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WHU-Vize im Interview„Sie reißen uns die Bachelors aus den Händen“

Nicht nur Unternehmen, selbst renommierte Privatschulen müssen um Nachwuchs wetteifern. Der WHU-Vize Jürgen Weigand spricht im Interview über die Folgen des Fachkräftemangels für die Hochschulen und die Führungsdefizite von MBA-Absolventen.Claus Gorgs 14.08.2023 - 08:57 Uhr Artikel anhören

Der Professor für Industrieökonomik ist stellvertretender Rektor sowie akademischer Direktor des Executive-MBA-Programms der WHU.

Foto: Handelsblatt

Düsseldorf. Mit Konkurrenz kennt sich Jürgen Weigand schon von Berufs wegen aus: Als Professor für Industrieökonomik gehört Wettbewerbspolitik zu seinen Forschungsschwerpunkten. Aber dass inzwischen selbst renommierte Privathochschulen wie die WHU - Otto Beisheim School of Management mit Unternehmen um die besten Talente wetteifern, ist auch für ihn neu. Weigand ist stellvertretender Rektor sowie akademischer Direktor des Executive-MBA-Programms der WHU.

Lesen Sie hier das gesamte Interview mit Jürgen Weigand:

Herr Weigand, eine Studie des Massachusetts Institute of Technology (MIT) kommt zu dem Schluss, dass MBA-Absolventen schlechte Chefs sind. Sie senken zwar die Kosten, bringen ihre Unternehmen aber im Wettbewerb nicht voran. Überrascht Sie das?

Nein. Ich kenne die Studie nicht, aber ich kann das Ergebnis total nachvollziehen.

Wie bitte?

Heutige CEOs haben ihren Master of Business Administration (MBA) mit hoher Wahrscheinlichkeit vor 20 bis 30 Jahren gemacht. Das war die Hochzeit der Consultingfirmen und M& A-Aktivitäten. Ausgehend von den großen Business-Schools in den Vereinigten Staaten wurde damals der Fokus vor allem auf Accounting, Finance und Controlling gelegt. Das lenkt die Leute in eine gewisse Richtung. Natürlich muss ein CEO etwas von Finanzen verstehen, aber das ist eben nur eine Seite.

Hat sich daran inzwischen etwas geändert?

Wir leben in einer Zeit des rasanten technologischen Fortschritts. Keiner weiß, welche Skills in fünf Jahren gebraucht werden. Deshalb bilden wir unsere Studierenden grundsätzlich aus. Dazu gehört neben dem wirtschaftlichen Fachwissen auch die Umsetzungsfähigkeit, die wir über Fallstudien trainieren. Hinzu kommt die Persönlichkeitsbildung: Wer bin ich? Für welche Werte stehe ich? Zukünftige Führungskräfte müssen lernen, ihr Unternehmen in einem sich verändernden Kontext zu sehen und dafür Szenarien zu entwickeln.

Wie wirkt sich der Wandel am Arbeitsmarkt auf die WHU aus?

Früher wollte kein Unternehmen einen Bachelor einstellen, heute reißen sie uns die aus den Händen. Für die Masterprogramme ist das eine Herausforderung. Zudem springen immer häufiger MBA-Interessenten ab, weil ihr Chef beim Gehalt drauflegt oder eine Beförderung vorzieht, damit sie bleiben. In der Konsequenz fehlt diesen Leuten langfristig aber eine gewisse Breite an Methoden und Managementskills, die sie in einem weiterführenden Studium bekommen hätten.

Was können Unternehmen tun, um junge Topleute zu halten?

Sie sollten frühzeitig signalisieren, dass sie sie fördern und aufbauen wollen - und diesen Weg auch aktiv unterstützen. Dazu gehört, Verständnis für einen Wechselwunsch oder eine Weiterbildung zu haben, ohne ihnen ein schlechtes Gewissen zu machen. Zur Wahrheit gehört aber auch: Von den Studierenden, die bei uns an einem berufsbegleitenden MBA-Programm teilnehmen, ist am Ende kaum noch jemand in dem Unternehmen, bei dem er zu Beginn des Studiums war.

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Erstpublikation: 09.08.2023, 14:22 Uhr.

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