Trade Republic: „Können auf die nächsten zehn Jahre hinweg sicher operieren“
Christian Hecker, Gründer von Trade Republic, betonte auf dem Handelsblatt Bankengipfel die sichere Finanzierungslage seines Neobrokers.
Foto: Marc-Steffen UngerFrankfurt. Zahlreiche Fintechs stehen im aktuellen Marktumfeld zwischen Ukrainekrieg, Inflation und Zinswende stark unter Druck. Investoren geben frisches Kapital meist nur noch an Firmen, die einen glaubwürdigen Weg zur Profitabilität vorweisen können.
Trade-Republic-Gründer Christian Hecker zeigt sich allerdings entspannt. „Wir sind mit so einem großen Kapitalpolster ausgestattet, dass wir auf die nächsten zehn Jahre hinweg sicher operieren können“, sagte er am Mittwoch auf dem Handelsblatt-Banken-Gipfel.
Zuletzt sammelte der Berliner Neobroker im Juni des vergangenen Jahres 250 Millionen Euro von Investoren ein – und steigerte die Bewertung auf fünf Milliarden Euro. Allein in den vergangenen zwei Jahren sammelte das Unternehmen damit knapp eine Milliarde an Risikokapital ein. Zu den Investoren zählen unter anderem der US-Risikokapitalgeber Sequoia und der kanadische Lehrerpensionsfonds OTTP.
Auf die Frage, ob das Unternehmen bereits operativ profitabel sei, weicht Hecker allerdings aus. „Seit dem ersten Tag führen wir das Unternehmen gesund und mit Bedacht“, sagte er. Trade Republic habe natürlich in Wachstum investiert, „aber seit Tag eins ist jeder Kunde, jeder Trade erst mal profitabel und trägt was zum Unternehmen bei“, so der Gründer.
Trade-Republic-Gründer beim Bankengipfel: „Die Kunden kommen nicht wegen der Zinsen zu uns“
Im zuletzt veröffentlichten Geschäftsbericht zum Geschäftsjahr von Oktober 2020 bis September 2021 stand ein Jahresfehlbetrag von etwa 35 Millionen Euro zu Buche, nach etwa zehn Millionen im Jahr zuvor. Aktuellere Zahlen hat das Unternehmen noch nicht veröffentlicht.
Trade Republic: Bis Anfang des Jahres volle Konzentration auf Aktien und ETF
Der Neobroker hatte sich bis Anfang des Jahres vollständig auf den Handel mit Aktien oder ETFs konzentriert. Seitdem wirbt das Unternehmen auch um Einlagen der Kunden. Anfangs noch mit zwei Prozent Zinsen, ab Oktober mit vier Prozent für Neu- und Bestandskunden. Wie viele Kunden Trade Republic mit dem Angebot gewonnen hat, wollte Hecker ebenfalls nicht beantworten.
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„Kunden kommen nicht wegen der Zinsen zu uns“, sagte der Gründer nur. Sie kämen zu Trade Republic, um in Sparpläne und Wertpapiere zu investieren. Der Neobroker hat nach eigenen Angaben über eine Million Kunden, wobei diese Zahl bereits seit April 2021 kommuniziert wird. Das Unternehmen ist in 17 europäischen Märkten aktiv.
In der vergangenen Woche hatte Trade Republic auch eine neue App präsentiert. In den sozialen Netzwerken erntet der Neobroker dafür derzeit allerdings Kritik, etwa für das Design oder die Funktionalität.
In dieser Umgewöhnungsphase sei es üblich, dass es Kunden gibt, die sich da erst mal zurechtfinden müssen, sagte Hecker. Das Feedback nehme das Unternehmen auf – und baue es ein. „Aber wir sehen ja die Daten, die dahinterliegen und die zeigen, dass die Kunden sehr zufrieden sind mit der App, sagte der Trade-Republic-Gründer.
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Erstpublikation: 20.09.2023, 12:23 Uhr.