Versicherer: Warum die Hurrikan-Prognose in diesem Jahr besonders schwer ist
Der tropische Wirbelsturm führte im September 2022 zu großen Schäden.
Foto: IMAGO/ZUMA WireFrankfurt. Regelmäßig führen tropische Wirbelstürme an der US-Küste zu milliardenschweren Schäden. Nach mehreren Jahren mit sturmfördernden Bedingungen rechnen Experten für die diesjährige Hurrikansaison eher wieder mit einer Wirbelsturmaktivität im langjährigen Durchschnitt.
Der Grund sind zwei gegenläufige Klimaphänomene, die dieses Mal allerdings auch die Vorhersage besonders schwierig machen. „In der aktuellen Hurrikansaison spielen sich Einflüsse im Nordatlantik, die Hurrikans begünstigen, und Einflüsse im Pazifik, die Hurrikans abmildern, gegeneinander aus“, sagte James Cosgrove, Risikomodellierer bei Moody’s RMS, am Mittwoch.
Offiziell hat die atlantische Hurrikansaison am 1. Juni begonnen und dauert bis Ende November. Vier benannte Stürme – also Stürme, die vom US-amerikanischen National Hurricane Center einen offiziellen Namen bekommen – sind laut Cosgrove bereits aufgetreten. Der Höhepunkt der Hurrikansaison liegt üblicherweise zwischen Mitte August und Ende Oktober.
Zwar rechnet Moody’s dieses Mal mit einer „nahezu normalen Hurrikansaison“. Die Ratingagentur weist aber darauf hin, dass auch 2022 als weitgehend normales Jahr galt – bis Hurrikan „Ian“ im September drastische Schäden verursachte.
Experten bezifferten den wirtschaftlichen Gesamtschaden durch diesen Hurrikan auf 100 Milliarden Dollar. Davon waren 60 Milliarden Dollar versichert. Hierzulande mussten vor allem die Rückversicherer Munich Re und Hannover Rück aufkommen.
Seit Mai hat sich der Atlantik überproportional stark erwärmt
Solche einzelnen Großereignisse machen Vorhersagen für die ganze Saison zu einer Herausforderung. Dieses Jahr sind sie wegen der beiden gegenläufigen Treiber besonders schwer: Auf der einen Seite steht das Klimaphänomen El Niño im Pazifik, das sich auch auf Wetterextreme in entfernten Regionen auswirkt.
Laut den Experten von Munich Re gehen El-Niño-Jahre mit starken Höhenwinden über dem Nordatlantik einher. Die sogenannte vertikale Windscherung dämpfe Wirbelstürme, da sie Sturmsysteme förmlich auseinanderblase.
Auf der anderen Seite stehen die erhöhten Wassertemperaturen im tropischen Nordatlantik. Sie sorgen dem Rückversicherer zufolge für niedrigeren Luftdruck und schwächere Passatwinde, was zu einem günstigeren Umfeld für Hurrikans führe. Da sich der Atlantik seit Mai überproportional stark erwärmt habe, könnte dieser Klimaeffekt nun sogar die Oberhand gewinnen.
Stand jetzt erwarte man daher eine stärkere Hurrikansaison als noch im Frühjahr, erklärte eine Munich-Re-Sprecherin. Es sei aber immer noch mehr oder weniger mit einer Zahl von Stürmen auf dem langjährigen Durchschnitt zu rechnen. Laut Cosgrove von Moody‘s RMS würde das 14 benannte Stürme, davon sieben Hurrikans und davon wiederum drei schwere Hurrikans der höchsten Kategorie drei bis fünf, bedeuten. Aktualisierte Prognosen könnten Anfang August für mehr Klarheit sorgen.