Bard: Googles KI-Chatbot jetzt auch in Deutschland nutzbar
Der Dienst startet nun auch in Deutschland.
Foto: IMAGO/NurPhotoDüsseldorf. Knapp vier Monate nach der Markteinführung stellt Google seinen KI-Chatbot Bard jetzt auch in Deutschland und ganz Europa zur Verfügung. Insgesamt kommen 59 Länder hinzu, wie der Konzern am Donnerstag mitteilte. Der Grund für die Verzögerung waren Datenschutzbedenken der EU. „Wir hatten produktive Gespräche mit den Behörden“, sagt Jack Krawczyk, Produktdirektor von Google.
Der Internetriese ging in den vergangenen Monaten auf Nummer sicher und stellte Bard anfangs nur einem kleinen Nutzerkreis in den USA und England zur Verfügung. Im Mai kamen mit Japanisch und Koreanisch weitere Sprachen hinzu. Jetzt beherrscht die Künstliche Intelligenz (KI) mehr als 40 Sprachen, darunter Deutsch, Spanisch, Arabisch oder Chinesisch.
Google steht unter Druck: Der Chatbot ChatGPT ist bereits seit vielen Monaten überall verfügbar. Google-Rivale Microsoft ist bei dessen Entwickler OpenAI mit einer Milliardensumme eingestiegen und hat die Technologie bereits in seine Bing-Suche integriert.
Googles KI-Chatbot Bard kann jetzt auch Fotos verarbeiten
Experten begrüßen nun den Schritt von Google. „Die EU ist allein aufgrund ihrer wirtschaftlichen Größe unverzichtbar für den Konzern“, sagt Social-Media-Analyst Matt Navarro. „Die Verzögerung zeigt aber auch, wie mächtig die EU mit ihren Regeln und Vorschriften ist.“
Am Sprachmodell für Bard änderte Google im Grundsatz nichts. Das Sprachmodell Palm 2 ist weiter die Grundlage für den Textroboter. Allerdings sei es feiner eingestellt worden, erklärt Krawczyk. Auch gibt es neue Funktionen. So kann Bard seine Antworten nun vorlesen, zudem könne man die „Tonalität und Stil“ einstellen, wie Krawczyk sagt. Vorerst geht das aber nur auf Englisch.
Mehr zu Künstlicher Intelligenz und ChatGPT:
Eine wichtige Neuerung ist die Verwendung von Bildern: Nutzer können Fotos einstellen, um dazu Informationen oder „Inspiration für einen Text“ zu bekommen, sagt Krawczyk. Der Google-Manager nennt ein Beispiel: Er habe die Etiketten von Weinflaschen fotografiert. Später habe er Bard nach passenden Rezepten dazu gefragt: „Pinot Noir soll ich beispielsweise für gegrilltes Hähnchen nehmen.“ Auch diese Funktion ist vorerst nur in Englisch möglich.
Interessant ist die Einführung von sogenannten „Pinned Threads“. Mit diesen „angehefteten Fäden“ können Nutzer ihre Dialoge mit der KI speichern. Mit der Option zum „Anpinnen, Umbenennen und Aufrufen“ gehen Informationen nicht nur nicht verloren, sondern die Qualität der Unterhaltung erhöht sich. Denn Sprachmodelle „vergessen“ ansonsten Dialoge und können nicht genaue Antworten geben.
Nutzer klagen über „brave“ Antworten von Bard
Wie viele Fragen zu einem Thema und in einer Unterhaltung insgesamt erlaubt sind, wollte Krawcyzk nicht sagen. Mit hartnäckigen Fragen haben verschiedene Nutzer bereits öfters Textroboter zu Regelverstößen gebracht, beispielsweise zu obszönen oder gewaltverherrlichenden Äußerungen.
Das sogenannte „Jailbreaking“ will Google um jeden Preis verhindern, aus Sorge um das Image und vor Ärger mit Werbekunden. „Wir haben ein ganzes Team darangesetzt, Bard zu solchen Äußerungen zu bringen, um sie so auszuschließen“, sagt Krawczyk. Es gebe auch in Deutschland so ein Team.
Entsprechend brav antwortet Bard auf Fragen. „Die Antworten fallen ein wenig langweilig aus“, sagt Analyst Navarro, der die KI seit einigen Wochen mit ChatGPT vergleicht. „Ich greife daher immer eher zu ChatGPT.“
Googles KI-Chatbot Bard: „Ich bin keine Person“
Bard-Chef Krawczyk wirbt für Verständnis. „Manche Antworten von Bard können Nutzer frustrieren.“ Es sei aber wichtiger, ein „verantwortungsvolles Modell“ zu präsentieren, das zugleich hilfreich und nicht schädlich sei. Insgesamt werde Bard viel genutzt. Eine Anzahl der Anfragen oder User wollte der Manager aber nicht nennen. Er sprach von einer „hohen Rückkehrquote“ der Nutzer.
Katharina Zweig, Professorin für Informatik an der Universität Kaiserslautern, hat eine „spannende“ Sache beobachtet, wie sie sagt. Der Textroboter antworte nicht mit „Ich“: „Das wurde ihm explizit abtrainiert, damit nicht der Eindruck entstünde, dass hier ein Ich mit einem Bewusstsein spricht.“
Allerdings kann Bard nicht so ganz darauf verzichten. Bei einigen Anfragen des Handelsblatts antwortete der Textroboter in der ersten Person Singular. „Ich bin keine Person im traditionellen Sinne. Ich bin ein mächtiges Werkzeug“, antwortete es auf die Frage, ob es ein Mensch sei. Warum es dann „ich“ verwendet? „Es ist ein Weg der Kommunikation, die vertraut und verständlich für Menschen ist.“
Mehr: Was kann Googles KI?
Erstpublikation: 13.07.2023, 9:06 Uhr.