche Hierarchieebene empfehlen. Hier machte bei den Jobs mit einem Jahreseinkommen von mehr als 120.000 Euro pro Jahr Egon Zehnder das Rennen. Für die Gehaltsstufen von 60.000 bis 120.000 Euro erhielt Hays die meisten Nennungen.
Die Digitalisierung macht sich bezahlt – das zeigt eine Studie des Softwareanbieters Bullhorn. Darin nennen 30 Prozent der befragten Personaldienstleister und -vermittler sowie Personalberatungen mit einem Umsatzplus von mehr als zehn Prozent im vergangenen Jahr als stärksten Einflussfaktor für den Wachstumssprung mehr digitalisierte Daten im Unternehmen. Weitere 20 Prozent führen den hohen Zuwachs auf einen erhöhten Automatisierungsgrad zurück.
Eine höhere Vermittlungsquote hingegen machen nur 19 Prozent der befragten Unternehmen für ihren Mehrumsatz verantwortlich. „Digitalisierung ist für die Branche der wichtigste Umsatztreiber“, sagt Marek Kraus, Managing Director bei Bullhorn. Digitale Tools, etwa für die maschinelle Verarbeitung von Lebensläufen und Bewerbungen, nutzen inzwischen zwei Drittel der Personalberater laut BDU.
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Dennoch müssen viele Personalberatungen bei der Digitalisierung zulegen. „Bisher gelang die übliche, oft persönliche Ansprache gut. Aber unter anderem die wachsende Vielfalt von Jobs und die überregionale Suche zwingen Personalberatungen zur weiteren Digitalisierung“, sagt Arne Adrian, Vorsitzender des Fachverbands Personalberatung im BDU. Zwar seien ERP-Systeme für die Büro-Organisationen bei vielen Unternehmen der Branche üblich. „Aber beim Einsatz von Software für die Identifikation und Suche von Kandidaten, bei ihrer Auswahl und bei der Frage, wie sie idealerweise anzusprechen sind, haben viele Personalberatungen noch Nachholbedarf.“
Kontaktaufnahme per Messenger
Gerade bei der Ansprache ändern sich die Erwartungen der jungen Führungskräfte, die immer öfter auf der Chefetage anzutreffen sind. „Die neue Generation in den Vorständen ist überrascht, wenn sie einen Anruf von einer Personalberatung erhält. Sie erwartet eine digitale Ansprache“, sagt Adrian. Dies kann auch über Messenger erfolgen – WhatsApp etwa eigne sich dafür durchaus.
Als Einstieg in die Arbeit mit KI empfiehlt der Verband das Erstellen einer Stellenannonce oder die Ansprache eines Kandidaten mithilfe von ChatGPT. Freilich können mit Künstlicher Intelligenz ausgestattete Lösungen bereits jetzt viel mehr. Sie beobachten beispielsweise den Arbeitsmarkt und werten Kandidatenprofile aus. „Das kann KI schon jetzt besser als der Mensch“, sagt Adrian. Dadurch ändert sich auch der Arbeitsalltag in den Beratungen.
„Der Einsatz von KI wird dazu führen, dass Personalberater vermehrt jene Aufgaben wahrnehmen, für die es Empathie braucht. KI entfacht keine Begeisterung“, sagt Adrian. Dass Technik Menschen verdrängt – damit rechnet der BDU nicht. Der Personalbedarf der Beratungen werde nicht sinken.
Vielmehr sind auch bei den Personalberatern neue Fähigkeiten gefragt. „Wir werden mehr IT-Experten brauchen, die mit den neuen Systemen umgehen können“, sagt Adrian. Allerdings dürften es kleinere Beratungen künftig schwerer haben, sich zu behaupten. Denn die Technisierung verursacht zusätzliche Kosten – und dringend benötigte IT-Experten bevorzugen eher renommierte Unternehmen. „Kleinere Personalberatungen werden die Netzwerke größerer Anbieter suchen“, prognostiziert BDU-Experte Adrian.
Erstpublikation: 30.05.2023, 08:18 Uhr.