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Netflix, Amazon Prime, Disney+Wie Analysten das Kurspotenzial der Streamingdienste einschätzen

Die Streamingdienste versuchen, das Abonnentenwachstum aufrechtzuerhalten – doch der Markt ist hart umkämpft. Welche Aktien Kurschancen bieten.Udo Trichtl 03.08.2023 - 11:45 Uhr Artikel anhören

Experten erwarten, dass der Streamingdienst seine führende Marktposition verteidigen wird.

Foto: Reuters

Köln. Hollywood steht still, die roten Teppiche bleiben leer: Schauspielerinnen und Drehbuchautoren in den USA sind Mitte Juli erstmals seit den 1960er-Jahren gemeinsam in den Streik getreten. Sie kämpfen für einen Mindestlohn und dafür, den Einsatz von Künstlicher Intelligenz zu regulieren. Worum es ihnen auch geht: eine faire Beteiligung an den Gewinnen von Streamingdiensten.

Werden TV-Serien oder Kinofilme als Wiederholung gezeigt, erhalten Schauspieler und Autorinnen Tantiemen. Diese Regelung gilt bisher nicht bei Streamingplattformen, die genaue Zahlen zu ihren Inhalten nicht veröffentlichen. Damit entfallen wichtige Einnahmen für Filmschaffende.

„Im Grunde stehen alle Streamingdienstleister vor der gleichen Herausforderung“, sagt Marc Kiewitz, Head of German Markets beim Brokerhaus ActivTrades Europe. „Abonnentenwachstum aufrechterhalten und gleichzeitig Profitabilität steigern.“

Das ist keine einfache Aufgabe: Traditionelle Medienkonzerne wie Disney und Warner Bros. holen mit ihren eigenen Streamingangeboten stark auf.

Und dann sind da noch Tech-Konzerne wie Amazon und Apple, deren Streamingdienste nur einen Teil des Geschäftsmodells ausmachen. „Es ist nicht unwahrscheinlich, dass es auch langfristig zu einem oligopolistischen Markt mit einigen großen Anbietern und hohen Einstiegshürden für neue Player kommen könnte“, sagt Kiewitz.

Netflix geht stärker gegen Passwort-Sharing vor

Netflix hat im Juli seine Ergebnisse für das zweite Quartal vorgestellt. Der Umsatz stieg im Vorjahresvergleich um 2,7 Prozent auf 8,19 Milliarden US-Dollar. Der Nettogewinn legte um 3,2 Prozent auf 1,49 Milliarden US-Dollar zu.

Die Zahl der Neukundinnen und Neukunden stieg in den drei Monaten bis Ende Juni auf 5,9 Millionen. Damit verzeichnet Netflix zum Quartalsende insgesamt mehr als 238 Millionen zahlende Kunden. Der Zuwachs ist unter anderem darauf zurückzuführen, dass Netflix seit diesem Jahr stärker gegen Passwort-Sharing vorgeht.

Für die Netflix-Aktie ging es nach den Q2-Zahlen dennoch deutlich nach unten, was am eher schwachen Ausblick des Konzerns lag: Netflix prognostiziert für das dritte Quartal ein Umsatzplus von sieben Prozent gegenüber dem Vorjahr.

„Wachstumsraten, wie wir sie noch vor einigen Jahren gesehen haben, gehören erst einmal der Vergangenheit an“, kommentiert Marc Kiewitz. Er ist sich dennoch sicher: „Netflix dürfte seine führende Marktposition nicht zuletzt aufgrund seiner umfangreichen Eigenproduktionen auch in Zukunft verteidigen.“

Einige Filme bereits verschoben

Auf Basis der erwarteten Gewinne für 2023 liegt das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) bei knapp 36. Damit ist Netflix für seine Verhältnisse aktuell etwas günstiger bewertet. 25 Analysten raten nach Angaben des Finanzdatenanbieters Refinitiv zum Kauf der Aktie, 19 zum Halten, drei zum Verkauf. Ihr Kursziel liegt im Schnitt bei 495 Dollar. Aktuell notieren die Netflix-Titel bei rund 439 Dollar.

Die Walt Disney Corporation hat mit ihrem Streamingangebot Disney+ erst vor wenigen Jahren am Markt Fuß gefasst. Für den globalen Medienkonzern können die aktuellen Streiks gefährlich werden: Neue Marvel-Filme und der dritte Teil der profitablen Avatar-Reihe mussten bereits verschoben werden.

Disney wird seine Zahlen zum abgelaufenen Quartal am 9. August offenlegen. Analysten sehen den Umsatz im Schnitt bei 22,51 Milliarden US-Dollar, was einem Plus von 4,70 Prozent gegenüber 2022 entsprechen würde.

Disney+ besaß Ende Juni weltweit rund 158 Millionen Abonnenten. Dem ging ein Verlust von vier Millionen Abonnenten im ersten Quartal voraus.

Zudem schreibt Disneys Streaminggeschäft immer noch rote Zahlen. Die hauseigenen Angebote Disney+, Hulu und ESPN+ steuern mit 15,3 Milliarden US-Dollar gerade einmal 18,5 Prozent zum Konzernumsatz bei.

Konkurrenz durch Amazon Prime

Walt Disney ist nach der jüngsten Kursflaute mit einem KGV von nur 14,3 für die erwarteten Gewinne für 2023 hoch bewertet. Dennoch sehen Analysten laut Refinitiv im Schnitt ein Kurspotenzial für den Wert von 28 Prozent. 23 Analysten raten zum Kauf der Aktie, sieben zum Halten, zwei raten ab.

Amazon ist kein typischer Streaminganbieter, aber mit 200 Millionen Prime-Abos ist der Konzern zu einer ernst zu nehmenden Konkurrenz für Netflix und Co. geworden. Allerdings verrät Amazon nicht im Detail, wie viele Menschen ihr Prime-Abo tatsächlich für Streaming nutzen – und wie viele nur für die Versandvorteile.

Fest steht zweierlei: Im Juli 2022 war Amazon-Prime-Video nach Netflix und Disney+ die am dritthäufigsten heruntergeladene mobile Video-Streaming-App der Welt. Und für Amazon ist der globale Konjunkturmotor wichtiger als die Situation in Hollywood: Mit einem Jahresumsatz von 35 Milliarden US-Dollar trug Amazon Prime nicht einmal sieben Prozent zum gesamten Konzernumsatz bei.

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Deutlich unbekannter dürfte Amazons zweite Streamingplattform sein: Twitch. Das ist ein Live-Streaming-Portal vorrangig für Videospiele. Twitch hat 140 Millionen aktive Nutzer pro Monat und im Vorjahr schätzungsweise 2,8 Milliarden US-Dollar umgesetzt.
Amazons KGV liegt mit 83 auf einem sehr hohen Niveau. Dennoch raten die allermeisten Analysten zum Kauf der Aktie und erkennen im Durchschnitt noch ein Kurspotenzial von neun Prozent.

Erstpublikation: 1.08.2023, 15:42 Uhr

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