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BilanzskandalWirecard-Strafprozess: Anwalt von Markus Braun startet groß angelegten Vorstoß

In den sechs Monaten des Prozesses lief es nicht gut für Markus Braun. Jetzt will der langjährige Wirecard-Chef mit umfangreichen Beweisanträgen die Wende im Verfahren einleiten.René Bender, Lars-Marten Nagel, Christian Schnell, Michael Verfürden und Volker Votsmeier 13.07.2023 - 21:08 Uhr Artikel anhören

Seit fast drei Jahren sitzt der Ex-Wirecard-CEO Markus Braun (Mitte) in Untersuchungshaft. Sein Hauptverteidiger ist Alfred Dierlamm (l.), einer der bekanntesten Strafrechtler hierzulande.

Foto: dpa

Düsseldorf, München. Sein Vorstoß soll so etwas wie den Wendepunkt im spektakulären Strafverfahren um den milliardenschweren Bilanzskandal bei Wirecard werden. Daran lässt Alfred Dierlamm keine Zweifel.

Mit markigen Worten leitet der Verteidiger des langjährigen Wirecard-Chefs Markus Braun an diesem Donnerstag vor dem Landgericht München seinen gut zweistündigen Vortrag ein. Eine echte Aufklärung habe bisher nicht stattgefunden und sei offenbar auch nicht gewollt, trägt der Anwalt vor.

Von Amts wegen geschehe dies nicht, und nachdem der Wirecard-Insolvenzverwalter kürzlich davon gesprochen habe, von den Wirecard-Milliarden fehle „jede Spur“, das Geld sei „erdichtet und erlogen“, sei es nun an der Zeit, durch formale Beweisanträge für eine Aufklärung des Sachverhalts zu sorgen.

Seit Anfang Dezember muss sich Markus Braun zusammen mit dem früheren Wirecard-Statthalter in Dubai, Oliver Bellenhaus, sowie dem Ex-Chefbuchhalter Stephan von Erffa vor dem Landgericht verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen gewerbsmäßigen Bandenbetrug, schwere Untreue, unrichtige Darstellung der Wirecard-Jahresabschlüsse und Marktmanipulation vor.

Die Ermittler sind überzeugt davon, dass der angeblich wichtigste Teil des Geschäfts, das sogenannte Drittpartnergeschäft, nicht existierte. Sie stützen sich dabei vor allem auf entsprechende Aussagen von Bellenhaus.

Braun in Prozess zunehmend unter Druck

Das angebliche Drittpartnergeschäft steht im Mittelpunkt des Verfahrens. In Ländern ohne eigene Lizenzen hatte Wirecard nach Brauns Darstellung über lokale Partner den Zahlungsverkehr abgewickelt und dafür Provisionen erhalten. Zur Absicherung der Geschäfte hatte Wirecard angeblich 1,9 Milliarden Euro bei zwei philippinischen Banken deponiert. Die Summe ist indes bis heute unauffindbar.

In den sechs Monaten des Prozesses lief es nicht gut für Braun. Bislang ließ das Gericht wenig Zweifel an den Schilderungen von Bellenhaus durchblicken, dafür mehrfach an denen von Braun.

Brauns Theorie und die seiner Anwälte ist klar: „Es gab das Geschäft, es gab auch die Milliarden, und man muss auch nicht um den Globus reisen, um sie zu finden“, sagt Dierlamm am Donnerstag. Für ihn ist Braun das Opfer einer kriminellen Bande um den flüchtigen Ex-Vorstand Jan Marsalek und um Bellenhaus. Sie sollen Gelder aus dem sogenannten Drittpartnergeschäft abgezweigt und über „Veruntreuungsgesellschaften“ in die eigene Tasche gewirtschaftet haben.

Dieses Narrativ ist nicht neu. Doch mit den neuen Beweisanträgen will der Anwalt seine Theorie untermauern. Auf mehr als 1500 Seiten will er Belege einreichen, darunter unter anderem Kontodaten und -bewegungen sowie E-Mails. Die Auswertung von 500.000 E-Mails, von denen derzeit etwa 20 bis 30 Prozent gesichtet worden seien, bestätige Brauns Verteidigung in ihrem Bild, so Dierlamm.

„Großes Bohei um Nichts“

Der Verteidiger des von Dierlamm scharf attackierten Kronzeugen Bellenhaus‘, Florian Eder, gibt sich unterdessen entspannt. Für ihn ist der Insolvenzverwalter von Wirecard, Michael Jaffé, die wohl „objektivste und nachhaltigste Quelle“, denn dieser sei „auf der Spur des Geldes“.

Der letzte Bericht des Insolvenzverwalters sei dahingehend sehr deutlich gewesen: „,Ausleitungen‘ in entsprechenden Höhen hinterlassen Spuren, wobei sich allerdings keine einzige findet“, kommentiert Eder auf Handelsblatt-Nachfrage. Er wertet Dierlamms Vorstoß deshalb als ein „großes Bohei um nichts“. Es gelte „die Devise, den ,Kronzeugen‘ in jeglicher Weise zu diskreditieren“.

Jaffé reagierte in einer schriftlichen Stellungnahme gegenüber dem Handelsblatt zurückhaltender, aber ebenfalls deutlich. Sowohl Braun als auch seine Anwälte hätten sich bislang einer konstruktiven Zusammenarbeit mit dem Insolvenzverwalter verweigert, schreibt er. Aussagekräftige Unterlagen oder Auskünfte seien bislang nicht zur Verfügung gestellt worden.

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In einem neuen Sachstandsbericht hatte Jaffé erst kürzlich zum wiederholten Male dargestellt, dass es das Drittpartnergeschäft aus seiner Perspektive nicht gegeben habe. Es gebe „keinen einzigen belegbaren Anhaltspunkt dafür, dass es das von Herrn Braun angesprochene Drittpartnergeschäft jemals gegeben hat“, so Jaffé.

Niederlage in Streit mit Versicherer

Unter Druck steht Markus Braun unterdessen auch an anderer Stelle: der Übernahme der Kosten für seine Anwälte und Berater. Braun verlor gerade einen Rechtsstreit mit seiner Manager-Haftpflichtversicherung um die Zahlung weiterer zehn Millionen Euro. Das Landgericht Düsseldorf wies eine Klage Brauns gegen den Versicherer Swiss Re zurück. Brauns Anwälte kündigten bereits an, gegen das Urteil Berufung einlegen zu wollen.

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