Märkte Insight: In der Krypto-Branche steht der große Showdown bevor
Die Kryptobranche hat sich seit der FTX-Pleite besser geschlagen als zunächst erwartet.
Foto: ReutersDer große Showdown in der Kryptobranche steht bevor. Nächste Woche beginnt in New York der Prozess gegen Sam Bankman-Fried, den Gründer der im Dezember kollabierten Kryptobörse FTX. Der 31-Jährige wurde einst als „Kryptowunderkind“ gefeiert und muss sich nun in mehreren Fällen wegen Betrugs und versuchten Betrugs verantworten. Er soll Kundengelder veruntreut haben, um Löcher bei seinem Krypto-Hedgefonds Alameda Research zu stopfen.
FTX war einst die zweitgrößte Kryptobörse der Welt. Durch die Pleite haben Kunden Milliarden Dollar verloren. Sie bekommen – wenn überhaupt – nur einen Bruchteil ihrer Einlagen zurück. Dieser Kollaps hat die junge und oft rebellische Branche verändert. Doch sie hat sich nach dem Vorfall besser geschlagen als zunächst erwartet. Das lässt sich an drei Punkten festmachen.
Da wäre, erstens, der Bitcoin-Kurs, der sich erstaunlich schnell erholt hat. Die Sorge vor einer bevorstehenden Pleite von FTX hatte den Preis der größten und ältesten Digitalwährung im November kurzzeitig auf unter 16.000 Dollar fallen lassen. Nun steht der Kurs bei 26.671 Dollar. Seit Jahresbeginn hat der Bitcoin 60 Prozent zugelegt – und das, obwohl die zweitgrößte Handelsplattform in nur wenigen Wochen verschwand.
Angetrieben wurde der Kurs im Frühjahr zunächst von der Krise der US-Regionalbanken, die Sorgen um das traditionelle Finanzsystem schürte. Nun stützt den Kurs vor allem die Hoffnung, dass die US-Börsenaufsicht den ersten Bitcoin-ETF zulassen könnte.
Kryptoaktien haben sich schnell erholt
Zweitens haben sich auch einige Kryptoaktien überraschend schnell wieder erholt. Der Aktienkurs von Coinbase, Amerikas größter Kryptobörse, hat sich seit Anfang Januar mehr als verdoppelt. Das Papier des Neobrokers Robinhood, der ebenfalls eine begrenzte Anzahl an Kryptowährungen zum Handel anbietet, ist seit Jahresbeginn um knapp 20 Prozent gestiegen.
In den vergangenen Wochen notierten die Titel jedoch schwächer, ähnlich wie der breitere Markt. Die Sorge vor weiter steigenden Leitzinsen und einer schwächeren Wirtschaftslage in den USA wie in Europa schreckten Anleger ab. Der Dax verlor am Mittwoch leicht und notierte zum Handelsschluss 0,3 Prozent tiefer bei 15.217 Punkten. Die US-Börsen notierten im frühen Handel uneinheitlich.
Für die Kryptoaktien gilt indes genauso wie für Bitcoin und Co. selbst, dass sie trotz der deutlichen Kursgewinne in diesem Jahr weit von ihren Allzeithochs entfernt liegen.
Das könnte, zweitens, auch damit zu tun haben, dass große Veränderungen in der Branche noch bevorstehen. US-Behörden reichten Klagen gegen Coinbase und die weltgrößte Kryptobörse Binance ein.
Binance war der Erzrivale von FTX. Und es war ausgerechnet Binance-Gründer Changpeng Zhao, der die Stabilität von FTX im vergangenen November angezweifelt hatte. Doch statt von der FTX-Pleite zu profitieren, hat Binance Marktanteile verloren und musste sich laut „Wall Street Journal“ von mehr als 1500 Mitarbeitern trennen, um Kosten zu sparen. Gerade in den USA sei das Geschäft praktisch zum Erliegen gekommen. Kunden sorgen sich um die Zukunft von Binance und ziehen lieber ihre Gelder ab.
Da wirkt es, drittens, paradox, dass ausgerechnet Wall-Street-Größen wie Blackrock nun die Bemühungen um einen Bitcoin-ETF vorantreiben. In Zeiten, in denen die Euphorie bei den Kleinanlegern verflogen ist, arbeiten die großen, etablierten Spieler an einer regulierten Zukunft der Branche. Bankman-Fried kämpft indes aus dem Gefängnis in Brooklyn um seine Zukunft. Ihm droht eine Freiheitsstrafe von mehr als 100 Jahren, sollte er in allen Punkten schuldig gesprochen werden.