Versicherer: Allianz verlängert mit zwei Vorständen
Europas größer Versicherer hat am Freitag die Verträge zweier Vorstände verlängert.
Foto: dpaMünchen. Die Allianz hat am Freitag die Verträge zweier Vorstände verlängert. Nach einer Aufsichtsratssitzung meldete der Versicherer, dass Barbara Karuth-Zelle und Christopher Townsend nun bis Dezember 2028 dem obersten Führungsgremium des Dax-Konzerns angehören werden.
Beide sind seit Anfang 2021 im Vorstand von Europas größtem Versicherer. Aufsichtsratschef Michael Diekmann wertete die Vertragsverlängerungen in einer Stellungnahme als Zeichen für die Bedeutung von Führungskontinuität in Zeiten des Wandels.
Sowohl Karuth-Zelle als auch Townsend sind in den kommenden Jahren mit ihrem Aufgabenbereich besonders gefordert, wenn es darum geht, die Weiterentwicklung der Allianz voranzutreiben.
Die 54-jährige Karuth-Zelle muss als Chief Operating Officer (COO) die anfällige IT des Hauses stabilisieren und harmonisieren. Dazu laufen im Konzern die Transformationsprogramme „Allianz Customer Model“ und „Business Master Platform“.
In den kommenden Jahren wird das Thema Datenanalyse und die Frage, welchen Beitrag Künstliche Intelligenz dabei leisten kann, von entscheidender Bedeutung sein.
Der Brite Chris Townsend hat im Allianz-Vorstand das heterogenste Aufgabengebiet aller neun Mitglieder. Der 55-Jährige ist unter anderem für die hauseigene Industrie-, Kredit- und Rückversicherung zuständig, dazu für die Märkte in Afrika und im Mittleren Osten, in Lateinamerika, auf der Iberische Halbinsel sowie in Großbritannien. Trotz des breiten Spektrums sei Townsend überall zumindest durch ständige Nachfragen präsent, heißt es im Konzern.
Vertragsverlängerung von Bäte weiter offen
Noch keine Entscheidung haben die Aufseher um den Vorsitzenden Michael Diekmann am Freitag zu einer möglichen Vertragsverlängerung von Vorstandschef Oliver Bäte getroffen. Damit rechnen Beobachter im Haus zum Zeitpunkt der Aufsichtsratssitzung Ende September.
Bätes laufender Vertrag endet Ende September 2024. Der Konzernchef, der seit 2015 den Allianz-Konzern führt, stand in den vergangenen Jahren massiv unter Druck, weil Fehlspekulationen der Vermögensveraltungstochter AGI in den USA den Konzern knapp sechs Milliarden Dollar gekostet haben. Hedgefonds mit dem Namen Structured Alpha hatten mit Beginn der Coronapandemie erhebliche Verluste verzeichnet und mussten zum Teil geschlossen werden.
Fondsmanager befürworten eine weitere Amtszeit
Weil das Debakel jedoch schnell beendet worden war und der Konzern zudem operativ im vergangenen Jahr einen Rekordgewinn von 14,2 Milliarden Euro eingefahren habe, befürworten Fondsmanager inzwischen eine weitere Amtszeit von Bäte an der Allianz-Spitze. Fraglich ist indes, ob Bätes Vertrag um drei oder um fünf Jahre verlängert wird.
Die Statuten der Allianz sehen bislang ein Ausscheiden mit dem 62. Lebensjahr vor. Das spräche für einen Dreijahresvertrag. Zum Ende seines laufenden Vertrags im kommenden Jahr ist Bäte 59 Jahre alt. Allerdings hatten zuletzt Fondsmanager wie Andreas Thomae von der Deka den Sinn einer Altersgrenze angezweifelt. „Die Altersgrenze von 62 Jahren ist kein Hinderungsgrund, warum man den Vertrag mit Oliver Bäte nicht auch um fünf Jahre verlängern könnte“, sagte er dem Handelsblatt.