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HandelWie Sie beim Kauf von Sportausrüstung Geld sparen

Wer einen Sport betreibt, benötigt oft Ausrüstung. Das kann schnell teuer werden. Unser Kolumnist rechnet vor, was zusammenkommen kann, wo er bescheiden bleibt und was er nie wieder kauft.Thorsten Firlus 28.11.2025 - 04:00 Uhr Artikel anhören
Kolumnist Firlus, Sportsachen: Wer viel läuft, braucht viel Ausrüstung. Die passende muss nicht die teuerste sein. Foto: Firlus

Es sind derzeit die Tage der Rabatte im Handel. Hobbysportler, allemal jene in Disziplinen mit viel Equipment, können sich in aller Regel ständig etwas Neues kaufen. In Deutschland wurden 2024 für 5,5 Milliarden Euro Sport- und Badebekleidung gekauft. Schätzungen des Statista Consumer Market Outlook gehen von einem Anstieg auf 6,2 Milliarden aus.

Für diese Kolumne habe ich mal grob überschlagen, was ich seit 2011 in Summe wohl so zu diesen Umsätzen beigetragen habe. Genau werde ich es wohl nicht mehr hinbekommen, dafür sind schon zu viele Ausrüstungsgegenstände gekommen und wieder gegangen (Laufschuhe! Schwimmbrillen! Fahrradmäntel und -ketten!).

In meiner Hauptsportart Triathlon kommen zudem Kosten dazu, die nicht in dieser Statistik auftauchen: Startgelder. Und streng genommen die Reisekosten für Wettbewerbe in ganz Europa. Allein die Startgebühren für sämtliche Langdistanzen, bei denen ich je gestartet bin, liegen bei rund 10.000 Euro.

Über die Jahre addieren sich diese Kosten plus Jahresgebühr Verein, Startpass und natürlich Laufschuhe, -kleidung oder Neoprenanzüge selbst bei Bescheidenheit und Zurückhaltung auf bestimmt noch einmal 10.000 Euro, allemal, wenn ich die Rennräder hineinrechne, die ich für Training und Wettbewerb angeschafft habe.

Natürlich ist es im Leben immer schön, wenn man einfach die Sahne abschöpfen kann und im Hobbysport im übertragenen Sinne einfach kauft, was gut und teuer ist. Listen von Testsiegern studieren, renommierte Marken auswählen und kaufen – klingt gut, aber das kann und will zumindest ich mir nicht leisten. Über die Jahre habe ich einige Strategien für mich etabliert, um zumindest nicht hemmungslos die Budgetgrenzen zu überreizen. Hier sind sie:

1. Vorjahresmodelle wählen

Die Sportartikelindustrie ist nicht arm an Innovationen. Neue Technologien, meist mit kaum nachvollziehbaren Bezeichnungen, halten Einzug in Schuhe, Schwimmbrillen und erst recht Fahrräder. Ob das Gros der Athleten jedoch bereits in der eigenen Fitness schon alle Parameter ausgereizt hat, sodass der Schritt vom Vorjahres- zum aktuellen Modell sich in Sekunden oder gar Minuten auszahlt, bezweifle ich stark.

Das größte Potenzial für Hobbyathleten für Leistungssteigerung liegt zweifelsfrei im eigenen Training, Lebensführung und Gesundheit, nicht bei fünf Gramm Gewichtsersparnis oder minimal besserer Dämpfung der Sohle.

Schuhgeschäft: Lieber nach Vorjahresmodellen suchen. Foto: dpa

Es ist also ratsam, eher nach den Vorjahresmodellen des eigenen Schuhs zu suchen, vielleicht gar einfach den gleichen zu kaufen, solange es ihn noch gibt, oder bei kostspieligen Anschaffungen wie Laufuhren oder Fahrrädern auf die Auslaufmodelle zu setzen.

2. Equipment für Training versus Wettbewerb

In wichtigen Wettbewerben lege ich vor allem auf zwei Dinge Wert: Zuverlässigkeit und Komfort. Auf mein Equipment muss ich mich verlassen können und es soll im Wettbewerb so komfortabel sein und wenig Zwicken und Zwacken verursachen wie möglich. Das bedeutet, dass ich für die wichtigen Fahrten die bequemsten Radhosen trage, die ich bislang finden konnte und die entsprechend kostspielig sind.

Die allermeisten Kilometer, ob laufend oder radelnd, lege ich jedoch zwischen den Wettbewerben im Alltag zurück. Schnöde Einheiten vor der Haustür, die keine maximale Leistung erfordern. Da tut es auch die Laufhose vom Discounter und der Satz Felgen aus dem unteren Preissegment.

Training mit mehr Widerstand heißt, dass ich im Wettbewerb zudem von den paar weniger Watt profitiere, die ein teurer Ausrüstungsgegenstand ausmachen kann. Kann. Wenn es so ist, prima. Aber die Kosten reduziert habe ich allemal.

3. Wichtig von unwichtig unterscheiden

Den oben erwähnten Komfort stelle ich bei Veranstaltungen über mehrere Stunden sehr weit in den Vordergrund. Vermeintlich kleinere Schmerzen, verursacht durch eine Reibung oder eine Falte können sich dann zu einem riesigen Thema entwickeln, da mit der Ermüdung auch die Fähigkeit schwindet, kleinere Unannehmlichkeiten auszublenden.

Eine brennende Schürfwunde kann dann zu einem gigantischen Problem werden, da der Kopf sich damit auseinandersetzen muss. Dessen Konzentration ist jedoch an anderer Stelle viel nötiger.

Da investiere ich viel. Dann wiederum gibt es Ausrüstungsgegenstände, die nahezu keinen Einfluss haben auf das Resultat, zumindest im Mittelfeld. Oder dahinter. Das beginnt am Kopf. Die Helme, die ich in den Jahren regelmäßig ersetze, sind bequem und sicher, soweit das die Siegel versprechen können. Besonders teuer sind sie nicht.

Die letzten kostspieligen Finessen in der Aerodynamik, die möglich sind, kann ich durch eine bessere Sitzposition allemal schneller herausholen. Die Brillen, ob mit Tönung oder ohne, sind die einfachsten, die ich im Fachhandel oder als Aktionsware kaufen kann. Auch meine Schwimmbrille ist seit 10 Jahren das gleiche zuverlässige Modell.

Laufschuhe sollten mir gut gefallen, die Socken sind einfach Socken. Bei den Laufhosen für die Trainingskilometer tut es allemal das einfache Material von Fachgeschäft oder Aktionsware. Am Fahrrad investiere ich definitiv in die Qualität der Mäntel und Schläuche. Der Trinkflaschenhalter muss dafür nicht zwingend Gewichtsweltmeister nach unten sein.

4. Discounter, wenn möglich

Pünktlich zum Frühjahr und Winter kommen die Aktionen der Non-Food-Abteilungen von Discountern mit ihren Waren für Laufsport, Heimtraining oder auch Radsport um die Ecke. Wenn Dinge verschlissen sind, ersetze ich die Alltagssportsachen gerne dort. Meine Erfahrungen sind in der Regel über die Jahre positiv, wenngleich ich dem einen Discounter einen Vorzug gegenüber dem anderen gebe.

Natürlich merke ich den Unterschied zu hochwertigen Ausrüstungsgegenständen, aber er wird – siehe oben – eben nicht bei jeder morgendlichen Trainingsrunde spürbar.

5. Nie auf Saisonhöhepunkt kaufen

Das vermutlich meiste Geld sinnlos verschwendet man allerdings rasch an ganz anderer Stelle. Wenn Sie, wie ich, bei Gewicht und Kleidungsgröße volatiler sind als der Bitcoin-Kurs, gibt es einen Moment, der einen kostspielig zu stehen kommt: Der Saisonhöhepunkt mit maximaler Fitness und entsprechender Körperverfassung.

Den eng sitzenden Anzug, den ich mir 2018 nach dem Norseman Extremtriathlon und monatelanger Abstinenz und Vernunft kaufte, habe ich exakt kein einziges Mal getragen. Bis ich ihn brauchte, war das Normalgewicht erreicht und ich kam nicht mehr rein.

6. Zu guter Letzt: Schlussverkauf und Black Friday

Es hilft zweifelsfrei, Rabattaktionen, wie sie derzeit laufen, abzuwarten und dann mit einer Liste an Gegenständen, die wirklich benötigt werden, zu schauen, ob sich das ein oder andere günstiger kaufen lässt als regulär. Als eiserne Regel habe ich mir auferlegt, nur die Dinge zu bestellen oder zu besorgen, die auch wirklich ersetzt werden müssen oder die noch zwingend fehlen.

Denn bei allen Versuchen, vernünftig zu bleiben, ist selbstverständlich auch mein Schrank voll mit Sachen, die ich selten oder gar nicht nutze, weil ich sie in guter Laune ohne zwingenden Grund gekauft habe.

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Und für alle anderen Dinge, die vor allem auch Freude in ihrer Nutzung bringen, gibt es ja noch den Wunschzettel.

Thorsten Firlus ist Handelsblatt-Redakteur und ambitionierter Sportler. Im Handelsblatt-Wochenende lässt er Sie alle 14 Tage an seinen Erkenntnissen teilhaben.

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