Wochenend-NewsletterWie schnelles Glasfaserinternet an einem Unternehmen scheitert – das Handelsblatt-Wochenende

Außerdem: Wieso der Staat mit dem Geld nicht auskommt, wer Deutschlands beste Currywurst brät, und was zwei Kinderfahrradmarken über das Verhältnis von Mittelstand und Private Equity verraten. Unsere Leseempfehlungen.Sven Prange 28.11.2025 - 17:11 Uhr

Liebe Leserin, lieber Leser,

wenn in diesem Land etwas nicht funktioniert, dann liegt es am Staat. Da sind sich eigentlich ja alle einig. Insofern war ich optimistisch, als ich vor zweieinhalb Jahren den Vertrag für einen Glasfaser-Anschluss unterschrieb. Das schnelle Internet der Zukunft, das schien fortan nicht mehr weit entfernt. Schließlich zeichnete für dessen Verlegung mit der Deutschen Glasfaser ein durch und durch privates Unternehmen verantwortlich.

Nun, seitdem hatten wir verschiedene Bautrupps und Außendienstmitarbeiter vor Ort. Die einen verbuddelten ein Kabel. Die anderen kamen, um es zu suchen, weil die Vorgänger keine Pläne hinterlassen hatten. Wieder andere montierten irgendwelche Verstärkerdosen. Zwischendurch passierte über Monate nichts. Irgendwann rief mal jemand an und versprach, bald einen Anschluss ins Haus zu legen. Auch das ist mittlerweile schon etwas länger her.

Derzeit graben verschiedene Bautrupps das halbe Viertel auf, um Kabel entlang der Straßen zu verlegen. Sie hinterlassen sehr viele Stolperfallen, aber bisher kein schnelles Internet.

Das Faszinierende ist: An der Deutschen Glasfaser ist keine Behörde und kein Politiker beteiligt – dennoch klappt dort nicht wirklich viel.

Vielleicht ist das der Punkt, an dem wir einmal in uns gehen sollten. Ich sprach neulich mit dem Berater und Unternehmer Hermann Simon. Der vertrat die These, dass viele Manager es sich in ihrer abwartenden Haltung gegenüber dem Staat sehr bequem gemacht haben – und die schleppende Politik als Ausrede nehmen, um ihre Unternehmen selbst nicht hinterfragen zu müssen. Das unterscheide Manager etwa von Unternehmern, die da viel mehr „hands-on“ seien.

Da ist vermutlich etwas dran. Das soll gar nicht irgendwem die Schuld an irgendwas geben oder eine ganze Berufsgruppe beschimpfen. Vielleicht hilft es aber ja dabei, bei aller berechtigten Kritik an vielen Zuständen in diesem Land, das richtige Maß wiederzufinden. Damit wäre schon vielen geholfen, nicht nur im Advent – zu dem ich Ihnen einen guten Start wünsche.

Ihr
Sven Prange
Ressortleiter Wochenende

Clemens Böckel vor seiner Imbissbude in Duisburg: Auf Baumarktparkplätzen macht er sein Geschäft. Foto: PR

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