Solaranlagen, Wärmepumpen & Co.: Start-up 1Komma5 Grad wird zum Einhorn
Das Start-up wächst durch den Boom bei Solaranlagen und Wärmepumpen.
Foto: 1komma5gradFrankfurt. Das deutsche Energie-Start-up 1Komma5 Grad hat sich 215 Millionen Euro an Investorengeldern gesichert und ist damit schon 23 Monate nach seiner Gründung zu einem sogenannten Einhorn geworden. So werden Firmen mit einer Bewertung von mehr als einer Milliarde genannt.
Das frische Geld will die Firma in Technologie rund um die Vernetzung der Stromproduktion auf dem Eigenheim-Dach sowie Verbrauch und Handel investieren, wie Gründer Philipp Schröder dem Handelsblatt sagte. Auch weitere Zukäufe vor allem im europäischen Ausland seien geplant.
Für die neue Finanzierungsrunde hatte 1Komma5 Grad den bekannten Investor G2VP gewonnen, die auf Greentech-Investments spezialisierte Ausgründung des bekannten Silicon-Valley-Investors Kleiner Perkins. Zu den Geldgebern gehören auch Bestandsinvestoren wie Porsche Ventures, Haniel, Eurazeo und b2venture. Die Eigenkapitalrunde sei stark überzeichnet gewesen, sagte Schröder. „Insgesamt mussten wir knapp 30 Investoren eine Absage erteilen.“
1Komma5 Grad hat sich von seinen Investoren das Recht einräumen lassen, stimmrechtlose Anteile in Höhe von 215 Millionen Euro auszugeben. Einen Teil der Bezahlung bei Firmenkäufen leistet das Start-up gerne mit Rückbeteiligungsoptionen (VSOP). Damit hat 1Komma5 Grad bis zu 430 Millionen Euro für Akquisitionen zur Verfügung.
Das Klima-Start-up profitiert wie einige Wettbewerber vom Boom der erneuerbaren Energien. Konkurrent Enpal hatte zuletzt in einer Finanzierungsrunde zu Jahresbeginn seine Bewertung auf 2,25 Milliarden Euro verdoppelt. Rivale Energiekonzepte Deutschland (EKD) sucht derzeit Finanzkreisen zufolge mithilfe von Goldman Sachs nach Geldgebern, wobei ebenfalls eine Milliardenbewertung im Raum steht. EKD und Goldman lehnten Stellungnahmen ab.
Der Gründer von 1Komma5 Grad kündigt weitere Zukäufe an.
Foto: Handelsblatt1Komma5 Grad bietet Solaranlagen, Wärmepumpen, Stromspeicher und Ladeinfrastruktur für Elektroautos. Die Firma installiert die Technik bei Kunden und sorgt für einen langfristig optimierten Betrieb, auch mit einer eigenen Software. Der Umsatzanteil von Wärmepumpen soll in den kommenden Jahren von derzeit zehn auf 40 Prozent steigen. Das Energiemanagement-Tool Heartbeat stellt etwa sicher, dass vom Kunden produzierter Strom am Markt verkauft wird, wenn der Preis hoch ist, und Strom in Phasen zugekauft wird, wenn er niedrig ist.
Einhorn: Energie-Start-up 1Komma5 Grad plant weitere Zukäufe
Der vom russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine ausgelöste Nachfrageboom macht sich auch in den Zahlen von 1Komma5 Grad bemerkbar: Für 2023 rechnet das Start-up mit einem Umsatz von bis zu 600 Millionen Euro und einem operativen Gewinn von bis zu 60 Millionen Euro, was in etwa einer Verdreifachung im Vergleich zum Jahr 2022 entspricht. Die Zahl der Beschäftigten ist auf 1300 angewachsen.
Nach Akquisitionen in Deutschland, Schweden, Finnland und Australien hatte 1Komma5 Grad vor wenigen Tagen den dänischen Marktführer für Photovoltaik und Stromspeicher Viasol übernommen. „Wir planen bis Ende 2023 noch weitere Zukäufe in Spanien, Italien, Österreich und der Schweiz“, sagte der frühere Tesla-Deutschlandchef Schröder.
1Komma5 Grad kauft bevorzugt Handwerksbetriebe auf und sorgt für deren Professionalisierung sowie Herstellerzertifizierungen. Zudem will 1Komma5 Grad einen hohen zweistelligen Millionenbetrag in seinen Entwicklungsstandort Berlin investieren.
Mitarbeit: Kathrin Witsch
Erstpublikation: 23.06.2023, 11:09 Uhr.