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MedizintechnikPhilips arbeitet sich aus der Krise – Gewinn und Umsatz legen zu

Der Medizintechnikkonzern wächst wieder schneller und verdient mehr. Der teure Rückruf von Beatmungsgeräten sei weitgehend bewältigt, verspricht Konzernchef Roy Jakobs. Doch einige Risiken bleiben.Maike Telgheder 24.07.2023 - 11:37 Uhr aktualisiert Artikel anhören

Der niederländische Medizintechnikkonzern kann im zweiten Quartal Umsatz und Gewinn deutlich steigern.

Foto: Reuters

Frankfurt. Nach zwei schwierigen Jahren, die durch einen Produktrückruf und Lieferengpässe belastet waren, gewinnt der niederländische Medizintechnikkonzern Philips wieder an Fahrt. Im zweiten Quartal konnten Umsatz und Gewinn deutlich zulegen, wie das Unternehmen am Montag mitteilte. Der Umsatz wuchs von April bis Juni um neun Prozent auf 4,5 Milliarden Euro, nachdem das Wachstum im ersten Quartal noch sechs Prozent betragen hatte. Insgesamt konnte Philips das um Sondereffekte bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Firmenwertabschreibungen (Ebita) auf 453 Millionen Euro mehr als verdoppeln.

Für das Gesamtjahr ist CEO Roy Jakobs nun optimistischer als noch zu Jahresanfang: Der Umsatz soll um einen mittleren einstelligen Prozentwert zulegen, die bereinigte operative Marge (Ebita) soll im oberen einstelligen Prozentbereich liegen. Zuvor hatte das Unternehmen ein Wachstum im niedrigen einstelligen Bereich vorausgesagt und eine operative Gewinnmarge im hohen einstelligen Bereich.

Nach Einschätzung von JP-Morgan-Analyst David Adlington war eine solche Prognoseerhöhung am Markt bereits erwartet worden. Die Aktie von Philips verlor am Montagvormittag zeitweise fast sieben Prozent. Insgesamt notierten die Titel aber mehr als 40 Prozent höher als noch am Jahresanfang.

Philips hatte zuletzt die Lieferfähigkeit verbessert, seine Strukturen verschlankt und sich ein straffes Kostenprogramm verordnet. Der Konkurrent von Siemens Healthineers hatte den Abbau von insgesamt 10.000 Jobs angekündigt, das entspricht etwa jeder achten Stelle. Bisher sind rund 6.600 Stellen gestrichen worden, 7000 sollen es am Ende dieses Jahres sein. Weitere 3000 Stellen sollen dann bis 2025 abgebaut werden.

Philips-Chef Roy Jakobs, der im vergangenen Oktober angetreten war, zeigte sich mit den Fortschritten in der Geschäftsentwicklung zufrieden. Es habe in allen Geschäftssparten und Regionen Verbesserungen gegeben, sagte er. Zweistellige Zuwächse verbuchte Philips in Wachstumsregionen, darunter vor allem in China, dem Mittleren Osten und Lateinamerika.

Im zweiten Quartal konnte Philips die operative Marge auf 10,1 Prozent steigern, nach 5,2 Prozent im Vorjahresquartal. Unter dem Strich verbuchte das Unternehmen im zweiten Quartal einen Nettogewinn von 74 Millionen Euro, nachdem im Vorjahreszeitraum noch ein Verlust von 20 Millionen Euro angefallen war. Die Restrukturierungskosten, darunter insbesondere die Kosten für den Stellenabbau, stiegen im zweiten Quartal auf 161 Millionen Euro, nach 125 Millionen im Vorjahreszeitraum.

Sammelklagen in den USA sorgen für Unsicherheit

Auch bei der Bewältigung des Rückrufs von Beatmungsgeräten, der das Unternehmen seit zwei Jahren belastet, kommt Philips voran. 99 Prozent der Respironics-Geräte und Ersatzteile sind nach Angaben von Philips produziert und vielfach bereits an Kunden und Patienten ausgeliefert worden. In den betroffenen Beatmungsgeräten wurde ein Dämmschaumstoff verarbeitet, von dem sich Partikel lösten. Mehr als fünf Millionen Geräte mussten deswegen zurückgerufen werden. Allerdings laufen weiterhin Sammelklagen gegen das Unternehmen in den USA. Deren mögliche Auswirkungen sind nicht im Ausblick von Philips enthalten.

Im März hatte Philips wegen der Sammelklagen 575 Millionen Euro zurückgestellt. Das Unternehmen erwartet, dass in der zweiten Jahreshälfte eine Vergleichsvereinbarung zur Genehmigung durch das Gericht vorgelegt wird. In den USA wurden bis zum 30. Juni insgesamt 524 Klagen wegen Körperverletzung eingereicht. Weitere 50.000 Personen haben sich in einem freiwilligen, gerichtlich genehmigten Register für potenzielle Kläger eintragen lassen, die keine Ansprüche eingereicht haben, aber in Zukunft Ansprüche geltend machen könnten.

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Lukrativ blieb im zweiten Quartal das Geschäft mit den bildgebenden Verfahren wie Computertomografie und Ultraschall. Die Sparte Diagnosis & Treatment ist um zwölf Prozent auf 2,1 Milliarden Euro Umsatz gewachsen. Mit einem Gewinnplus von 70 Prozent auf 224 Millionen Euro hat die Sparte rund die Hälfte zum bereinigten operativen Ergebnis von Philips beigetragen. Die Sparte Connected Care, in der auch das Geschäft mit den Beatmungsgeräten angesiedelt ist, legte auf vergleichbarer Basis um sechs Prozent auf 1,3 Milliarden Euro zu.

Der Bereich Personal Care, in dem Produkte wie Ultraschallzahnbürsten verkauft werden, legte um drei Prozent auf 836 Millionen Euro zu. Hier schwächelte vor allem das Geschäft in den USA, während die Umsätze in Westeuropa und China zweistellig zugelegt haben.

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