Medizintechnik: Agnelli-Familie steigt bei Philips ein
Der Urenkel des Fiat-Gründers leitet heute die Familienholding Exor.
Foto: ReutersRom. Eine der reichsten Familien Italiens steigt bei Philips ein: Die Holdinggesellschaft Exor der Agnelli-Familie wird zu einem Ankerinvestor des niederländischen Medizintechnikkonzerns. Exor habe 15 Prozent der Anteile erworben und dafür 2,6 Milliarden Euro bezahlt, erklärten beide Seiten am Montag.
Der nun verkündete Einstieg ließ die Philips-Aktie nun ordentlich steigen: Das Papier gewann nach Handelsstart 5,6 Prozent und schloss rund vier Prozent im Plus bei 19,22 Euro. Im laufenden Jahr hat die Aktie damit fast 40 Prozent zugelegt. Allerdings war der Wert von Philips seit dem Hoch im Jahr 2021 kontinuierlich von über 50 Euro auf im Tief nur noch gut zwölf Euro abgerutscht.
Das Engagement der Italiener erfolgt in einer Phase der Unsicherheit: Den Philips-Konzern belastet derzeit der kostspielige Rückruf von Beatmungsgeräten und Geräten für die Schlaftherapie. In den betroffenen Geräten wurde ein Dämmschaumstoff verarbeitet, von dem sich Partikel lösten. Der Schaumstoff steht im Verdacht, im Laufe der Zeit giftig zu werden.
Das Unternehmen hat rund eine Milliarde Euro für den Rückruf von rund 5,5 Millionen Geräten weltweit eingeplant und zusätzlich 575 Millionen Euro als Teil eines geplanten Vergleichs in den USA zur Entschädigung von Patienten zurückgestellt.
Allerdings laufen weiterhin Sammelklagen gegen das Unternehmen in den Vereinigten Staaten. Nach Unternehmensangaben aus dem Juli waren zuletzt etwa 99 Prozent der Austauschgeräte und Ersatzteile produziert und der größte Teil davon bereits an Kunden und Patienten geliefert worden.
Agnelli-Familie: Investments in Ferrari und Juventus Turin
Unternehmenschef Roy Jakobs hatte im vergangenen Oktober die Konzernleitung übernommen und ein Sparprogramm aufgelegt, bei dem bis 2025 rund 10.000 Stellen abgebaut werden sollen. Im Tagesgeschäft lief es zuletzt nach einigen mauen Quartalen wieder besser: Nach dem zweiten Quartal hob Philips im Juli seine Jahresziele für Umsatz und operatives Ergebnis an.
Der niederländische Medizintechnikkonzern hat einen neuen Investor.
Foto: ReutersSo ist Exor nach wie vor im Autobau engagiert, hält rund 14 Prozent der Stimmrechte an der Stellantis-Gruppe, die aus Fiat und den französischen Rivalen PSA (Peugeot, Citroen, Opel) hervorgegangen ist. Stellantis umfasst mittlerweile 14 Marken und ist der fünftgrößte Autobauer der Welt.
Auch am Sportwagenhersteller Ferrari ist die Familie seit den 1960er-Jahren beteiligt. Noch heute gehören ihr über die Holding rund 23 Prozent der Anteile und mehr als ein Drittel der Stimmrechte. Rund 27 Prozent halten sie zudem am Lastwagenbauer Iveco.
Längst sind die Agnellis aber auch in anderen Industriesparten unterwegs: Exor ist unter anderem in den italienischen Bau- und Agrarkonzern CNH Industrial investiert, hält rund ein Viertel der Anteile am Luxusschuh-Hersteller Christian Louboutin und knapp 64 Prozent am italienischen Fußball-Rekordmeister Juventus Turin.
Auch das britische Wirtschaftsblatt „The Economist“ gehört zum Portfolio (Anteil: rund 35 Prozent), ebenso das italienische Medienimperium Gedi, das die größte römische Tageszeitung „La Repubblica“ herausbringt. Hier liegt der Exor-Anteil sogar bei rund 90 Prozent.
2022 stieg der Wert aller Exor-Investments auf 31,8 Milliarden Euro, ein Zuwachs von rund einem Viertel gegenüber dem Vorjahr. Der konsolidierte Gewinn betrug 1,7 Milliarden Euro, 2021 waren es noch 1,3 Milliarden Euro gewesen.
Exor: Knapp eine Milliarde Euro in Gesundheitssektor investiert
Zuletzt baute die Holding auch ihre Investments im Gesundheitssektor aus, investierte im vergangenen Jahr knapp eine Milliarde Euro. Exor hält rund 45 Prozent an Lifenet Healthcare, einem Klinikbetreiber in Italien, und hat in diverse Start-ups investiert. Nun kommt Philips dazu.
Der von den Niederländern „in den letzten Jahren eingeschlagene Weg der Veränderung hat ein Unternehmen geschaffen, das zwei Bereiche – Gesundheitswesen und Technologie – miteinander verbindet, denen wir uns verpflichtet fühlen“, sagte John Elkann. Exor habe derzeit keine Pläne, kurzfristig weiter aufzustocken, könne unter der geschlossenen Vereinbarung den Anteil jedoch bis auf 20 Prozent erhöhen. Die Holding bekomme auch einen Sitz im Aufsichtsrat.
Der 47-jährige Elkann, Ururenkel von Fiat-Gründer Giovanni Agnelli, ist CEO von Exor und gleichzeitig Aufsichtsratschef bei Ferrari und Stellantis. Er ist seit mehr als zehn Jahren das Gesicht der Familie in der Öffentlichkeit.
Im Hintergrund tobt indes ein Erbenstreit: Elkanns Mutter Margherita Agnelli hat offenbar noch immer nicht verwunden, dass ihr Vater, der langjährige Fiat-Chef Gianni Agnelli, einen Großteil seines Erbes an seinen Enkel John Elkann weitergegeben hat. Schon 2004 hatte sie einmal gegen ihren Sohn prozessiert und soll sich so mehr als eine Milliarde Euro erstritten haben.
Mit Agenturmaterial